Hasso Plattner bleibt reichster Milliardär der Region – mit SAP, Stiftung und Kunstimperium
Am KIT Karlsruhe ist das Ergebnis des regionalen Milliardärs-Rankings 2026 schnell erzählt – und bei genauerem Hinsehen doch ziemlich weit verzweigt: SAP-Mitgründer Hasso Plattner steht erneut an der Spitze. Die Rangliste beruht auf einer Auswertung der „Reichsten-Liste“ des „Manager Magazins“ und führt die zehn reichsten Personen beziehungsweise Unternehmerfamilien der Region auf. Neben den SAP-Gründern liegen weiterhin Unternehmerfamilien vorn; bei einigen Vermögen hat es zuletzt deutliche Veränderungen gegeben.
Konkrete Namen, Vermögenswerte und Rangplätze der übrigen neun Einträge enthält der bereitgestellte Artikeltext nicht. Klar ist aber: Plattners Platz eins hängt eng mit SAP zusammen – und mit einem Vermögen, dessen genaue Höhe sich nicht ganz sauber auf eine Zahl festnageln lässt.
Vom Karlsruher Nachrichtentechniker zum SAP-Architekten
Hasso Plattner wurde am 21. Januar 1944 in Berlin geboren und ist deutscher Staatsbürger. Er studierte Nachrichtentechnik in Karlsruhe und begann 1968 bei IBM Deutschland. Vier Jahre später gründete er in Weinheim gemeinsam mit Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Dietmar Hopp das Unternehmen „Systemanalyse und Programmentwicklung“. Ab 1976 firmierte es als SAP.
1979 übernahm Plattner die Gesamtverantwortung für den Technologiebereich. Er gilt als Hauptarchitekt des Systems R/3, mit dem SAP zum Weltmarktführer für Unternehmenssoftware wurde. Von 1997 bis zum 9. Mai 2003 war er gemeinsam mit Henning Kagermann Co-Vorstandssprecher. Danach wechselte Plattner direkt in den SAP-Aufsichtsrat.
Von Mai 2003 bis zum 15. Mai 2024 führte er das Gremium als Aufsichtsratsvorsitzender. Im Mai 2022 wurde er mit knapp 91 Prozent der abgegebenen Stimmen bestätigt. Im Februar 2023 kündigte er an, nach dem Ende seiner Amtszeit nicht erneut anzutreten. Zunächst war der frühere Deloitte-Chef Punit Renjen als Nachfolger vorgesehen. SAP trennte sich im Februar 2024 von Renjen – unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden standen im Raum. Stattdessen wurde der frühere Nokia-Präsident Pekka Ala-Pietilä nominiert und am 15. Mai 2024 gewählt. Mit dem Ende der Hauptversammlung an diesem Tag endete Plattners Aufsichtsratsmandat.
Die feste Jahresvergütung für den Aufsichtsratsvorsitz betrug zuletzt 275.000 Euro. Ab 15. Mai 2024 erhöhte die Hauptversammlung sie auf 600.000 Euro und strich dafür Zusatzvergütungen für Ausschussarbeit. Seit Mai 2024 berät Plattner SAP als „Chief Software Advisor“ zur mittel- und langfristigen technologischen Ausrichtung.
Zwölf Milliarden Euro – und viele Fragezeichen
Sein geschätztes Vermögen liegt bei rund 12,32 Milliarden Euro. Plattner hält rund sechs Prozent an SAP und ist damit größter Einzelaktionär. SAP zahlte für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie, insgesamt 2,882 Milliarden Euro. Auf Plattners rund sechsprozentiges Aktienpaket entfielen rechnerisch etwa 170 Millionen Euro.
Das Aktienpaket liegt über zwei Beteiligungsgesellschaften, von denen eine der Hasso Plattner Foundation zugeordnet ist. Genau deshalb bleibt die Vermögensschätzung unsicher: Ein Teil der SAP-Aktien und anderer Vermögenswerte gehört formal beziehungsweise wirtschaftlich in den Stiftungszusammenhang.
Rechnet man trotzdem einmal trocken mit einer angenommenen Kapitalrendite von sieben Prozent jährlich, ergäbe sich aus dem Vermögen rechnerisch ein Kapitalertrag von 27 Euro pro Sekunde, 1.640 Euro pro Minute, 98.385 Euro pro Stunde, 2,36 Millionen Euro pro Tag, 71,87 Millionen Euro pro Monat oder 862,44 Millionen Euro pro Jahr. Das ist kein ausgezahlter Lohn, sondern ein hypothetischer Kapitalertrag. Die Zahl klingt natürlich trotzdem so, als hätte jemand beim Taschenrechner kurz schlucken müssen.
Frühere Transaktionen machen die Entwicklung der Beteiligung sichtbar: 2017 verkaufte Plattner SAP-Aktien im Wert von bis zu 373 Millionen Euro. 2019 folgte ein Verkauf von rund 100 Millionen Euro; danach lag seine Beteiligung bei 6,2 Prozent. Im Oktober 2020 kaufte er Aktien für knapp 300 Millionen US-Dollar zurück. Im Juni 2023 kündigte er den Verkauf von bis zu 1,46 Millionen Aktien im damaligen Wert von rund 180 Millionen Euro an, um einen Kredit für frühere Zukäufe abzulösen. Der Verkauf war bis Mitte Juli 2024 terminiert.
Stiftung, Kunst und ein Museum in Potsdam
Plattner lebt in Potsdam-Babelsberg und zeitweise in Südafrika. Seit 1978 ist er mit Sabine Plattner verheiratet; das Paar hat zwei Kinder. Zu seinem Vermögen gehören neben SAP-Aktien unter anderem die San Jose Sharks und das SAP Center, das Hotel- und Golfresort Fancourt in Südafrika, Immobilien in Potsdam sowie eine große Impressionismus-Sammlung.
Die Hasso Plattner Foundation wurde 2015 gegründet und hat ihren Sitz in Potsdam. Wissenschaft und Bildung, Soziales und Naturschutz sowie Kunst und Kultur gehören zu ihren Förderbereichen. Seit ihrer Gründung gab die Stiftung rund eine Milliarde Euro für gemeinnützige Zwecke aus. Sie besitzt unter anderem Immobilien und Sammlungen in Potsdam.
Plattner unterzeichnete im Februar 2013 „The Giving Pledge“. Die Teilnehmer wollen mindestens die Hälfte ihres Vermögens gemeinnützig einsetzen. Im Juni 2022 übertrug er die Komplementärbeteiligung an der Gesellschaft mit einem Teil seiner SAP-Aktien an die Hasso Plattner Foundation und gab dadurch die Stimm- und Verfügungsrechte über diese Aktien ab. Seit seinem Ausscheiden aus dem SAP-Aufsichtsrat muss er Eigengeschäfte nicht mehr laufend melden.
1998 gründete Plattner an der Universität Potsdam das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik. Getragen wird es von einer gemeinnützigen Stiftung. Ursprünglich sagte Plattner mehr als 50 Millionen Euro über 20 Jahre zu, tatsächlich flossen bisher mehr als 200 Millionen Euro. Er finanziert das Institut vollständig und leitet dort das Fachgebiet „Enterprise Platform and Integration Concepts“. Zum Institut gehören die Lernplattform openHPI und die HPI School of Design Thinking.
Weitere Bildungsförderungen kamen über die Jahre hinzu: 2003 gab Plattner zehn Millionen Euro für den Bibliotheksausbau der Universität Mannheim, 2005 folgten 35 Millionen US-Dollar für das Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University. 2018 gingen 4,2 Millionen Euro an die Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt. Außerdem flossen sechs Millionen Euro in das südafrikanische HIV-Präventionsprogramm Isombululo; die Universitäten von KwaZulu-Natal und Kapstadt unterstützte Plattner im Kampf gegen Aids.
Von 2013 bis Ende 2016 finanzierte er den Wiederaufbau des kriegszerstörten Palais Barberini in Potsdam. Das Museum Barberini wurde im Januar 2017 eröffnet. Es zeigt mehr als 100 Werke des Impressionismus und Postimpressionismus, darunter 38 Gemälde von Claude Monet. Die Sammlung gilt als größte Monet-Sammlung Europas außerhalb von Paris. Monets „Meules“ kaufte Plattner im Mai 2019 bei Sotheby’s für 110,7 Millionen US-Dollar – ein Auktionsrekord für Monet und der erste Preis von mehr als 100 Millionen US-Dollar für ein impressionistisches Gemälde.
Ebenfalls 2019 erwarb die Stiftung das Terrassenrestaurant Minsk in Potsdam. Im September 2022 wurde es als Museum für DDR-Kunst und Gegenwartskunst eröffnet. Schon im November 2007 hatte Plattner 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses gespendet.
Sharks, Segel und Südafrika
Hasso Plattner ist Alleineigentümer des NHL-Klubs San Jose Sharks. An der Übernahme beteiligte er sich 2002 für 147 Millionen US-Dollar. 2010 wurde er Mehrheitseigentümer, 2013 übernahm er die restlichen Anteile und wurde Alleineigentümer von Sharks Sports & Entertainment. Zur Gesellschaft gehören die San Jose Sharks, das SAP Center in San José und das Farmteam San Jose Barracuda.
Im August 2025 beschloss der Stadtrat von San José den Umbau des SAP Centers. Die Baukosten werden
