Airbnb auf Französisch-Polynesien: Wie Kurzzeitvermietung den Insel-Tourismus verändert
Auf Tahiti kann ein Haus, das lange leer stand, plötzlich wieder Geld einbringen. Auf Raiatea wird ein abgelegenes Gebäude vermietet, statt langsam zu verfallen. Und auf Bora-Bora tauchen Reisende weiterhin nach Luxusresorts und türkisfarbenem Wasser. Airbnb bringt in Französisch-Polynesien also nicht nur eine neue Buchungsmaske, sondern verschiebt womöglich auch, wer vom Tourismus profitiert.
Genau das untersuchen Bozana Zekan und Ulrich Gunter von der Modul University Wien. Die beiden forschen seit mehr als zehn Jahren zu den sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Kurzzeitvermietungen und waren 2025 gemeinsam mit Forschungspartnern auf vier Inseln vor Ort. Ihre Arbeit begleitet die Entwicklung der Plattform in Französisch-Polynesien von Beginn an – zusammen mit der Regierung, der Université de la Polynésie française auf Tahiti sowie dem Tourismusbüro beziehungsweise dem Destinationsmanagement.
Zwischen Luxushotel und leer stehendem Haus
Französisch-Polynesien liegt im Südpazifik, rund 10.000 Kilometer östlich von Australien. Das Gebiet ist ein französisches Überseegebiet, gehört aber nicht zur Europäischen Union. Seine 118 Inseln waren einst französische Kolonien. Heute denkt man bei Tahiti, Bora-Bora, Moorea und Raiatea vor allem an Luxushotels, Luxusresorts und teure Anreisen.
Tahiti ist die größte Insel, dort liegt auch die Hauptstadt Papeete. Moorea, östlich davon, gilt als „kleine Schwester“ Tahitis. Raiatea ist die zweitgrößte Insel und wird als Wiege der polynesischen Kultur bezeichnet. Bora-Bora wiederum ist klein und von Korallenriffen geprägt. Dazu kommen Vulkane, Wasserfälle und Lagunen – Postkartenmotive, die in der feuchten Hitze schnell sehr real werden.
Nach Einschätzung von Gunter senkt Airbnb Transaktionskosten und macht vorhandene Unterkünfte sichtbar. Das kann eine Wohnung dem lokalen Wohnungsmarkt entziehen. Es kann aber ebenso bedeuten, dass ein bislang ungenutztes Haus vermietet wird und Einkommen entsteht. Bewohner berichteten den Forschenden, sie machten abgelegene Häuser durch Vermietung wieder nutzbar und verdienten damit Geld.
Das Team erhebt Daten zu Angebot und Nachfrage, untersucht saisonale Schwankungen bei Nachfrage und Preisen und vergleicht sie mit dem Hotelangebot. Für einzelne Inseln und Archipele entstehen Prognosen. Regierung und Tourismusorganisationen sollen diese Daten als Grundlage für weitere Berechnungen verwenden können. In europäischen Ländern gibt es zu Airbnb und anderen Plattformen bereits umfassende Eurostat-Daten; für französische Überseegebiete fehlten solche Informationen bislang.
Eine erste Auswertung sorgte auf Tahiti kurz für Verwirrung: Dort schien eine ungewöhnlich große Ansammlung von Airbnb-Angeboten auf. Dann stellte sich heraus, dass es sich um einen Campingplatz mit zahlreichen Stellplätzen handelte. Nicht ganz der erwartete Wohnungsmarkt – aber ein Hinweis darauf, wie anders die Datenlage in einem Inselgebiet funktionieren kann.
Ein offener Blick auf die Plattform
Die Forschungsergebnisse wurden bereits in Workshops mit der Regierung von Französisch-Polynesien und Tahiti Tourismus vorgestellt. Nach Wahrnehmung der Forschenden reagiert die Bevölkerung offen und neugierig auf Airbnb. Ein Grund: Einnahmen aus dem Tourismus können im Land bleiben. Im Vergleich zu Barcelona und Amsterdam, wo Overtourism und Kurzzeitvermietung für heftige Debatten sorgen, wird die Entwicklung in Französisch-Polynesien bislang positiver aufgenommen.
Airbnb könnte den Tourismus dort zugänglicher machen, weil bisher vor allem Luxusangebote dominierten. Gleichzeitig bleibt die Wohnungsfrage heikel. Wo eine Unterkunft für Reisende lukrativer ist als für Einheimische, kippt der Vorteil schnell. Die Untersuchung soll genau solche Unterschiede sichtbar machen – Insel für Insel, Saison für Saison.
Das Angebot ist jedenfalls breit. Laut den vorliegenden Angaben umfasst Französisch-Polynesien 1.629 Hotels und weitere Unterkünfte. Papeete wird mit fünf Hotels geführt; dort locken Streetfood, Märkte, Kultur und der Hafen. Bora Bora kommt auf vier Hotels und steht für türkisfarbenes Wasser, Romantik und Luxus. Moorea wird ebenfalls mit vier Hotels genannt, dazu Strände, Tauchen und Schnorcheln.
In Maharepa gibt es zwei Hotels mit tropischen Stränden, türkisfarbenem Wasser und Romantik als Schwerpunkt. Punaauia wird mit zwei Hotels, tropischen Stränden, türkisfarbenem Wasser und Luxus beschrieben. Fare hat ein Hotel und verbindet tropische Strände mit Inselkultur. Avatoru kommt auf vier Hotels; dort geht es um Tauchen, Meeresfauna und türkisfarbenes Wasser. Uturoa wird mit einem Hotel, Segeln, Häfen und Inselhopping aufgeführt, Paopao mit einem Hotel, Küstenbergen, Wasser und Aussicht. Opoa hat zwei Hotels und steht für antike Ruinen, indigene Kultur sowie religiöse und spirituelle Orte.
Vom Studio in Papeete bis zum Resort am Mont Otemanu
Auf den größeren Inseln gibt es neben Resorts auch Pensionen, Ferienwohnungen und Bungalows, viele davon mit Meerblick. Eine Auswahl der genannten Unterkünfte zeigt die Spannweite – und auch, wie schnell die Preise auseinanderlaufen:
- Studio Ahi in Papeete: 9,0/10 bei 105 Bewertungen, klimatisiert, 2,6 Kilometer vom Strand Plage Hokule’a entfernt, mit Privatparkplatz.
- Camping Nany in Taputapuapea: 9,0/10 bei 169 Bewertungen, mit Bergblick, kostenlosen Fahrrädern, Garten, Gemeinschaftslounge und Terrasse.
- T2 cozy, ultra-center Papeete – Fare Mauz in Papeete: 9,2/10 bei 131 Bewertungen, mit Terrasse und Stadtblick.
- RH Maharepa LODGE in Maharepa: 9,3/10 bei 265 Bewertungen, mit kostenlosem WLAN und Privatparkplatz.
- Airport Pamatai Room in Faaa: 9,0/10 bei 100 Bewertungen, mit WLAN, Klimaanlage, Garten und Terrasse.
- Vaiata Lodge in Arue: 9,2/10 bei 170 Bewertungen, zwei Kilometer vom Strand Plage Lafayette entfernt, mit Garten und Privatparkplatz.
- Hei Maurua in Te-Fare-Arii: 9,3/10 bei 108 Bewertungen, mit Terrasse, WLAN und Gartenblick.
- Anuarii Lodge Cash only in Faaa: 9,2/10 bei 226 Bewertungen, mit Terrasse, WLAN und Gartenblick.
- TITOU LODGE – Hauteurs de Miri in Punaauia: 9,1/10 bei 118 Bewertungen, klimatisierte Unterkünfte mit Balkon.
- TIVINI Houses auf Bora Bora: 9,5/10 bei 221 Bewertungen, mit WLAN, Klimaanlage und Garten.
- Hôtel Atiapiti: Bungalows und Villa an einem privaten weißen Sandstrand, kostenloses WLAN sowie private Terrassen mit Meer- oder Gartenblick.
- Westin Bora Bora Resort & Spa: 9,2/10 bei 49 Bewertungen, ab 300 Euro pro Nacht, am Fuß des Mont Otemanu.
- Niu Beach Hôtel Moorea: 9,3/10 bei 184 Bewertungen, ab 1.859 Euro pro Nacht, einen Kilometer vom Strand von Tiahura entfernt, mit WLAN und Privatparkplatz.
- Moorea Island Beach Hotel: 9,1/10 bei 183 Bewertungen, ab 358 Euro pro Nacht, 600 Meter vom Strand von Tiahura entfernt, mit kostenlosen Fahrrädern und weiteren Leistungen.
- Moorea Beach Lodge: 9,2/10 bei 402 Bewertungen, ab 430 Euro pro Nacht, mit Kühlschrank, Wasserkocher und eigenem Bad.
- Hôtel Fenua Mata’i’oa: 9,1/10 bei 193 Bewertungen, ab 396 Euro pro Nacht, in einer tropischen Gartenanlage an der Lagune, mit Bar, Restaurant und Außenwhirlpool.
- Maitai Lapita Village Huahine in Fare: 9,3/10 bei 148 Bewertungen, ab 373 Euro pro Nacht, eine Drei-Sterne-Unterkunft mit Außenpool, Garten und privatem Strandbereich.
- Cook’s Bay Hotel & Suites in Paopao: 9,0/10 bei 211 Bewertungen, ab 367 Euro pro Nacht, eine Drei-Sterne-Unterkunft mit Außenpool, Fitnesscenter und Garten.
- Hotel Le Mahana in Parea: 8,9/10 bei 293 Bewertungen, ab 408 Euro pro Nacht, eine Drei-Sterne-Unterkunft mit Garten, privatem Strandbereich und Terrasse.
- Sofitel Kia Ora Moorea Beach Resort: 8,7/10 bei 71 Bewertungen, ab 338 Euro pro Nacht, an
