Kansas City Chiefs dominieren AFC West, während die Chargers auf den ersten Saisonsieg warten
Die Kansas City Chiefs haben auch ihr fünftes Saisonspiel in der NFL gewonnen. Gegen die Los Angeles Chargers setzte sich Kansas City mit 22:6 durch – und gehört damit zu den drei noch ungeschlagenen Teams. Für die Chargers wird die Lage dagegen immer düsterer: Sie verloren bereits ihr sechstes Saisonspiel und sind das einzige NFL-Team ohne Sieg.
Ein auffälliger Mann bei den Chiefs war Neuzugang Kenneth Walker, der beide Touchdowns vorbereitete. Kicker Harrison Butker steuerte drei Field Goals bei. Quarterback Patrick Mahomes warf zwar eine Interception, kontrollierte das Spiel ansonsten aber weitgehend. Sein Gegenüber Justin Herbert blieb ohne Touchdown-Pass und brachte die Chargers offensiv nicht entscheidend voran. Viel lief bei Los Angeles nicht zusammen.
Chiefs ziehen in der AFC West davon
In der Division führen die Chiefs klar. Die Denver Broncos stehen bei vier Siegen, die Las Vegas Raiders bei drei. Die Chargers sind Tabellenletzter. Für zusätzlichen Ärger in Las Vegas sorgte die 30:33-Heimniederlage gegen die Buffalo Bills. Bills-Quarterback Josh Allen warf zwei Touchdown-Pässe; sein zweiter sorgte wegen eines ungewöhnlichen Wurfs in der Manier eines Kugelstoßers für Aufmerksamkeit.
Auch die Los Angeles Rams enttäuschten weiter. Zu Hause unterlagen sie den Arizona Cardinals mit 16:18 und haben nach sechs Spielen vier Niederlagen. Dabei waren sowohl die Rams als auch die Chargers vor Saisonbeginn als Titelanwärter eingeschätzt worden. Das SoFi Stadium, die gemeinsame Heimat von Rams und Chargers, ist im Februar Austragungsort des Super Bowls. Viel Zeit bleibt also nicht, um die Kurve zu kriegen.
Eine alte Rivalität mit langer Geschichte
Die AFC West ist eine von vier Divisionen der American Football Conference. Zu ihr gehören die Denver Broncos, die Kansas City Chiefs, die Las Vegas Raiders und die Los Angeles Chargers. Seit ihrer Gründung schickte die Division 21-mal ein Team in den Super Bowl, zehn dieser Endspiele wurden gewonnen.
Bis einschließlich der Saison 2023 kommen die Chiefs auf sieben Super-Bowl-Teilnahmen und vier Siege. Denver war achtmal dabei und gewann drei Endspiele, die Raiders erreichten fünfmal den Super Bowl und holten drei Titel. Die Chargers haben eine Teilnahme vorzuweisen; sie verloren den Super Bowl XXIX. Zweimal in Folge triumphierten die Broncos 1997 und 1998, später gelang das den Chiefs 2022 und 2023.
Gegründet wurde die Division 1960 als Western Division der American Football League. Im Zuge der AFL-NFL-Fusion übernahm die NFL sie 1970 nahezu unverändert als AFC West. Die ursprünglichen vier AFL-West-Teams waren die Dallas Texans, die ab 1963 Kansas City Chiefs hießen, die Denver Broncos, die Los Angeles Chargers – ab 1961 San Diego Chargers und seit 2017 wieder Los Angeles Chargers – sowie die Oakland Raiders. Aus Oakland wurden 1982 die Los Angeles Raiders, 1995 wieder die Oakland Raiders und 2020 schließlich die Las Vegas Raiders.
Diese vier Mannschaften gehören seit 1960 durchgehend zur AFC West und sind weiterhin die einzigen aktuellen Teams der Division. Weil sie seit über sechs Jahrzehnten mindestens zweimal pro Saison gegeneinander spielen, gilt die AFC West als älteste NFL-Division in ihrer heutigen Zusammensetzung; gemeinsam mit der AFC East ist sie außerdem die älteste Division nach Gründungsdatum. Die Rivalität ist nicht bloß ein Etikett. Sie steckt in den immer gleichen Wegen, den vertrauten Stadien und diesen Spielen, bei denen jeder weiß, dass die nächste Abrechnung nicht lange auf sich warten lässt.
Zwischenspiele, Titel und kuriose Schwächephasen
Ganz unverändert blieb die Zusammensetzung im Lauf der Geschichte allerdings nicht. Die Cincinnati Bengals spielten die letzten beiden AFL-Saisons in der AFL West, obwohl sie geografisch weiter östlich lagen als die Houston Oilers aus der AFL East. 1970 wechselten beide Teams in die AFC Central, die heute AFC North heißt.
1977 kamen die Seattle Seahawks zur AFC West, nachdem sie ihre erste Saison in der NFC West absolviert hatten. 2002 kehrten sie in die NFC West zurück. Auch die Tampa Bay Buccaneers spielten kurz in der Division: 1976 waren sie als Expansionsteam dabei, ein Jahr später wechselten sie in die NFC Central.
Nach der Neuausrichtung gewannen alle vier AFC-West-Teams in den ersten vier Jahren jeweils einen Divisionstitel: Die Oakland Raiders 2002, die Kansas City Chiefs 2003, die San Diego Chargers 2004 und die Denver Broncos 2005. Damit war die AFC West die einzige der acht NFL-Divisionen, deren sämtliche Teams in den ersten vier Spielzeiten des Nord-Ost-Süd-West-Formats einen Titel holten.
In den frühen und mittleren 2000er-Jahren wurde die Division häufig als eine der stärksten der NFL bezeichnet, unter anderem wegen der Heimvorteile ihrer Stadien. Dann kam 2008 der tiefe Fall: Die AFC West galt als schwächste NFL-Division seit der AFC Central 1985. San Diego erreichte als Divisionssieger mit 8:8 die Playoffs, während die New England Patriots mit 11:5 wegen Tiebreakern zuschauen mussten.
2010 gewannen die Raiders alle sechs Divisionsspiele, verpassten die Playoffs aber, weil sie außerhalb der Division nur zwei Partien gewannen. Ein Jahr später holte Denver den Divisionstitel mit 8:8, nachdem Oakland das letzte Saisonspiel verloren hatte. Noch schlechtere Divisionssieger gab es historisch: Seattle kam 2010 in der NFC West mit 7:9 in die Playoffs, die Carolina Panthers 2014 in der NFC South mit 7:8:1, Washington 2020 in der NFC East mit 7:9 und die Tampa Bay Buccaneers 2022 in der NFC South mit 8:9.
Die Broncos gewannen 2025 ihren 16. AFC-West-Titel. Mit dem Chiefs-Titel 2022 hatten erstmals alle vier Teams jeweils 15 Divisionstitel. Nun stehen Kansas Citys fünf Siege und Los Angeles’ sechs Niederlagen nebeneinander auf der Anzeigetafel – und im Februar wartet im SoFi Stadium trotzdem der Super Bowl.
