Fast 150.000 Menschen demonstrieren bundesweit gegen die AfD und Rechtsextremismus
Heute, am 30. September 2026, wirkt die politische Landkarte Deutschlands an vielen Stellen wie unter Strom. Bundesweit sind im September zahlreiche Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen, Informationsveranstaltungen und Treffen gegen Rechtsextremismus, die AfD, Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und Sozialabbau angekündigt. Für Studierende an der Uni Bremen ist das keine ferne Nachricht: Auch hier stehen offene Plena der Studis gegen Rechts, antifaschistische Treffen, eine PRÜF-Veranstaltung am 12.09., ein Treffen von „AfD-Verbot Jetzt!“ am 17.09. und der bundesweite Aktionstag für den Sozialstaat am 26.09. im Kalender.
Der Anlass für viele Termine sind die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026. Nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der die Partei knapp 44 Prozent der Stimmen erhielt, aber die absolute Mehrheit verfehlte, gingen am 12. September in mehr als 35 deutschen Städten Zehntausende auf die Straße. Aufgerufen hatte ein überparteiliches Bündnis aus mehr als 100 Organisationen, Initiativen und Gewerkschaften. Eine zentrale Forderung: ein Verbotsverfahren gegen die AfD beziehungsweise die Prüfung rechtsextremer Parteien durch das Bundesverfassungsgericht.
Fast 150.000 Menschen bei Protesten
Nach Angaben der Kampagnenplattform Campact beteiligten sich in etwa 20 Städten insgesamt fast 150.000 Menschen an den Protesten. Die Initiative „Prüf“, die sich für die Prüfung eines AfD-Verbots einsetzt, hatte dazu aufgerufen. Große Kundgebungen gab es laut einer Sprecherin der Initiative in Düsseldorf, Hamburg, Berlin und München; weitere Proteste fanden unter anderem in Leipzig, Magdeburg, Mainz und Saarbrücken statt.
In Düsseldorf kamen laut Polizei und Veranstaltern etwa 20.000 Menschen zum Protestzug „Kein Schritt zurück! Gegen die AfD und rechte Hetze“. Die Zahl war doppelt so hoch wie ursprünglich angemeldet. Auf Transparenten standen Sprüche wie „Kein Platz für Rattenfänger“ und „Zicke Zacke … Braune Kacke! Weg damit!“. In Hamburg demonstrierten nach Veranstalterangaben rund 25.000 Menschen unter dem Motto „Zeit zum Handeln – Freiheit muss verteidigt werden“ durch die Innenstadt.
Berlin sah einen Sternmarsch mit sieben Demonstrationszügen und einer Abschlusskundgebung vor dem Roten Rathaus. Die zunächst separate Kundgebung „Schutz der Demokratie und Menschenrechte – Klare Kante gegen Rechts“ begann am Potsdamer Platz und schloss sich dem Sternmarsch an. Die Polizei meldete am Nachmittag rund 13.000 Teilnehmer, bei mehreren Demonstrationen in Mitte eine „niedrige fünfstellige Teilnehmerzahl“; Campact sprach insgesamt von 32.000 Teilnehmenden. Der größte Einzelzug war eine Fahrrad-Demonstration mit etwa 5.000 Menschen ab der Siegessäule. Die Veranstalter hatten mit 30.000 gerechnet, eine eigene endgültige Zahl lag zunächst nicht vor. Rund 1.800 Polizeikräfte waren im Einsatz. Die AfD veranstaltete selbst eine Kundgebung mit ihrer Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker.
Auch in Bayern wurde es voll: In München und Bamberg gingen insgesamt rund 16.000 Menschen gegen rechts auf die Straße. In München nahmen laut Polizei etwa 12.000 Menschen an einer sogenannten Prüf-Demonstration am Siegestor teil – viermal so viele wie ursprünglich angemeldet. In Magdeburg demonstrierten gut 1.000 Menschen für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens. In Erfurt forderten mehrere Hundert Menschen ein solches Verfahren; Redebeiträge, Plakate und Lieder richteten sich an die Landesregierung. In Schwerin versammelten sich Dutzende unter dem Titel „Kondome werden besser geprüft als rechtsextreme Verdachtsfälle – Lieber prüfen, bevor es in die Hose geht!“.
Die AfD wird bundesweit vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet. Die AfD-Landesverbände in Thüringen und Sachsen-Anhalt gelten als gesichert rechtsextremistisch. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst regte nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung eines möglichen Verbotsverfahrens an.
Vom Protestcamp bis zur Mahnwache
In Baden-Württemberg reicht die Übersicht von Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen, Ravensburg, Offenburg, Lörrach, Ludwigsburg, Heilbronn, Öhringen, Reutlingen und Konstanz bis in weitere Orte. Geplant sind AfD-Verbotsprüfungen, CSD-Veranstaltungen, Treffen gegen Rechts, Solidaritätsaktionen für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der bundesweite Aktionstag für den Sozialstaat am 26.09. In Karlsruhe heißt es am 07., 14., 21. und 28.09. jeweils um 11.55 Uhr: „5 vor 12! AfD-Verbot jetzt prüfen!“. Heidelberg veranstaltet vom 27. bis 30.09. ganztägig Antifa-Orientierungswochen.
Bayern bringt Termine in München, Augsburg, Nürnberg, Erlangen, Bamberg, Regensburg, Bayreuth, Landshut, Rosenheim, Passau, Fürth, Kempten und weiteren Orten zusammen. Am 12.09. sind zahlreiche Kundgebungen gegen Rechts, für Demokratie und gegen Sozialabbau vorgesehen. In München gibt es regelmäßig Mahnwachen der Omas gegen Rechts sowie Treffen gegen Rechts; am 17.09. ist dort „Gegen den Sozialabbau!“ angekündigt. Dazu kommen CSDs, AfD-Verbotsaktionen, Mahnwachen und Treffen gegen rechte Propaganda.
Berlin plant am 05.09. ein Demokratiefest im Kienbergpark sowie gemeinsame Anreisen zu Veranstaltungen in Magdeburg und Halle. Am 06.09. folgt eine Kundgebung gegen die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, am 12.09. mehrere Demonstrationen gegen Queerfeindlichkeit, für Demokratie und die AfD-Prüfung. Für den 18.09. stehen „Rote Karte für AfD und Die Heimat“ und eine Lichterkette für Solidarität und Demokratie auf dem Programm, am 26.09. der bundesweite Aktionstag für den Sozialstaat. Offene Plena der Studis gegen Rechts und antifaschistische Treffen finden regelmäßig statt.
Brandenburg verteilt seine Termine auf Potsdam, Werder, Cottbus, Rathenow, Angermünde, Oranienburg, Frankfurt (Oder), Strausberg, Fürstenwalde, Bernau und weitere Orte. In Werder läuft vom 03. bis 11.09. die „Aktionswoche weltoffenes Werder“, in Oranienburg vom 11. bis 20.09. die Reihe „Unbekanntes Unbehagen“. Am 12.09. sind unter anderem „PRÜF Brandenburg“, das Festival „Weltoffenes Werder“ und mehrere Veranstaltungen für Diversität und Solidarität geplant. CSD-Veranstaltungen gibt es am 19.09. in Bad Belzig, Hennigsdorf und Jüterbog.
In Hamburg stehen Gegenproteste gegen AfD-Infostände am 04. und 18.09., die Demonstration „Alle zusammen gegen den Faschismus!“ am 06.09. sowie „Zeit zum Handeln / PRÜF Hamburg“ am 12.09. auf dem Plan. Hinzu kommen Proteste gegen rechte Burschenschaften, Veranstaltungen gegen Transfeindlichkeit, die Sozialstaatsaktion am 26.09. und ein antifaschistisches Demotraining am 29.09. Hessen kündigt Termine in Frankfurt am Main, Wiesbaden, Darmstadt, Marburg, Kassel, Gießen, Fulda, Eschwege, Offenbach, Gelnhausen und weiteren Orten an. Am 06.09. gibt es Kundgebungen gegen Rechtsextreme in Parlamenten und mehrere Veranstaltungen zur Landtagswahl. Vom 11. bis 13.09. läuft in Eschwege die „Platzvernetzung“ mit antifaschistischem Picknick und einer Kundgebung; am 12.09. sind in Frankfurt und Wiesbaden Aktionen gegen Sozialabbau und AfD-Verbotsprüfungen geplant. Frankfurt beteiligt sich am 26.09. am bundesweiten Aktionstag für den Sozialstaat.
Mecklenburg-Vorpommern konzentriert seine Veranstaltungen vor der Landtagswahl auf Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Stralsund, Wismar, Greifswald, Ludwigslust, Waren und weitere Orte. Am 03.09. gab es in Neubrandenburg Protest gegen Nazipropaganda, am 04.09. Proteste in Schwerin und Stralsund sowie „Jamel rockt den Förster“. Der 07.09. brachte Solidaritätskundgebungen in Schwerin, Rostock,
