An der Universität Bremen ist die Anspannung heute, am 1. Oktober 2026, deutlich zu spüren. Am Freitag, dem 2. Oktober 2026, wird bekannt gegeben, welche Universitäten und Universitätsverbünde neu als Exzellenzstandorte ausgewählt und künftig gefördert werden. Aus Niedersachsen und Bremen hoffen noch drei Bewerbungen auf den Titel: die Leibniz Universität Hannover, die Medizinische Hochschule Hannover sowie ein gemeinsamer Verbund der Universität Bremen und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Für Bremen und Oldenburg geht es dabei um mehr als ein Etikett. Die beiden Hochschulen wollen zusätzlich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Groningen kooperieren und ihre strategische Zusammenarbeit in der „Northwest Alliance“ ausbauen. Schon die Bewerbung habe die Kooperation deutlich gestärkt. Ohne die Förderung würden den Universitäten Oldenburg und Bremen allerdings Millionen für neue Professuren fehlen. Gemeinsame Professuren sollen trotzdem strategisch geplant werden.

Forschung zwischen Quanten, Meeresboden und Mars

Die regionalen Bewerber bringen sehr unterschiedliche Schwerpunkte mit. In Hannover geht es um Quantentechnologie, die Steuerung von Licht, bessere Hörhilfen und die Anfälligkeit für Infektionen. An der Universität Oldenburg erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich Tiere über große Entfernungen orientieren. Bremen und Oldenburg arbeiten gemeinsam an der Erforschung des Meeresbodens und seiner Bedeutung für Klima und Umwelt.

Bremen nimmt außerdem nachhaltige Produktion unter knappen Ressourcen in den Blick – mithilfe einer „Marsperspektive“. Der Name klingt nach Science-Fiction, die Frage dahinter ist allerdings ziemlich bodenständig: Wie lässt sich produzieren, wenn Material, Energie und Platz knapp sind?

Der Titel „Exzellenzuniversität“ gehört zur Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Das dauerhaft angelegte Programm soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt voranbringen. Es gibt zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten.

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Über die Förderlinie Exzellenzcluster werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden finanziert. Seit Januar 2026 gibt es 40 geförderte Cluster an 43 Universitäten; für die Durchführung ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten stärkt Hochschulen und Verbünde dauerhaft institutionell. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Beteiligung an Exzellenzclustern, Ziel der Ausbau der internationalen Spitzenstellung in der Forschung.

Wer überhaupt ins Rennen kommt

Einzelne Hochschulen müssen mindestens zwei Exzellenzcluster vorweisen, Hochschulverbünde mindestens drei geförderte Cluster. Gemeint sind Forschungsverbünde zu bestimmten Themen, an denen mehrere Fachrichtungen und Hochschulen beteiligt sein können. Zusätzlich werden die strategische Ausrichtung, Spitzenforschung, Nachwuchsförderung und internationale Vernetzung bewertet.

Zehn Exzellenzuniversitäten haben ihren Status bereits verteidigt und erhalten weitere sieben Jahre Unterstützung. Seit 2019 werden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert. Für neue Bewerbungen sind höchstens fünf zusätzliche Plätze vorgesehen; vergeben werden müssen sie nicht alle. Insgesamt hoffen noch elf Standorte auf eine Auszeichnung. In Niedersachsen und Bremen trägt derzeit keine Hochschule den Titel.

Die Exzellenzkommission entscheidet auf Grundlage von Gutachten internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihr gehören außerdem die für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Minister von Bund und Ländern an. Über die Anträge in beiden Förderlinien entscheidet sie auf Basis der Empfehlungen des Committee of Experts.

Dieses Committee besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet damit das gesamte Disziplinenspektrum ab. Die Mitglieder bringen neben Forschungserfahrung langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft mit. Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats und der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz.

Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission. Es entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten. Vorgeschlagen werden die 39 Mitglieder gemeinsam vom DFG-Senat und der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats. Eingesetzt wurde das Committee of Experts von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), es gestaltet das Förderprogramm mit.

Millionen für sieben Jahre

Mit dem Titel kommen zusätzliche Fördermittel und eine siebenjährige Unterstützung. Einzelne Universitäten erhalten jährlich 10 bis 15 Millionen Euro, Universitätsverbünde jährlich 15 bis 28 Millionen Euro. Die Mittel sollen Forschungsprofile ausbauen und die internationale Sichtbarkeit erhöhen. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums in Hannover können Exzellenzstandorte damit Spitzenforschende, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie internationale Studierende anziehen. Außerdem können zusätzliche Investitionen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Stiftungen ausgelöst werden.

Die Förderung beginnt im Januar und läuft sieben Jahre. Danach wird erneut geprüft: Der Titel muss durch Forschungserfolge und ein überzeugendes Konzept bestätigt werden. Die Länder finanzieren 25 Prozent der Förderung ihrer Hochschulen. Das Bremer Wissenschaftsressort teilte mit, die benötigten Mittel seien bereits im Haushalt eingeplant. Für die beiden Bremer Cluster stehen zwischen 2026 und 2032 durchschnittlich 3,67 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Der finanzielle Rahmen des Gesamtprogramms liegt derzeit bei 533 Millionen Euro pro Jahr. Ab 2026 steigt das Budget auf 687 Millionen Euro jährlich. Die Exzellenzstrategie basiert auf einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Frühere Exzellenzstandorte gab es in der Region bereits: Die Universität Bremen trug den Titel von 2012 bis 2019, die Georg-August-Universität Göttingen von 2007 bis 2012. Beide Hochschulen verloren ihn später wieder. Das sitzt bei vielen noch im Hinterkopf.

Was nach Freitag bleibt

Auch ohne Auszeichnung wollen Bremen und Oldenburg ihre Zusammenarbeit und die strategische Entwicklung der „Northwest Alliance“ fortsetzen. Die Leibniz-Universität Hannover will ebenfalls am begonnenen Prozess festhalten. Ohne zusätzliche Mittel werde die Umsetzung voraussichtlich kleiner und langsamer ausfallen.

Niedersachsen hat zugesichert, die Hochschulen unabhängig vom Ausgang weiter zu unterstützen. Das Land strebt mindestens einen Exzellenzstandort an. Falls keine der drei niedersächsischen Bewerbungen erfolgreich ist, sollen frühzeitig die Vorbereitungen für die nächste Bewerbungsrunde beginnen.

Die Auswahlverfahren umfassen die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde. Zuständig für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist der Wissenschaftsrat (WR), während die DFG die Exzellenzcluster durchführt.

Informationen zum Programm und zu den aktuell geförderten Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten stehen auf www.exzellenzstrategie.de bereit. Morgen fällt die Entscheidung. Heute bleibt an der Uni Bremen vor allem dieses eigentümliche Warten – zwischen Sitzungen, Kaffeebechern und der Frage, wie groß die nächste Runde Forschung hier werden darf.