Neue Hausarztpraxis in Steilshoop verbessert Barrierefreiheit – der Versorgungsmangel bleibt
Im Hamburger Stadtteil Steilshoop gibt es am Schreyerring 51 eine neue Hausarztpraxis. Dr. med. Ramin Ahrary hat dort Räume eröffnet, die barrierefrei zugänglich sind. Für viele Menschen dürfte das eine spürbare Erleichterung sein – gerade für Patientinnen und Patienten mit Rollstuhl, Rollator oder anderen Mobilitätseinschränkungen.
Nach Angaben des Artikels stehen dem Stadtteil dadurch zwei zusätzliche Hausärzte sowie ein Assistenzarzt zur Verfügung. Ein Patient berichtete in einer Steilshooper Facebook-Gruppe, er habe ohne Termin etwa zehn bis 15 Minuten gewartet und sei zufrieden gewesen. Kein schlechter Start für eine Praxis, in der es bisher an allen Ecken und Enden fehlte.
Neue Räume, kürzere Wege
Die bisherigen Praxisräume von Dr. Ahrary waren nur über zwei Treppen erreichbar. Für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, war der Weg dorthin entsprechend schwierig. Die neuen Räume befinden sich in ehemaligen Verwaltungsräumen von Vonovia. Das Wohnungsunternehmen stellte sie für die Arztpraxis zur Verfügung. An der Umsetzung waren Dr. Ahrary, Vonovia und weitere Unterstützer beteiligt.
Die Hausarztpraxis Dr. med. Ramin Ahrary liegt am Schreyerring 51 in Hamburg-Steilshoop. Telefonisch ist sie unter +49 40 524716050 erreichbar. Geöffnet ist von Montag bis Freitag jeweils von 08:30–13:00 Uhr. Zusätzlich gibt es montags, dienstags und donnerstags Sprechzeiten von 15:00–18:00 Uhr.
Der Weg bis zur Eröffnung war allerdings kein Selbstläufer. Die Suche nach geeigneten Räumen erschwerte die Neugründung, denn das Einkaufszentrum war wegen seines Zustands nicht für eine Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzten geeignet.
Zwischen Mangel und neuer Praxis
Wie dringend die zusätzlichen Kapazitäten gebraucht wurden, zeigt ein Blick zurück: 2020 gab es in Steilshoop laut Artikel zehn Hausärzte für rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Nach der Schließung der Miamedes-Praxis blieb bei gleicher Einwohnerzahl zuletzt nur noch eine Hausarztpraxis übrig.
Anwohnerinnen und Anwohner kritisieren seit Jahren lange Wege, volle Wartezimmer und fehlende Alternativen. Besonders ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen waren laut dem CDU-Abgeordneten Sandro Kappe betroffen. Die verbliebene Praxis sei für viele nicht barrierefrei erreichbar gewesen.
Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigte laut Kappe zwei zusätzliche Hausarztsitze. In einer früheren Planung war vorgesehen, dass zum 1. Oktober im Schreyerring in Vonovia-Räumen eine neue Praxis mit drei Hausärzten und einem Assistenzarzt eröffnet. Die bestehende Praxis am Fritz-Flinte-Ring sollte mit einem Hausarzt erhalten bleiben. Damit wären ab Herbst insgesamt vier Hausärzte und ein Assistenzarzt in zwei Praxen im Stadtteil tätig.
Eine offizielle Bestätigung stand zunächst noch aus. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg verwies auf die Unabhängigkeit des Zulassungsausschusses und den Datenschutz. Gegen Beschlüsse kann grundsätzlich Widerspruch eingelegt werden.
Heute sind es einschließlich der neuen Praxis vier Hausärzte und ein Assistenzarzt. Der zusätzliche Bedarf ist damit aber nicht verschwunden. Im Gegenteil: Der Artikel weist ausdrücklich darauf hin, dass Steilshoop weiterhin mehr Ärztinnen und Ärzte sowie weitere medizinische Behandlungskapazitäten braucht. Kappe bezeichnete die geplante Praxis als wichtigen Schritt, mahnte aber, sie dürfe nur der Anfang sein. Er kündigte an, sich weiter für zusätzliche Arztpraxen in Steilshoop einzusetzen. Von den früheren zehn Hausärzten ist der Stadtteil weiterhin deutlich entfernt.
Warum „nicht unterversorgt“ trotzdem nach Mangel klingt
Offiziell gilt Steilshoop nicht als unterversorgt. Der Grund: Die Kassenärztliche Vereinigung bewertet die Versorgung auf Landesebene. Außerdem können Patientinnen und Patienten auf Praxen in umliegenden Stadtteilen ausweichen. Auf dem Papier mag das funktionieren. Im Alltag bedeuten solche Ausweichmöglichkeiten für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität aber oft lange Busfahrten, zusätzliche Wege und Wartezimmer, die ohnehin schon voll sind.
Für Hamburg wird die ärztliche Versorgung nach Vorgaben der Bedarfsplanung betrachtet. Der Deutsche Bundestag hat den Gemeinsamen Bundesausschuss, kurz G-BA, damit beauftragt, die Verteilung von Ärztinnen und Ärzten über die Bedarfsplanungsrichtlinie zu regeln. Geplant wird bevölkerungsbezogen für jede Region einer Kassenärztlichen Vereinigung.
Grundlage ist eine Verhältniszahl: Wie viele Einwohnerinnen und Einwohner kommen auf einen Arzt? Aus dem Vergleich zwischen den tatsächlich zugelassenen Ärztinnen und Ärzten und dem errechneten Bedarf ergibt sich der Versorgungsgrad. Bei 100 Prozent entspricht die Zahl der zugelassenen Ärzte dem Bedarf, ab mehr als 110 Prozent gilt ein Gebiet als überversorgt.
Für Hamburg wurde bei allen Arztgruppen eine Überversorgung festgestellt. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschloss deshalb Zulassungsbeschränkungen. Der gesamte Planungsbereich Hamburg ist für Neuzulassungen in allen Arztgruppen gesperrt. Wer ambulant in eigener Praxis zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung arbeiten will, kann sich grundsätzlich nur durch die Übernahme der Praxis eines ausscheidenden Vertragsarztes niederlassen.
Das macht neue Standorte nicht gerade leichter. Beim Praxiskauf werden neben der Ausstattung meist große Teile des Patientenstamms übernommen. Die Kaufpreise können je nach Fachrichtung deutlich über 100.000 Euro liegen, etwa bei Hausarztpraxen; in spezialisierten Fächern wie der Radiologie können mehrere hunderttausend Euro anfallen. Dieses Geld muss langfristig refinanziert werden.
Weil der Patientenstamm in der Regel mit der Praxis übernommen wird, bleibt eine übernommene Praxis meist am bisherigen Standort oder in unmittelbarer Nähe. Die räumliche Verteilung der Ärztinnen und Ärzte innerhalb Hamburgs verändert sich dadurch im Wesentlichen nicht. In Steilshoop stehen nun immerhin neue, barrierefreie Räume bereit – am Schreyerring 51, mit geöffneten Türen und einem Telefon, das unter +49 40 524716050 klingelt.
Quelle: Sandro Kappe
Weitere Informationen: Hamburger Morgenpost
Kontext zur Bedarfsplanung: vdek Hamburg
