Rekordbeben in der Altmark bleibt unbemerkt
Unter der Einheitsgemeinde Kalbe in der Altmark hat es am 13. Oktober 2026 gebebt. Mit einer Magnitude von 2,4 war die Erschütterung nach instrumentellen Aufzeichnungen das bislang stärkste gemessene Ereignis in der Altmark. Wahrgenommen hat es dort offenbar niemand – auch die Tiere nicht. Kein Zittern im Küchenschrank, kein kurzes Grummeln unter den Füßen.
Messgeräte des Thüringer Seismologischen Netzes lokalisierten den Herd zwischen Kalbe und Klötze. Fast zeitgleich wurde im rheinland-pfälzischen Heckhuscheid, nahe der Grenze zu Luxemburg und Belgien, ein Beben der Stärke 2,6 registriert. Die Feuerwehren und kommunalen Ordnungsämter meldeten zu den jüngsten Ereignissen weder Notrufe noch Schäden.
Warum ein Rekordbeben unbemerkt bleiben kann
In der Seismologie sind Magnitude und Intensität zwei verschiedene Dinge. Die Magnitude beschreibt die Stärke des Erdbebens an seiner Quelle. Die Intensität dagegen meint, wie stark die Bewegung an der Oberfläche an einem bestimmten Ort ankommt.
Für das Beben bei Kalbe wurde eine maximale Intensität von etwa 2,8 auf der zwölfstufigen Europäischen Makroseismischen Skala berechnet. Die Stufen 1 und 2 gelten im Alltag als praktisch nicht wahrnehmbar. Ab Stufe 3 können Menschen Erschütterungen spüren, ab Stufe 4 werden sie deutlich bemerkt. Die Kommastelle klingt dabei präzise, im Wohnzimmer bleibt sie trotzdem oft folgenlos.
Eine entscheidende Rolle spielt neben der Magnitude die Herdtiefe. Für Kalbe wurde eine Tiefe von etwa zehn Kilometern angesetzt, das Beben bei Heckhuscheid ereignete sich in rund 9,7 Kilometern Tiefe. Auf dem Weg von diesem tief liegenden Erdbebenherd bis zur Oberfläche verliert die Wellenenergie deutlich an Stärke.
Unter günstigen Bedingungen können direkt am Epizentrum Groll- oder Knallgeräusche auftreten. Beben mit einer Magnitude unter 3 verursachen normalerweise weder Sachschäden noch Verletzungen. Berichte über nervöse Haustiere sind bei solchen Werten selten und hängen unter anderem von der lokalen Bodenbeschaffenheit ab.
Seltenes Ereignis in einer ruhigen Region
Historisch und messtechnisch gehört die Altmark zu den seismisch ruhigsten Regionen Deutschlands. Ein Wert von 2,4 ist dort ungewöhnlich selten. Historische Chroniken berichten zwar von einem möglicherweise spürbaren Beben im Jahr 1680, doch dessen Stärke lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen.
Deutschland ist allerdings kein seismischer Flickenteppich mit überall gleichen Bedingungen. Die Aktivität verteilt sich regional unterschiedlich. Natürliche Spannungsabbauten konzentrieren sich insbesondere auf die Leipzig-Regensburg-Zone. Die Bewegungen entstehen durch kontinuierliche Spannungen und deren Ausgleich in der Erdkruste – langsam, unsichtbar und meistens ohne großes Aufheben.
Anders sieht es in der Eifel aus. Das aktive Vulkangebiet weist eine höhere seismische Aktivität auf und verzeichnet regelmäßig leichte Erschütterungen. Stationen wie die Königliche Sternwarte Belgiens zeichnen diese Ereignisse auf.
Auch die aktuellen Messdaten aus regionalen Netzen laufen zusammen: unter anderem im Datenzentrum der TU Bergakademie Freiberg, wo sie für Mitteldeutschland ausgewertet werden. Der Ort, an dem diese Daten betrachtet und eingeordnet werden, ist damit heute die TU Freiberg.
Vom Messgerät in den Erdbebenkatalog
Wie solche Ereignisse dokumentiert werden, zeigt der Deutsche Erdbebenkatalog. Der zugehörige Web Map Service enthält Informationen zum seismischen Geschehen in Deutschland und in angrenzenden Gebieten. Erfasst sind Orte seismischer Ereignisse seit dem Jahr 800.
Die Epizentren werden anhand historischer Quellen sowie durch Messungen von Seismometerstationen bestimmt. Die instrumentelle Erdbebenaufzeichnung begann im 20. Jahrhundert. Heute werden die Daten digital erfasst und in Echtzeit an das Seismologische Zentralobservatorium der BGR übertragen – aus dem Deutschen Regionalnetz (GRSN), vom GERES-Array und vom Gräfenberg-Array (GRF).
So können seismische Ereignisse unverzüglich detektiert, ausgewertet und im WMS bereitgestellt werden. Angezeigt werden alle Ereignisse ab einer lokalen Magnitude von ML 2,0. Die Epizentren bestimmt das System zunächst automatisch. Dabei können fehlerhafte Epizentrumskoordinaten oder überschätzte Magnituden entstehen.
Am folgenden Werktag werden die automatisch ermittelten Ergebnisse in der Regel manuell überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Was am Bildschirm wie ein sauberer Punkt auf der Karte aussieht, ist also zunächst eine vorläufige Berechnung – und manchmal wird dieser Punkt noch ein wenig verschoben.
