Dresden-Kaditz verstärkt den Elbdeich für den Hochwasserschutz bis 2027
Am 12. Oktober 2026 beginnen in Dresden-Kaditz die Bauarbeiten am Hochwasserschutzdeich. Vorbereitet wird schon jetzt. Auf 1,3 Kilometern zwischen der Flügelwegbrücke und dem Einlauf der Kaditzer Flutrinne in die Elbe wird der Deich verstärkt und erhöht, teilweise kommt eine aufgesetzte Mauer dazu.
Für Radfahrerinnen und Radfahrer bedeutet das zunächst einen Umweg: Der bestehende Elberadweg wird während der Bauzeit weiträumig umgeleitet. Entlang des Deichs entsteht außerdem ein Deichverteidigungsweg, der später als Radweg Teil des Elberadwegs werden soll. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Ende 2027 dauern.
Mehr Schutz für Kaditz, Mickten und die Kläranlage
Das Vorhaben soll Teile der Dresdner Stadtteile Kaditz und Mickten vor einem statistisch etwa alle 100 Jahre auftretenden Hochwasser schützen – dem sogenannten HQ100. Geschützt werden sollen Anwohner, Unternehmen und wichtige Infrastruktur, vor allem die zentrale Kläranlage Kaditz. Auch sie braucht einen höheren Hochwasserschutz; umgesetzt wird dieser gemeinsam mit der Stadtentwässerung Dresden.
Die Elbe-Hochwasser von 2002 und 2013 haben den Bedarf an dauerhaftem Schutz südlich der Flutrinne Kaditz deutlich gemacht. Im August 2002 wurden Bevölkerung und Unternehmen in dem Gebiet schwer getroffen. Am Pegel Dresden lag der Scheitelwasserstand am 17. August 2002 bei 940 Zentimetern. Am 6. Juni 2013 wurden 878 Zentimeter gemessen. Damals verhinderten Vorbereitung und Hochwasserabwehr größere Schäden weitgehend. Bei einem HQ100 mit 924 Zentimetern würden die 2013 eingesetzten Maßnahmen allerdings nicht ausreichen.
Für die Kläranlage gilt deshalb wegen ihrer Bedeutung für die Entwässerung des gesamten Stadtgebiets ein höheres Schutzziel: eine Wasserspiegellage von 111,00 Metern NHN vor Ort, entsprechend einem Durchfluss über HQ100. Bis die Anlagen fertig sind, müssen die gefährdeten Bereiche der Kläranlage sowie Altmickten und Altübigau weiter durch Hochwasserabwehr geschützt werden.
Deich, mobile Barriere und mehrere Bauabschnitte
Die Stadtentwässerung Dresden GmbH setzt an der Kläranlage das mobile AquaBarrier-System ein. Die Verbaulänge beträgt etwa 700 Meter, wirksam ist die Barriere bis zu einem Wasserstand von etwa 965 Zentimetern am Pegel Dresden. Erstmals kam das System beim Hochwasser 2013 zum Einsatz und verhinderte eine Überschwemmung der Kläranlage. Ihre Entwässerungsfunktion für das gesamte Stadtgebiet blieb damals erhalten.
Die Hochwasserschutzkonzeption Elbe des Freistaates Sachsen von 2004 sieht mehrere baulich-technische Maßnahmen vor. Dazu gehört M 53, eine Hochwasserschutzanlage am südlichen Hochufer der Flutrinne Kaditz vom Einlaufbereich bis zur BAB 4. Die Plangenehmigung erteilte die Landeshauptstadt Dresden im September 2025, der Baubeginn ist für 2027 beabsichtigt. M 54 betrifft die Hochwasserschutzanlage Altmickten; dort läuft ein Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen. Bei M 55, der Hochwasserschutzanlage Altübigau, läuft die Vorplanung durch die Landestalsperrenverwaltung. Das Vorhaben ruht bis zur Aktualisierung der HWSK Elbe.
Der Abschnitt vor der Kläranlage trägt die Bezeichnung M 59. Für die Erhöhung und Ertüchtigung des Deichs ist ein Planänderungsverfahren bei der Landeshauptstadt Dresden in Bearbeitung, die Ausführungsplanung übernimmt die Landestalsperrenverwaltung. Der Baubeginn ist im September 2026 vorgesehen.
Finanziert wird das 4,1 Millionen Euro teure Projekt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, EFRE, und des Freistaats Sachsen. Abgestimmt sind die Arbeiten mit der Stadtentwässerung Dresden, SachsenEnergie, dem Straßen- und Tiefbauamt Dresden sowie einer ökologischen Baubegleitung. SachsenEnergie errichtet im Deichbereich technische Infrastruktur für ein geplantes Flusswasserwerk.
Zwölf Bäume wurden zur Vorbereitung in der vegetationsarmen Zeit gefällt. Die Ausgleichsmaßnahmen stimmt die Stadt mit Dresden ab. Nötig wurde die Sanierung nach erheblichen Schäden durch die Hochwasser im August 2002 und April 2006. Eine Zustandsanalyse stellte dringenden Handlungsbedarf fest: Die Standsicherheit war mangelhaft, außerdem fehlte der Deichverteidigungsweg. Empfohlen wurde auch, den Deich für das Schutzziel HQ100 zu erhöhen.
Ganz neu ist die Schutzlinie in der Gegend nicht. Zwischen August 2010 und Juli 2014 baute die Landestalsperrenverwaltung bereits eine mehr als vier Kilometer lange Hochwasserschutzlinie zwischen dem Ballhaus Watzke und der Autobahnbrücke A4 in Altkaditz. Sie besteht aus drei Abschnitten.
Was Anwohner selbst prüfen können
Aufgrund eines Stadtratsbeschlusses vom 3. September 2015 unterstützt das Brand- und Katastrophenschutzamt die in der Bürgerinitiative „Hochwasserschutz Übigauer Insel“ organisierte Bevölkerung in Altmickten und Altübigau beim Vorbereiten und Errichten von Sandsackverbauen. Das Umweltamt hat dafür Aufbauanleitungen und weitere Informationsmaterialien veröffentlicht.
Eine gute erste Anlaufstelle sind die Hochwassergefahrenkarten. Anwohner, Eigentümer, Unternehmen und Infrastrukturbetreiber können dort prüfen, ob ihr Eigentum potenziell gefährdet ist. Die Karten helfen bei angepassten Nutzungen, Bauweisen und Baumaterialien, bei Objektschutz und bei der Verhaltensvorsorge – etwa, um die Betroffenheit bei prognostizierten Wasserständen einzuschätzen und Fluchtwege zu planen. Auch Versicherungen, eigene Rücklagen und die sachgerechte Lagerung wassergefährdender Stoffe gehören zur Vorsorge.
Für Kommunen, Landkreise, Behörden des Freistaates Sachsen und regionale Planungsverbände bilden die Karten eine Grundlage für Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz, für die Flächenvorsorge einschließlich der Festsetzung von Überschwemmungsgebieten und überschwemmungsgefährdeten Gebieten sowie für die Regional- und Bauleitplanung. Veröffentlicht sind sie im Geoportal Sachsenatlas des Freistaates Sachsen.
Der Weg dorthin ist ein wenig verschachtelt: Im Sachsenatlas zunächst die gewünschte Region auswählen und hineinzoomen, dann „Karteninhalt“ öffnen und „Themen hinzuladen“ anklicken. Unter „Wasser“ auf „mehr“ gehen, „Hochwassergefahrenkarte“ auswählen, im linken Menü den Pfeil öffnen und eine Gefährdungsstufe wie „Extremhochwasser“ anklicken. Die Karte wird automatisch erstellt.
Für Fragen ist das Umweltamt der Landeshauptstadt Dresden, Abteilung Kommunaler Umweltschutz, zuständig. Telefonisch ist die Stelle unter 0351-4886211 erreichbar, per E-Mail unter umwelt.kommunal@dresden.de. Die Besucheranschrift lautet Waisenhausstraße 14, 01069 Dresden. Geöffnet ist montags von 9–12 Uhr, dienstags von 9–12 und 13–17 Uhr sowie donnerstags von 9–12 und 13–17 Uhr; eine vorherige telefonische Anmeldung wird empfohlen.
