China ist auf dem besten Weg, seinen Einfluss in der internationalen Ordnung massiv auszubauen. Dies geschieht insbesondere durch strategische Infrastrukturprojekte, internationale Initiativen und die Nutzung digitaler Plattformen. Neu ist die Forschungsgruppe „Learning Empire“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird und sich intensiv mit den Einflussstrategien Chinas beschäftigt.
Die Gruppe ist Teil einer neuen Förderrunde, in der 14 Forschungsprojekte intensiv beleuchtet werden. An der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) forschen Dr. Steven Langendonk und Prof. Dr. Matthew D. Stephen. Ziel ist es, die vielfältigen Dimensionen von Chinas Einfluss in verschiedenen Politikfeldern zu analysieren, darunter das internationale Finanzsystem, Infrastruktur, Rohstoffe, digitale Technologien und das globale Wissenschaftssystem.
Ideelle Bindung und globale Governance
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Teilprojekt „Imperiale Ideologie“, das die Praktiken der ideellen Bindung Chinas in der globalen Governance untersucht. Hierbei wird analysiert, wie China seit 2013 gezielt eigene Begriffe und Narrative etabliert hat. Ein prominentes Beispiel dafür ist die „Gemeinschaft mit geteilter Zukunft für die Menschheit“, die nicht nur ein Konzept, sondern auch ein politisches Werkzeug darstellt.
Diese Analyse zielt darauf ab, zu verstehen, wie solche Ideen in internationalen Organisationen und gesellschaftlichen Debatten aufgegriffen werden und welche politische Wirkung sie entfalten. Dabei zeigt sich, dass Einfluss nicht nur durch wirtschaftliche Stärke oder militärische Präsenz, sondern ebenso durch die Prägung politischer Begriffe und Deutungsrahmen erzielt wird.
Methoden und Ziele der Forschungsgruppe
Die Forschenden der Gruppe nutzen ein breites Spektrum an Methoden, darunter Literaturanalysen, Interviews, Feldforschung sowie Inhalts- und Netzwerkanalysen. Die Untersuchung erfolgt auf drei Ebenen: in internationalen Organisationen, in transnationalen Netzwerken und in gesellschaftlichen Diskursen. So soll ein tieferes Verständnis für die Bedingungen ideeller Einflussnahme geschaffen werden.
Ein zentrales Ergebnis dieser Forschung könnte die Erkenntnis sein, dass Chinas Praktiken ideeller Bindung die Grundlage für eine neuartige imperiale Ordnung schaffen. Hierbei ist es entscheidend zu betrachten, wie die Verbreitung von chinesischer Ideologie potenziell zu einer ideellen Abhängigkeit führen kann. Dies könnte wiederum die Autorität Chinas bei der Definition internationaler Normen stärken.
Diese Forschung ist nicht nur entscheidend für die akademische Auseinandersetzung mit Chinas Rolle in der Welt, sondern bietet auch umfassende Einblicke in die möglichen zukünftigen Strukturen der internationalen Politikebene. Zu den beteiligten Institutionen gehören namhafte Universitäten und Institute wie die Universität Bonn, die Universität Bremen, die Goethe-Universität und das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.