Feuchte Kohle im Keller entzündet sich selbst in Cottbus
Am Donnerstagvormittag hat sich an der Senftenberger Straße in Cottbus feucht eingelagerte Kohle selbst erhitzt und entzündet. Rund neun Tonnen lagen in einem Keller. Die Feuerwehr war zunächst wegen eines kleineren Brandes alarmiert worden – vor Ort zeigte sich dann, dass deutlich mehr dahintersteckte.
Nach Angaben von Einsatzleiter Ronny Mager setzte die feuchte Lagerung chemische Prozesse in Gang. Die Kohle erwärmte sich weiter, schließlich kam es zur Entzündung. Dabei entstand Rauch. 38 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr waren im Einsatz.
Kohle musste per Hand aus dem Keller
Nach dem Ablöschen trugen die Einsatzkräfte die Kohle Stück für Stück aus dem Gebäude. Mehrere Tonnen mussten auf diese Weise hinausgeschafft werden. Im Freien wurde das Material auf einer Wiese verteilt, wo es weiter abreagieren kann. Erst nach einer abschließenden Freimessung sollte die Einsatzstelle an den Eigentümer übergeben werden.
Für den Verkehr war der Einsatz spürbar: Auf der Senftenberger Straße kam es zu Einschränkungen, auch der Linienverkehr von Cottbusverkehr war betroffen. Solche Einsätze habe es im Cottbuser Stadtgebiet bereits gegeben, teilte die Feuerwehr mit – sie seien allerdings selten.
Zum Beginn der Heizsaison rät die Feuerwehr, Kohle ausschließlich trocken zu lagern. Feuchte Kohle gehört nicht in geschlossene Kellerräume. Auch Material, das sich bereits erwärmt hat, kann weitere Aufheizungsprozesse auslösen und sich im schlimmsten Fall selbst entzünden.
Wenn Wärme nicht mehr entweichen kann
Selbstentzündung bedeutet, dass sich ein brennbarer Stoff spontan entzündet, sobald er seine Selbstentzündungstemperatur erreicht. Katalysatoren und Oberflächeneffekte können diese notwendige Schwellentemperatur senken. Bei kohlenhydratreichen Materialien erzeugen biologische Oxidation oder Verwesung Wärme; wird sie nicht ausreichend abgeführt, setzen chemische Prozesse ein, die schließlich zur Entzündung führen können.
Entscheidend ist dabei eine ausreichende, aber nicht zu starke Durchlüftung. Gefährdet sind ausreichend große Mengen leicht brennbarer organischer Stoffe – etwa Heu, Kohle, Mehl, ölgetränkte Lappen oder Holzspäne. Auch organische Materialien wie Lignin können durch ihren Sauerstoffgehalt sowohl die Verrottung als auch die Erwärmung und Entzündung von Grünholz begünstigen.
Der Mechanismus betrifft deshalb nicht nur Heu. Größere feuchte Ansammlungen kohlenhydratreichen Materials, darunter Komposthaufen, können sich ebenfalls entzünden. Feuerwehrleute löschen etwa einen großen Komposthaufen, der sich selbst entzündet hat. Auch Hausmüll auf Deponien ist ein möglicher Brandherd; manche Deponieflächen werden deshalb mit Wärmebildkameras überwacht.
Getrockneter Klärschlamm kann Feuer fangen, wenn der Feuchtigkeitsgehalt des Trockenguts zu hoch ist. Solche Klärschlammbrände sollen nicht mit Wasser gelöscht werden. Stattdessen wird das Material auseinandergezogen und kontrolliert abreagieren gelassen – ein Vorgehen, das an die ausgetragene Kohle in Cottbus erinnert.
Von Kohlehalden bis zum öligen Putzlappen
Auch Kohlehalden sowie oberflächennahe oder freigelegte unterirdische Kohlelagerstätten sind gefährdet. Kohlehalden werden daher häufig mit Wasser gekühlt oder umgelagert. Kohlestaub besitzt wegen seiner großen Oberfläche eine hohe Reaktionsfläche: Er kann sich durch die Reaktion mit Sauerstoff erwärmen und entzünden. Wiederholt kam es dadurch zu Bränden in Kohleflözen und bei umgelagerter Kohle.
Eine große Oberfläche spielt auch bei ungesättigten Verbindungen wie Pflanzenölen oder Terpenen eine Rolle. Sie können sich durch die Reaktion mit Luftsauerstoff erwärmen. Unter geeigneten Bedingungen entstehen daraus Verpuffungen, Schwelbrände und anschließend offene Feuer. Begünstigt wird das durch größere Mengen locker gelagerten Schüttguts, eine große Reaktionsoberfläche und den niedrigen Flammpunkt mancher natürlich vorkommender Terpene ab etwa 35 °C. Terpendämpfe können beispielsweise in Nadelwäldern oder aus terpentinhaltigen Lacklösungsmitteln auftreten.
Der Klassiker aus Haushalt und Hobbywerkstatt ist der zusammengeknüllte, öl- oder firnisgetränkte Lappen. Durch die große Reaktionsoberfläche und den Wärmestau kann er kritische Temperaturen erreichen. Öl- und firnisgetränkte Lappen sollen deshalb nach Gebrauch in dicht schließenden Metallbehältern gelagert oder kontrolliert verbrannt werden – besonders bei Leinölfirnis und noch stärker bei modernen Hartölen.
Auch mit Pflanzenölen verschmutzte und unsachgemäß gereinigte Wäsche kann sich in größeren Stapeln oder Haufen selbst entzünden. Wäschetrockner und Wäschemangeln erhöhen das Risiko, wenn die Wäsche danach nicht abkühlt. In Haushalten und Hobbywerkstätten können außerdem Rückstände flüssiger Beschichtungsstoffe wie Naturharze sowie ölgetränkte Putzwolle problematisch werden.
Metallstaub, Sauerstoff und ein Irrtum
Bestimmte Stoffe reagieren bereits bei Raumtemperatur unter Flammenerscheinung mit Luftsauerstoff und gelten als pyrophor. Dazu zählen unter anderem Caesium, Rubidium, weißer Phosphor, Lithium, Aerosole von Eisen- oder Aluminiumpulvern, viele substituierte Phosphine und Silane.
Eine vergrößerte Oberfläche verstärkt die Entzündungsneigung. Frisch hergestelltes Magnesiumpulver kann sich an der Luft bis zur Selbstentzündung erwärmen. Bei größeren Mengen Metallstaub wirkt die isolierende Schicht im Inneren wie ein Wärmespeicher; dadurch können sich auch weniger reaktive Metalle wie Aluminium entzünden.
Beim Umgang mit reinem Sauerstoff ist besondere Vorsicht nötig, weil sich viele Stoffe darin besonders leicht entzünden. Armaturen von Sauerstoffflaschen müssen frei von Fetten und Ölen sein, damit keine Selbstentzündung entsteht.
Und nein: Die angebliche spontane Selbstentzündung von Menschen gehört in den Bereich der modernen Sage. Für die Einsatzkräfte an der Senftenberger Straße war die Gefahr sehr real – Kohle, Keller, Rauch und viel Handarbeit. An der TU Cottbus bleibt als Einordnung vor allem der Hinweis, dass der herangezogene Leitfaden des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg ausschließlich technische PDF-Daten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel enthält.
Stand: 31.10.2026. Ort: TU Cottbus.
Quellen: Niederlausitz aktuell, Wikipedia: Selbstentzündung und Leitfaden Brandvermeidung.
