Die Technische Universität Bergakademie Freiberg hat einen bedeutenden Fortschritt im Bereich des umweltfreundlichen Bauens erzielt. Am 6. Mai 2026 wurde ein europäisches Patent für geopolymerbasierte Baustoffe veröffentlicht, die nicht nur nahezu CO2-frei in der Herstellung sind, sondern auch zu über 99 Prozent aus Sekundärrohstoffen bestehen. Diese Materialien bieten vergleichbare oder sogar bessere Eigenschaften als traditionelle Baustoffe wie Ziegel und Beton, wie tu-freiberg.de berichtet.
Professor Martin Bertau von der Universität hebt hervor, dass Geopolymere innovative Möglichkeiten bieten, indem sie auch aufgeschäumt werden können, um hervorragende Dämmeigenschaften zu gewährleisten. Diese Technologie könnte entscheidend dazu beitragen, den hohen CO2-Ausstoß der Bauindustrie zu verringern, welche in Deutschland für etwa ein Drittel aller CO2-Emissionen verantwortlich ist.
Innovative Eigenschaften der Geopolymere
Geopolymere sind nicht nur nicht brennbar und säureresistent – ihre Herstellung erfolgt ohne energieintensive Prozesse. Dies reduziert die Umweltbelastung erheblich. Dr. Michael Kraft erklärt, dass die Verwendung eines einzigen Baustoffs die Recyclingfähigkeit erhöht und somit eine einfache Trennung bei der Rückführung in den Kreislauf ermöglicht. Dies macht Geopolymere zu einem vielversprechenden Anwendungsfeld für das klimafreundliche und ressourceneffiziente Bauen.
Angesichts der drängenden globalen Herausforderungen im Klimaschutz wird das Potenzial dieser neuen Materialien umso deutlicher. Die Universität Freiberg wird immer mehr als Innovationsmotor für nachhaltige Werkstofftechnologien und industrielle Transformation anerkannt.
Der CO2-Fußabdruck von Gebäuden
Die Bedeutung nachhaltiger Baustoffe wird zudem durch eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) unterstrichen. Diese untersuchte 50 zertifizierte Gebäude hinsichtlich ihres CO2-Fußabdrucks. Dabei stellte sich heraus, dass ein Drittel der Treibhausgasemissionen eines Gebäudes bereits bei der Herstellung und Errichtung entsteht, bevor es überhaupt genutzt wird. Die Studie zeigt, dass signifikante Reduktionsmöglichkeiten für CO2-Emissionen primär in der Bauweise, den verwendeten Bauteilen mit großer Masse und der Lebensdauer der Baustoffe liegen, wie dgnb.de berichtet.
Die Untersuchung deckte 46 Büro- und vier Wohngebäude mit verschiedenen Konstruktionsarten auf. Im Durchschnitt wurde ein CO2-Ausstoß von etwa 440 kg CO2-Äquivalenten pro Quadratmeter ermittelt, was zwar unter dem Referenzwert für die DGNB-Zertifizierung liegt, jedoch verbesserungswürdig ist. Insbesondere die Deckenkonstruktionen haben mit über einem Drittel den größten Einfluss auf die Herstellungsemissionen, gefolgt von Außenwänden und Gründungen.
Zukunftsperspektiven für nachhaltiges Bauen
Die DGNB plant weitere Studien, um zusätzliche Nutzungstypen und Vorzeigeprojekte mit guter Ökobilanz zu identifizieren. Vor neuen Bauvorhaben könnte zudem die Möglichkeit der Sanierung bestehender Gebäude geprüft werden, um Emissionen zu reduzieren und die Umweltbelastung weiter zu minimieren.
In diesem Kontext bieten die neuen Entwicklungen bei den geopolymerspezifischen Baustoffen der TU Freiberg einen vielversprechenden Ansatz zur Reduktion der CO2-Emissionen und zur Förderung eines nachhaltigen Bauens. Die Zukunft könnte also erheblich klimafreundlicher gestaltet werden, wenn solche Technologien in der breiten Anwendung Einzug halten.