In Bonn bekommt die internationale Waldforschung ein neues Zuhause: Das Internationale Forschungszentrum für Forstwirtschaft (CIFOR) hat sein Europasekretariat in der Charles-de-Gaulle-Straße eröffnet. Von dort aus sollen deutsche und europäische Forschung, Politik und Entwicklungszusammenarbeit enger mit den CIFOR-Netzwerken in Afrika, Asien und Lateinamerika verbunden werden.

Ein konkretes Forschungsfeld liegt weit entfernt vom Bonner Büro: Kakaoplantagen. Untersucht wird, wie sie Hitze und Trockenheit besser überstehen können. Ein Ansatz ist, zusätzliche Bäume und Sträucher zu pflanzen. Sie sollen Wasser im durch Hitze und Trockenheit belasteten Boden halten. Dahinter steht die Agroforstwirtschaft, bei der Bäume und Landwirtschaft auf derselben Fläche kombiniert werden.

Ein Büro für verknüpfte Probleme

17 Mitarbeitende arbeiten derzeit am neuen Standort, mittelfristig sollen es 30 werden. CIFOR will dort fachübergreifende und grenzüberschreitende Lösungen für den Erhalt und die Anpassung von Wäldern entwickeln. Wälder, Landwirtschaft, Wasser, Biodiversität, Klima, Ernährungssysteme und Lebensgrundlagen werden dabei nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern als miteinander verbundene Systeme.

Es geht um widerstandsfähigere Ernährungssysteme, nachhaltigere Landnutzung, gesunde Böden und andere Lebensgrundlagen. Auch Konfliktvorbeugung gehört zum Programm. Wissenschaftsbasierte Lösungen sollen helfen, globale Herausforderungen wie Klimawandel, den Verlust biologischer Vielfalt, Landdegradation, Wasserunsicherheit und Ernährungsunsicherheit in praktische Maßnahmen zu übersetzen.

Das Europasekretariat soll deutschen Partnern helfen, internationale Forschungskooperationen aufzubauen und Erkenntnisse in konkrete Lösungen zu übertragen. Zugleich sollen deutsche Beiträge zu globalen Prozessen gestärkt werden – etwa zur UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), zum Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) sowie zur internationalen Agenda für Ernährungssysteme und nachhaltige Entwicklung.

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CIFOR tritt gemeinsam mit dem International Centre for Research in Agroforestry (ICRAF) unter dem operativen Namen „Landscape Alliance“ auf. Das Bonner Büro soll als deren Wirkungszentrum dienen. CIFOR und ICRAF nutzen Forschung, Partnerschaften und praktische Maßnahmen, um das Potenzial von Wäldern, Bäumen und Agroforstlandschaften zu erschließen. Beide Organisationen sind rechtlich unabhängige internationale Organisationen und CGIAR-Forschungszentren.

Bonns internationales Netz

CIFOR gehört zur Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR) und ist in mehr als 60 Ländern mit rund 850 Mitarbeitenden aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern sowie wasser-, klima- und biodiversitätsfreundliche Landnutzungssysteme. Am Europabüro ist außerdem ein Promotionsprogramm angesiedelt. Absolventinnen und Absolventen sollen möglichst von Forschungseinrichtungen der CGIAR übernommen werden.

Die Wahl Bonns begründete CIFOR-Generaldirektor Robert Nasi mit der räumlichen Nähe zu Netzwerken, den Vereinten Nationen und internationalen Nachhaltigkeitsorganisationen. Hinzu komme Deutschlands langjährige Erfahrung in der Waldforschung. Die deutsche Bundesregierung ist seit Langem Partner von CIFOR in der internationalen Forschung und Entwicklungszusammenarbeit zu Wäldern, Landschaften und Landwirtschaft. Die Präsenz von CIFOR in Deutschland begann laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Global Landscape Forum (GLF).

Bonns Oberbürgermeister Guido Déus verwies auf die Rolle der Stadt als deutsche UN-Stadt mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit – und zwar seit 30 Jahren. In Bonn sitzen unter anderem die Sekretariate der UN-Konventionen zu Klima (UNFCCC) sowie Landdegradation und Dürre (UNCCD). Auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES arbeitet auf dem Bonner UN Campus. Zusammen mit weiteren UN- und Nicht-UN-Organisationen bildet Bonn damit einen internationalen Knotenpunkt für Nachhaltigkeit, Klima und Entwicklungszusammenarbeit.

Seit der UN-Weltklimakonferenz 2017 arbeitet Bonn laut Déus mit CIFOR zusammen. Mit der Aufnahme von CIFOR und der Landscape Alliance wachse die internationale Gemeinschaft der Stadt weiter. Éliane Ubalijoro, CEO der Landscape Alliance, sagte, das Europabüro baue auf der Zusammenarbeit mit Deutschland auf und unterstütze Bonns Rolle als internationales Zentrum für Nachhaltigkeit und Entwicklung.

BMZ-Staatssekretär Niels Annen bezeichnete das Europasekretariat als Zeichen der gewachsenen internationalen Rolle Deutschlands. Zugleich wachse Bonns Bedeutung als Standort internationaler Zusammenarbeit. Die stärkere Präsenz von UN-Organisationen in Deutschland sei Ausdruck dieser Entwicklung.

Zur Eröffnung veranstalteten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, CIFOR und die Stadt Bonn einen Empfang im Alten Rathaus. Eingeladen waren hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, internationalen Organisationen, Forschung, Entwicklungszusammenarbeit und Partnerorganisationen. Zwischen Rathauswänden und Empfangsgesprächen ging es also um ziemlich handfeste Fragen: Wie bleiben Böden fruchtbar? Wie lässt sich Wasser sichern? Und wie können Wälder, Landwirtschaft und Ernährungssysteme mit einem veränderten Klima klarkommen?

Agroforst: Bonner Forschung trifft deutsche Praxis

Wie aktuell der Ansatz ist, zeigt auch ein Dossier des Instituts für Welternährung. „Agroforst 2025“ wurde im November 2025 veröffentlicht. Die von Susanne Salzgeber verfasste Analyse gibt einen Überblick über den Stand und die Perspektiven der Agroforstwirtschaft in Deutschland. Gemeint ist die Verbindung von Bäumen und Sträuchern mit Ackerbau oder Weidewirtschaft.

Das Dossier beschreibt Agroforst als Ansatz für Klimaanpassung, Bodenschutz, höhere Wasserspeicherung, mehr Biodiversität und widerstandsfähigere Agrarsysteme. Wilhelm Wallefeld, Vorstandsmitglied des Instituts, nennt Bodenschutz, Wasserspeicherung und Artenvielfalt entscheidend für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Klingt naheliegend, ist in der Praxis aber noch längst kein Selbstläufer.

Die Umsetzung in Deutschland bleibt bislang hinter dem vorhandenen Potenzial zurück. Als Hemmnisse nennt die Analyse bürokratische Hürden, komplizierte Förderstrukturen und mangelndes Wissen in Verwaltung und Praxis. Ab 2026 soll die Förderung von Agroforst von 200 auf 600 Euro pro Hektar steigen. Vereinfachte Antragsbedingungen sollen weiteren Betrieben den Einstieg ermöglichen.

Praxisbeispiele von Gut & Bösel und dem Bauckhof zeigen laut Dossier, dass Agroforstsysteme ökologische und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Vertreter aus der Praxis pochen zugleich auf langfristige Planungssicherheit, gezielte Förderung und gesellschaftlichen Wandel. Das Dossier ist Dr. Wilfried Bommert gewidmet, dem Mitgründer des Instituts für Welternährung und langjährigen Befürworter einer Agrar- und Ernährungswende. Ermöglicht wurde die Veröffentlichung durch die Dr. Jürgen Rembold Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements; als PDF steht sie zum Download bereit. Für Interviews und Rückfragen wird Susanne Salzgeber als Kontakt genannt.