Markus Scheibel kehrt an die Charité zurück und verbindet Unfallchirurgie mit Schulterforschung
Med Berlin – Prof. Markus Scheibel hat zum 1. Oktober 2026 die Professur für Unfallchirurgie und Orthopädie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Damit leitet der 51-Jährige die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Campus Benjamin Franklin (CBF).
Er folgt auf Prof. Wolfgang Ertel, der die Klinik seit 2001 geführt hat und in den Ruhestand gegangen ist. Für Scheibel ist es eine Rückkehr an einen wichtigen Ort seiner beruflichen Laufbahn: An der Charité absolvierte er seine Facharztweiterbildung, habilitierte sich und arbeitete als Oberarzt am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie. Internationale Erfahrungen will er nun in die Weiterentwicklung der Orthopädie und Unfallchirurgie einbringen.
Traumazentrum und Schulterchirurgie
Scheibel bringt langjährige Erfahrung in der Traumaversorgung und große Expertise in der Schulter- und Ellenbogenchirurgie mit. Zu seinen klinischen Schwerpunkten zählen die Akutversorgung von Verletzungen, die operative Stabilisierung und Fixierung von Knochenbrüchen sowie komplexe rekonstruktive Eingriffe.
Die Traumaversorgung am CBF soll als überregionales Traumazentrum weiterentwickelt werden. Zugleich möchte Scheibel die Zusammenarbeit zwischen den Charité-Campi intensivieren und die spezialisierte muskuloskelettale Chirurgie am Campus ausbauen – vor allem an Schulter und Ellenbogen.
Im Mittelpunkt stehen Verletzungen des Schultergürtels und Schultergelenks, komplexe Frakturen, spezielle Instabilitäten, komplexe Ellenbogenverletzungen sowie Erkrankungen und Verletzungen der Rotatorenmanschette. Zum Einsatz kommen minimal-invasive und arthroskopische Verfahren, offene Rekonstruktionen und moderne Gelenkersatzoperationen. Innovationen und moderne Technologien sollen dabei gezielt genutzt werden, wenn sie die Behandlungsqualität und Patientensicherheit verbessern.
Mit Scheibels Rückkehr an die Charité soll die Verbindung von Traumaversorgung, spezialisierter Gelenkchirurgie und muskuloskelettaler Forschung enger werden. Klinische Fragen sollen Forschungsimpulse liefern; wissenschaftliche Erkenntnisse wiederum möglichst rasch in die Behandlung einfließen.
Von Polling über Leipzig nach Berlin
Markus Scheibel ist deutscher Orthopäde und Unfallchirurg mit Schwerpunkt Schulterchirurgie. Aufgewachsen ist er in Polling bei Mühldorf am Inn. Ab 1984 besuchte er das Ruperti-Gymnasium in Mühldorf. Ein Sturz im Alter von 15 Jahren, der vorübergehende Lähmungen verursachte, beendete seine Karriere im Turnen. Die anschließenden ärztlichen Behandlungen und die Rehabilitation brachten ihn auf den Wunsch, selbst Arzt zu werden.
Von 1994 bis 2001 studierte Scheibel Medizin an der Universität Leipzig; 2002 wurde er promoviert. Von 2001 bis Ende 2002 arbeitete er als Arzt im Praktikum bei Peter Habermeyer an der ATOS-Klinik Heidelberg. Im Dezember 2002 wechselte er zu Andreas Imhoff in die Abteilung und Poliklinik für Sportorthopädie des Klinikums rechts der Isar in München. Ab 2004 arbeitete er an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
2008 erwarb er den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, 2009 habilitierte er sich in diesem Fach. 2016 kam die Zusatzbezeichnung „Spezielle Unfallchirurgie“ hinzu. Aufenthalte führten ihn an die University of California in San Francisco, die University of Cape Town und die Louisiana State University in New Orleans.
Ab 2010 war Scheibel an der Charité Leitender Arzt des Bereichs Schulter- und Ellbogenchirurgie sowie unfallchirurgischer Oberarzt. Von 2012 bis Mai 2018 hatte er eine W2-Professur für Arthroskopie und Sportmedizin mit Schwerpunkt Schulterchirurgie inne – am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) und am Centrum für Sportwissenschaft und Sportmedizin Berlin (CSSB).
Seit Juni 2018 ist Scheibel Visiting Professor an der Charité Berlin. Am 1. Juli 2018 wurde er Chefarzt der Abteilung „Obere Extremitäten“ der Schulthess-Klinik in Zürich; heute ist er dort Chefarzt der Abteilung „Schulter- und Ellbogenchirurgie“.
Forschung, Lehre und ein Labor für Gewebe
Die Forschungsagenda am CBF ist breit angelegt: Scheibel will minimal-invasive Verfahren an Schulter und Ellenbogen weiterentwickeln, individuell passende Therapien untersuchen und Behandlungsergebnisse langfristig bewerten. Klinische Outcome-Daten sollen mit patientenspezifischen Faktoren verknüpft werden. Dazu kommen digitale Technologien, datenbasierte Methoden und neue Therapieverfahren.
Weitere Schwerpunkte sind Prävention und regenerative Forschung. Im BioReconstruction Lab am CBF sollen neue Verfahren zur Heilung und Rekonstruktion von Gewebe entstehen und in die klinische Anwendung überführt werden. Auch Mixed Reality und Robotik für die muskuloskelettale Chirurgie will Scheibel erforschen und nutzen. Geplant ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, unter anderem mit anderen medizinischen Fachrichtungen, der Medizintechnik und der digitalen Gesundheitsforschung.
Studierende sowie junge Ärztinnen und Ärzte sollen früh mit modernen Behandlungskonzepten und wissenschaftlichem Arbeiten vertraut werden. Vorgesehen sind praxisnahe Lehre, frühe Einblicke in die Orthopädie und Unfallchirurgie, eigene wissenschaftliche Erfahrungen und Mentoring.
Schon seit 2003 war Scheibel Mitorganisator und wissenschaftlicher Leiter von Schulterkursen am Klinikum rechts der Isar und an der Charité. Seit 2015 ist er Co-Chairman des alle zwei Jahre stattfindenden Paris International Shoulder Course (PISC). 2016 gründete er den Berlin International Shoulder Course (BISC).
Von 2015 bis 2021 war Scheibel Präsident der DACH Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE), 2021 wurde er zu deren Generalsekretär gewählt. Für 2024 war er als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) sowie als stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) vorgesehen.
- Alwin-Jäger-Preis 2012 der AGA für eine Arbeit zum Einfluss von Alter und Geschlecht auf Zellpotenzial und klinische Ergebnisse nach Rekonstruktion der Rotatorenmanschette
- Alwin-Jäger-Preis 2012 der DVSE für eine Arbeit zur arthroskopischen Pfannenrandrekonstruktion mit autologer Spanplastik
- Jochen-Löhr-Preis 2014 der DVSE für eine Arbeit zum Einfluss knöcherner Defekte auf den präoperativen Zustand bei anteroinferiorer Schulterinstabilität
- Alwin-Jäger-Preis 2019 der DVSE für eine Arbeit zur biologischen Augmentation mit subakromialer Bursa bei arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion
- Strohmeyer-Probst-Medaille 2021 der DGU für „Expertise Orthopädie und Unfallchirurgie – Schulter“ gemeinsam mit U. Brunner
Wenn die Rotatorenmanschette reißt
Ein Sehnenriss der Rotatorenmanschette kann durch Verschleiß oder einen Unfall entstehen. Typisch sind starke Schmerzen – besonders beim seitlichen Anheben des Arms und beim Greifen hinter den Körper. Nachts können sie quälend werden; bei ausgeprägten Rissen kommt ein deutlicher Kraftverlust im betroffenen Arm hinzu.
Ob eine Operation notwendig ist, entscheidet die fachärztliche Untersuchung. Hauptziel des Eingriffs ist, die abgerissenen Sehnen wieder am Knochen zu befestigen, damit sie während der Heilung fest einwachsen können. Meist geschieht das arthroskopisch mit Nahtankern und/oder transossären Nähten. Die Nähte verbinden die Sehne vorübergehend mit dem vorbereiteten Knochen.
Nach der Operation bleibt der Arm etwa sechs Wochen in einer speziellen Bandage mit kleinem Kissen ruhiggestellt. Zur Körperpflege darf die Bandage abgenommen werden. Vorsichtige Bewegungen beginnen bereits am ersten Tag – unter physiotherapeutischer Anleitung und nur innerhalb des vom Operateur freigegebenen Bereichs. Das soll Verklebungen und Verwachsungen verhindern.
Je nach Wundheilung und Schmerzintensität dauert der Klinikaufenthalt etwa ein bis fünf Tage. Die konkrete Nachbehandlung richtet sich nach Größe, Lage und Alter des Sehnenrisses. Das Einwachsen der Sehne dauert mindestens drei Monate; Krafttraining und schwere körperliche Arbeit mit der operierten Schulter sind in dieser Zeit nicht erlaubt. Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit können in der Regel auch Freizeitaktivitäten wieder aufgenommen werden. Wann die Rückkehr zu einer
