Die in Wien lebende Schriftstellerin Teresa Präauer erhält den 42. Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis. Sie wird Mainzer Stadtschreiberin des Jahres 2027; die Verleihung ist für April 2027 geplant. Für die Autorin ist Mainz kein völlig unbekanntes Terrain: 2017 hatte sie dort bereits die Poetikdozentur inne.

Vergeben wird der Preis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz. Er ist mit 12.500 Euro dotiert. Dazu kommen ein Jahr Wohnrecht in der Stadtschreiberwohnung in der Mainzer Altstadt und die Möglichkeit, gemeinsam mit ZDF und 3sat einen Film zu einem frei gewählten Thema zu produzieren.

Eine Jury lobt Präauers Blick auf die Gegenwart

Die Jury begründet die Auszeichnung mit Präauers stilistischer Eigenständigkeit, ihrer präzisen und bildreichen Darstellung der Gegenwart sowie ihrer Beschäftigung mit Identität, Zugehörigkeit und Erinnerung. Als aktuelles Werk wird ihr Essay „Nie mehr weinen“ genannt. Im Frühjahr 2027 soll außerdem ihr neuer Roman „Eine Liebe, zehn Tage“ erscheinen.

Die Jury für 2027 besteht aus den Schriftstellerinnen und Schriftstellern Dörte Hansen, Julia Schoch, Peter Stamm und Feridun Zaimoglu, ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke, ZDF-Kulturchefin Anne Reidt, 3sat-Senderchefin Natalie Müller-Elmau, „Kulturzeit“-Chefin Anja Fix, ZDF-Kulturredakteurin Susanne Becker als Jury-Vorsitzende, dem Mainzer Kulturdezernenten Ata Delbasteh und dem amtierenden Stadtschreiber Sven Regener.

Der Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis wird seit 1985 jährlich vergeben. Präauer ist damit die 42. Preisträgerin. Ihr Weg dorthin begann in Linz: Sie wurde am 28. Februar 1979 geboren, wuchs in Graz und St. Johann im Pongau auf und lebt und arbeitet seit 2003 in Wien.

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Von Germanistik und Malerei zur Literatur

Von 1997 bis 2003 studierte Präauer Germanistik an der Universität Salzburg und an der Humboldt-Universität Berlin sowie Malerei am Mozarteum Salzburg. 2004/05 folgte ein Postgraduiertenstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre schriftstellerische und bildkünstlerische Arbeit hängen eng zusammen: Die Umschläge ihrer Bücher gestaltet sie selbst.

Schon in ihrer ersten Publikation „Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken“ verband sie Zeichnungen mit poetischen Kurztexten. 2010 illustrierte sie Wolf Haas’ Bilderbuch „Die Gans im Gegenteil“. Vögel, Fliegen und Abstürzen kehren in ihrem Werk immer wieder, etwa in „Für den Herrscher aus Übersee“, einem Roman, in dem auch zwei Kinder vorkommen, die den Sommer bei ihren Großeltern verbringen.

Ihr Werk umfasst Romane, Essays, sprachphilosophische Kolumnen und Theaterstücke. Zum Debütroman „Für den Herrscher aus Übersee“ erhielt sie 2012 den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt. 2015 folgten für „Johnny und Jean“ der Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg und eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse. Im selben Jahr war Präauer bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.

„Johnny und Jean“ ist ein Künstlerroman, der in einer zeitgenössischen Kunstszene rund um eine Kunstakademie spielt und unter anderem Salvador Dalí und Marcel Duchamp aufgreift. „Kochen im falschen Jahrhundert“ stand 2023 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie auf den Shortlists des Bayerischen und des Österreichischen Buchpreises; 2024 wurde der Roman mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.

Poetik, Lehre und Bühnenarbeit

Präauer war Gastprofessorin an der Freien Universität Berlin, der Universität Zürich sowie an mehreren US-amerikanischen Universitäten. Im Sommersemester 2016 lehrte sie als Samuel-Fischer-Gastprofessorin für Literatur an der FU Berlin. Ihr Seminar hieß „Poetische Ornithologie. Zum Flugwesen in der Literatur“, die Antrittsvorlesung am 25. Mai 2016 „Tier werden“. 2017 war sie Writer in Residence und Visiting Professor am Grinnell College in Iowa.

2021 hielt sie die Zürcher Poetikvorlesung. 2024 war sie Visiting Writer am Deutschen Haus der New York University und sprach an der Yale University, am Dartmouth College und an der University of Pennsylvania. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Auch fürs Theater schreibt Präauer. Von 2015 bis 2017 veröffentlichte sie die Theaterkolumne „Zeug & Stücke“ bei nachtkritik.de. Ihr Drama „Ein Hund namens Dollar“ wurde im Mai 2018 am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt. Eine dramatisierte Fassung von „Oh Schimmi“ wird seit November 2018 am Schauspielhaus Wien aufgeführt. Für die österreichische Tageszeitung Die Presse schreibt sie außerdem den Fortsetzungsroman „Lieferdienst Wien“.

Seit 2015 erscheint in der Literaturzeitschrift Volltext ihre Kolumne „Präauer streamt“ über das Ansehen von Videos im Internet. Regelmäßig schreibt sie seit 2018 als Gastautorin für die Salzburger Nachrichten; Texte über Kunst und Literatur erschienen außerdem unter anderem auf Zeit Online und in der Süddeutschen Zeitung.

Ein vielseitiges Werk für Mainz

Zu Präauers ausgewählten Veröffentlichungen gehören „Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken“ (2009), „Für den Herrscher aus Übersee“ (2012), „Johnny und Jean“ (2014), „Oh Schimmi“ (2016), „Tier werden“ (2018), „Das Glück ist eine Bohne“ (2021), „Teresa Präauer über Ilse Aichinger“ (2021), „Cranach A–Z“ (2022), „Mädchen“ (2022), „Kochen im falschen Jahrhundert“ (2023) und „Wie man einen Apfel isst“ (2024). Dazu kommen Ausstellungskataloge, Zeichnungen, Kolumnen, Herausgeberschaften und weitere Beiträge zu Kunst und Literatur.

Ihre Arbeiten waren unter anderem in Gruppenausstellungen im Lentos Kunstmuseum Linz, in der Landesgalerie Linz, im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek und im Literaturhaus Wien vertreten. Werke von ihr befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter eine Buchskulptur im Museum für Angewandte Kunst Wien und eine Malerei in der Artothek des Bundes.

Auf ihrer bisherigen Laufbahn stehen außerdem der Erich-Fried-Preis 2017, der Buchpreis der Salzburger Wirtschaft 2017, die Shortlist des Franz-Hessel-Preises 2018, der Ben-Witter-Preis 2022, der Kulturpreis der Stadt St. Johann 2023, der Bremer Literaturpreis 2024 und der Preis der Stadt Wien für Literatur 2025. Genannt werden ebenso Nominierungen für den Bachmannpreis sowie den Deutschen, Bayerischen und Österreichischen Buchpreis. 2025 wurde zudem eine Auszeichnung der Stadt Wien beziehungsweise ein Förderungspreis bekanntgegeben.

Nun kommt also Mainz hinzu: eine Stadtschreiberwohnung in der Altstadt, ein mögliches Filmprojekt mit ZDF und 3sat – und ein Roman, der im Frühjahr 2027 erscheinen soll. Bis zur Verleihung im April bleibt noch ein bisschen Zeit. Präauer hat offenbar einiges vor.