Die Lausitz ist aus der engeren Auswahl für ein atomares Endlager herausgefallen. Das geht aus dem aktualisierten Standortnavigator der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. Südliche und östliche Teile der Region wurden in die Kategorie B herabgestuft und scheiden damit vorerst aus dem engeren Auswahlprozess aus.

Für die Bewerbung der Lausitz und des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) um das geplante Einstein-Teleskop ist das eine wichtige Nachricht. Nach Angaben der TU Dresden entfällt damit eine weitere Hürde. Die Arbeitsgruppe „Einsteinteleskop in der Lausitz“ wertet die Entscheidung als positives Signal: Ein möglicher Nutzungskonflikt zwischen der Suche nach einem Endlager und dem Teleskopprojekt rückt zunächst in den Hintergrund.

Laserarme unter der Erde

Das nach Albert Einstein benannte Gravitationswellen-Teleskop soll kosmische Katastrophen untersuchen und Einblicke in die frühe Phase des Universums ermöglichen. Geplant ist eine unterirdische Anlage mit rechtwinklig angeordneten, sehr langen Lasertunneln. Möglichst wenig Erschütterung wäre dafür entscheidend.

Die Lausitz sieht sich im europäischen Wettbewerb gut aufgestellt. Ihre stabile Granitplatte könnte dem Standort zugutekommen. Auf Ausläufern dieser Gesteinsformation in Dresden stehen bereits mehrere Chipfabriken. Das Team um die Professoren Christian Stegmann und Andreas Rietbrock hatte allerdings befürchtet, dass die Suche nach einem Atommüll-Endlager die Bewerbung der Region beeinträchtigen könnte.

Neben der westdeutsch-niederländischen Grenzregion und Sardinien tritt auch die Lausitz an. Sachsen und Sardinien kooperieren inzwischen und schlagen zwei L-förmige Laseranordnungen vor: eine in der Lausitz, eine auf Sardinien. Erst gemeinsam sollen sie das Einstein-Teleskop bilden.

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Was die BGE-Einstufung tatsächlich bedeutet

Ganz vom Tisch ist das Thema Endlagersuche damit allerdings nicht. Der Standortregionen-Vorschlag der BGE wird zunächst von der zuständigen Behörde geprüft und muss anschließend vom Gesetzgeber bestätigt werden. Bis zu dessen Entscheidung über die übertägig zu erkundenden Standortregionen bleiben alle 90 Teilgebiete formal im Standortauswahlverfahren.

Die BGE darf aufgrund ihres gesetzlichen Mandats keine Regionen selbst aus dem Verfahren herausnehmen. Bis 2027 kategorisiert sie die Teilgebiete schrittweise als „ungeeignet“, „wenig geeignet“ oder „gut geeignet“. Auf diesem Weg sollen aus den 90 Teilgebieten wenige Standortregionen ermittelt werden.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist der „BGE Endlagersuche Navigator“. Die Webanwendung soll sichtbar und nachvollziehbar machen, wie die Teilgebiete auf wenige Standortregionen eingeengt werden. Das funktioniert ähnlich wie bei Karten-Apps: Nutzerinnen und Nutzer geben ein Ziel beziehungsweise Gebiet ein und erhalten Informationen zum aktuellen Bearbeitungsstand. Außerdem erklärt die Anwendung anhand von Kriterien, warum ein Gebiet als ungeeignet oder wenig geeignet eingestuft wird, und stellt Informationen zur Geologie bereit.

Die BGE möchte Bürgerinnen und Bürger sowie Fachleute in den Auswahlprozess einbeziehen. Für die Lausitz bleibt deshalb neben der aktuellen Einstufung auch der weitere formale Weg relevant – ein bisschen Geduld gehört bei diesem Verfahren offenbar dazu.

Hoffnung auf neue Impulse

Sachsen verbindet mit dem DZA und dem Einstein-Teleskop neue Wertschöpfung und technologische Impulse für die Lausitz. Das gilt besonders mit Blick auf den geplanten Braunkohleausstieg. Noch ist nicht entschieden, wo das Observatorium gebaut wird. Aber die Granitplatte, die Forschungslandschaft und die nun entschärfte Überschneidung mit der Endlagersuche geben der Bewerbung der Region Rückenwind.