Aichach diskutiert Demokratie: Sofagespräche, Kreativwerkstatt und Musik im Jugendzentrum
Am Freitag, 2. Oktober 2026, wird es im Aichacher Jugendzentrum wieder laut, bunt und politisch: Ab 18 Uhr lädt die dritte „Lange Nacht der Demokratie“ zum Mitreden, Zuhören, Basteln, Essen, Tanzen und Musikhören ein. Das Bündnis „Aichach Bleibt Bunt!“ hat die Veranstaltung mit zahlreichen Partnern vorbereitet. Willkommen sind alle Generationen – vom Grundschulkind bis zum Stadtrat, vom neugierigen Flohmarktgast bis zur eingefleischten Musikfreundin.
Rund 400 Menschen kamen 2025 rund um das Jugendzentrum zusammen. Für die dritte Ausgabe wurde das Konzept nun mit neuen Programmpunkten und Angeboten für Kinder und Jugendliche weiterentwickelt. Gastgeber ist das Jugendzentrum Aichach unter der Leitung von Cristoforo Calabro; Veranstalter ist das Jugendbüro SIA als Träger des Jugendzentrums.
Flohmarkt unter Lichterketten und Gespräche auf dem Sofa
Vor dem Jugendzentrum beginnt um 18 Uhr ein Flohmarkt unter Lichterketten. Wer selbst einen Stand anbieten möchte, kann ihn per E-Mail an flohmarkt@aichach-bleibt-bunt.de anmelden. Die Stadt stellt die Flohmarktstände kostenlos bereit – Kisten, Bücher, Kleidung und den klassischen „Das-kann-noch-jemand-brauchen“-Fundus müssen Interessierte trotzdem selbst mitbringen.
Nach der Eröffnung durch Schirmherr und Bürgermeister Josef Dußmann startet auf der Bühne das neue Format „Sofagespräche“. Es ersetzt das Speeddating aus dem Jahr 2025. Moderiert wird die Runde von Gaby Mücke und Janet Schumacher von der VHS Aichach. Kinder und Jugendliche können Bürgermeister, Stadtratsreferentinnen und -referenten sowie Fachleute befragen; angekündigt sind Gesprächspartner aus ganz unterschiedlichen kommunalen Bereichen:
- Mario Pettinger für Jugend
- Marion Zott für Kindergärten
- Marco Laves für Schulen
- Nicole Matthes für Soziales
- Andreas Sturm für Freizeit und Erholung
- Simon Sponer für Sport
- Andreas Hager für Umwelt- und Naturschutz
- Stefan Meitinger für Feuerwehr
- Manfred Huber für Landwirtschaft
- Lothar Bahn für Wasser- und Abwasserversorgung
Den Auftakt gestalten die „Mini-Demokraten“: Kinder der Grundschule Aichach-Nord und des Deutschherren-Gymnasiums treten gemeinsam mit ihrer Lehrerin Miriam Gruber auf. Danach kommen die „Zukunftsmacher“ zu Wort, darunter Mitglieder des Jugendkreistags und Jugendliche aus Schulen im Landkreis. Fragen aus dem Publikum werden nach Möglichkeit direkt aufgegriffen. Was offenbleibt, wandert ins Juze-Café – dort wird der Gesprächsfaden ab 19.15 Uhr unter dem Titel „Alle Generationen treffen auf Stadtpolitik“ an Thementischen weitergesponnen. Bürgerinnen und Bürger jeden Alters können Fragen, Erfahrungen und Ideen einbringen und mit Stadtverantwortlichen diskutieren.
Postkarten, Collagen und ein ziemlich voller Musikabend
Ab 18.30 Uhr öffnet unter der Leitung von Katja Pokorny und Miriam Gruber die Kreativwerkstatt „Zukunftsorakel – Wie wollen wir leben!“. Die Teilnehmenden gestalten Postkarten mit Wünschen, Ideen und Botschaften für die Zukunft Aichachs und das Zusammenleben. Außerdem entstehen Collagen aus alter Wahlwerbung und Zeitschriften – Material, das sonst vermutlich eher im Altpapier landen würde.
Später sollen die Werke gemeinsam mit Impulsplakaten der John-Dewey-Stiftung der TU Dresden bei der Aichacher Museumsnacht am Eichenhain vor dem Verwaltungsgebäude I am Tandlmarkt beziehungsweise vor dem neuen Rathaus gezeigt werden.
Auf der Bühne geht es musikalisch gestaffelt durch den Abend: Um 19.45 Uhr spielt Janik Elijah Indie-Pop. Um 20.45 Uhr folgen Last Exit Brooklyn aus Augsburg, drei junge Brüder mit Indie, Punk und Brit-Pop im Gepäck. Um 22 Uhr übernimmt Gilla Bounce aus Augsburg mit Jazz, Funk und Reggae. Das dürfte dann schon ordentlich in die Beine gehen.
Für Getränke sorgt erneut der Verein PaarRauschen im Jugendzentrum. Im Außenbereich verkaufen die Pfadfinder Grillgerichte, darunter auch vegane Speisen. Zusätzlich steht am Eingang der Mamba-Burger-Foodtruck vom Plattenberg.
Wer dahintersteht – und wie das Programm finanziert wird
Unterstützt wird die Lange Nacht unter anderem von der Stadt Aichach, dem Landratsamt Aichach-Friedberg, der VHS Aichach-Friedberg, dem Kulturverein PaarRauschen und den Pfadfindern. Schirmherren sind Aichachs Erster Bürgermeister Josef Dußmann und Landrat Dr. Marc Sturm. Finanziert wird die Veranstaltung über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und den Landkreis Aichach-Friedberg.
Das Bundesprogramm besteht seit 2015 und ist als lernendes Programm angelegt: Es wird fortlaufend an gesellschaftliche Herausforderungen angepasst. Nach zwei Förderperioden gilt es als umfassendstes Präventions- und Gestaltungsprogramm des Bundes für zivilgesellschaftliche Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention. Die dritte Förderperiode läuft von 2025 bis 2032 und startete im Januar 2025.
Das Bundesfamilienministerium hat Ziele und Strukturen dafür neu ausgerichtet und stärker fokussiert. Eingeflossen sind Erfahrungen aus der ersten Förderperiode von 2015 bis 2019, aus der zweiten von 2020 bis 2024 sowie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Gefördert wird zivilgesellschaftliches Engagement auf allen staatlichen Ebenen – für ein vielfältiges und demokratisches Zusammenleben und gegen Radikalisierung und gesellschaftliche Polarisierung.
In der dritten Förderperiode ist „Demokratie leben!“ Teil der Regierungsstrategie „Gemeinsam für Demokratie und gegen Extremismus – Strategie der Bundesregierung für eine starke, wehrhafte Demokratie und eine offene und vielfältige Gesellschaft“. Sie ersetzt die Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung aus dem Jahr 2016. Ziel ist es, Demokratie zu stärken, ein friedliches und respektvolles Zusammenleben zu fördern, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und Maßnahmen gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit zu unterstützen.
Die Arbeit konzentriert sich auf drei Handlungsfelder: Demokratie fördern, Vielfalt gestalten und Extremismus vorbeugen. Dafür stärkt das Programm die Zivilgesellschaft durch geeignete Rahmenbedingungen. Die Projektförderung setzt verstärkt auf Vernetzung, Wissensaustausch und bundesweite Qualitätsentwicklung; in der Regel ist eine längerfristige Gesamtförderdauer von bis zu acht Jahren möglich.
Zum Programm gehören fünf Bereiche: die Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur, Landes-Demokratiezentren, Partnerschaften für Demokratie, Innovationsprojekte sowie Extremismusprävention in Strafvollzug und Bewährungshilfe. Zivilgesellschaftliche Organisationen können sich professionalisieren und etwa bei digitaler Demokratie, Antisemitismus und Rassismus stärker kooperieren. Landes-Demokratiezentren bieten mobile Beratung, Opfer- und Betroffenenberatung sowie Ausstiegs- und Distanzierungsberatung. Partnerschaften für Demokratie vernetzen aktive Menschen und Organisationen in Kommunen; Innovationsprojekte suchen neue, kreative Ansätze. Im Strafvollzug und in der Bewährungshilfe werden Projekte zur Beratung und Begleitung radikalisierungsgefährdeter und ideologisierter Personen gefördert.
Ergänzend gibt es Sondervorhaben zu Forschung, Unterstützung, Qualifizierung und Vernetzung, Evaluation sowie wissenschaftlicher Begleitung. Eine neue Förderrichtlinie zur Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie wurde im Zuge der Weiterentwicklung erarbeitet. Die Förderrichtlinie „Demokratie leben!“ trat am 1. Januar 2025 in Kraft; administrativ umgesetzt wird sie vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
Und während auf Bundesebene über Förderperioden, Richtlinien und Qualitätsentwicklung gearbeitet wird, stehen in Aichach am 2. Oktober erst einmal Sofas, Flohmarktstände, Postkarten, Grillgeruch und Musik bereit. Ab 18 Uhr im Jugendzentrum.
