Europa hat einen Sommer hinter sich, der sich vielerorts nicht mehr wie eine Ausnahme anfühlte, sondern wie ein neuer, ziemlich unangenehmer Normalzustand. Im Westen des Kontinents war der Sommer 2026 der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das ergab eine Analyse des EU-Klimabeobachtungsprogramms Copernicus. Die Durchschnittstemperatur lag dort bei knapp 22 Grad Celsius – 2,5 Grad über dem Vergleichswert der Jahre 1991 bis 2020.

Für Europa insgesamt war es der drittwärmste jemals gemessene Sommer. Mehr als die Hälfte Europas war extremem Hitzestress ausgesetzt. Gleichzeitig blieb der Regen aus. In ausgetrockneten Flussbetten knirschten Steine, während im Juli und August mehrere große Flüsse Rekord-Tiefstände erreichten, darunter Rhein, Donau und Seine.

Eine Dürre, die weit nach Norden reicht

Die Dürre hatte bereits im frühen Frühjahr begonnen: unterdurchschnittliche Niederschläge trafen auf überdurchschnittliche Temperaturen. Anhaltend geringe Regenmengen und wiederkehrende Hitzewellen verschärften die Lage im Juli und August 2026. Laut Copernicus erreichten Loire, Po, Rhein und Donau im August historische Niedrigwasserstände.

Die am 10. August veröffentlichten Daten des Copernicus European Drought Observatory (EDO) für den Zeitraum vom 21. bis 31. Juli zeigten in weiten Teilen Europas Warn- und Alarmstufen. Besonders betroffen waren Frankreich, Deutschland, Ungarn, Rumänien und das Vereinigte Königreich. 50 Prozent der EU und des Vereinigten Königreichs litten unter Dürre; neun Prozent der Fläche befanden sich auf Alarmstufe.

„Beobachtung“ steht beim EDO für unterdurchschnittliche Niederschläge, „Warnung“ für sinkende Bodenfeuchte. Die Alarmstufe bedeutet anhaltend geringe Niederschläge und Bodenfeuchte sowie sichtbaren Vegetationsstress. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum waren 2018 rund 54 Prozent und 2022 rund 60 Prozent der Gebiete betroffen. Die Alarmstufe umfasste 2026 weniger Fläche als 2022, als es elf Prozent waren, aber mehr als 2018 mit drei Prozent. Mitte August 2022 lag der Höchststand bei 18 Prozent, Ende August 2018 bei sechs Prozent.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Geringe Niederschläge blieben im Juli der wichtigste Dürrefaktor. Besonders lange und kräftige Defizite gab es in Mitteleuropa und den Alpen, in großen Teilen Italiens und des Vereinigten Königreichs, auf der südwestlichen Iberischen Halbinsel, auf dem Balkan und in Osteuropa. Die größten Lücken wurden in Süddeutschland, den Alpen, Zentralfrankreich und der Westukraine gemessen. Selbst Satellitenaufnahmen vom August 2026 zeigten extreme Trockenheit bis nach Dänemark und Schweden.

In großen Teilen Mittel- und Osteuropas lag die Bodenfeuchte unter dem Normalwert. Sehr niedrige bis extrem niedrige Abflüsse betrafen Einzugsgebiete in Mittel- und Osteuropa, Norwegen, Finnland, den Alpen, Norditalien sowie große Flüsse in Deutschland und Frankreich. Das Dürrerisiko breitet sich laut Gisela Elsner von der Konrad-Adenauer-Stiftung zunehmend nach Norden aus. Neben Südeuropa trifft es inzwischen Mittel- und Westeuropa sowie Südosteuropa.

Wasser fehlt an vielen Stellen zugleich

Die niedrigen Pegelstände sind kein Problem, das nur am Flussufer bleibt. Sie erschwerten die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, die Kühlung von Kernreaktoren und die Stromerzeugung durch Wasserkraft. In Frankreich ging die Atomstromproduktion zurück. Im Einzugsgebiet des Po herrschte in Italien erheblicher hydrologischer Stress. In Ungarn und Rumänien behinderten kritische Niedrigwasserstände der Donau Schifffahrt, Wasserversorgung und Landwirtschaft. Auch Donau und Rhein lieferten wegen der niedrigen Pegel weniger Wasser für Wasserkraft und Atomstrom.

Landwirte von Deutschland bis zur Ukraine meldeten geringere Ernten. Vegetationsdaten zeigten eine Verschlechterung in Teilen Frankreichs, Mitteleuropas, Ungarns und Westrumäniens. Hitze und fehlender Regen beeinträchtigten dort zunehmend die Entwicklung von Frühjahrs- und Sommerkulturen. Laut JRC-MARS-Bericht vom 27. Juli lagen die Ernteprognosen für die EU insgesamt zwar leicht über dem Fünfjahresdurchschnitt, aber unter dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Vormonat sanken die Aussichten für Winterkulturen um etwa ein bis vier Prozent, für Körnermais und Sonnenblumen um sechs bis sieben Prozent.

Betroffen sind damit Wasserressourcen, Landwirtschaft, Energieversorgung, Binnenschifffahrt, Tourismus und Ökosysteme – gleichzeitig, und genau das macht die Sache so zäh. In Teilen des Vereinigten Königreichs, der Schweiz und Deutschlands wurden Einschränkungen des privaten Wasserverbrauchs angekündigt. Laut Elsner geht es dabei nicht um einen vollständigen Ausfall der Wasserversorgung, sondern um Prioritäten und eine effizientere Nutzung der Vorräte.

Privathaushalte verbrauchen je nach Land durchschnittlich 50 bis 300 Liter Wasser pro Person und Tag. Das sind weniger als 20 Prozent des Gesamtverbrauchs. Rund zwei Drittel entfallen auf die Landwirtschaft, vor allem auf Bewässerung, sowie auf die Kühlung von Atomkraftwerken und fossilen Kraftwerken. In Griechenland, Spanien und der Türkei werden fast 2.000 Liter pro Kopf und Tag entnommen, überwiegend für die Landwirtschaft. In Bulgarien, Ungarn, den Niederlanden und Estland sind es etwa 1.000 bis 2.000 Liter; dort dient der Großteil der Kraftwerkskühlung.

Die Europäische Umweltagentur, EUA, sieht Spielraum: EU-Länder könnten durch gezielte Maßnahmen jährlich zehn bis 40 Prozent Wasser einsparen. Atomkraft sowie Öl-, Gas- und Kohlekraftwerke brauchen große Mengen zur Kühlung, Wind- und Solarenergie deutlich weniger. Europas Wasserverbrauch ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits um etwa ein Viertel gesunken, vor allem wegen des geringeren Kühlwasserbedarfs von Kraftwerken. Mit mehr erneuerbaren Energien und effizienteren Kühlsystemen könnten laut EUA weitere Einsparungen von 45 bis 95 Prozent möglich sein – mehrere hundert Liter pro Kopf und Tag.

Für die Landwirtschaft im Süden Europas empfiehlt die EUA, offene Bewässerungskanäle durch geschlossene Rohrsysteme zu ersetzen, Oberflächenbewässerung durch Sprinkler- oder Tropfbewässerung und weniger wasserintensive Pflanzen anzubauen. Rund jeder vierte Liter aus der öffentlichen Versorgung geht laut EurEau durch undichte Leitungen oder Verdunstung verloren. In Rumänien und Italien liegen die Verluste bei mehr als 40 Prozent. Die Sanierung der Netze würde laut EUA den größten Teil der möglichen Einsparungen in der öffentlichen Wasserversorgung bringen.

Wassersparende Toiletten, effiziente Wasch- und Spülmaschinen und aufgefangenes Regenwasser helfen auch zu Hause. Selbst wenn alle privaten Maßnahmen umgesetzt würden, ließe sich der Haushaltsverbrauch laut EUA aber nur um etwa zehn bis 40 Prozent pro Kopf und Tag reduzieren. Zusätzlich können Verbraucher den Wasserfußabdruck von Produkten beachten und Regierungen auffordern, die Folgen ihrer Energiepolitik für Wasserressourcen stärker einzubeziehen.

Hitze, Gesundheit und die Feuerfront

Die Hitzewellen brachten in mehreren europäischen Ländern Rekordtemperaturen. Während der extremsten Phasen stieg die Übersterblichkeit deutlich. Die WHO berichtete bei noch laufender Datenerhebung von mehr als 10.000 zusätzlichen Todesfällen in fünf Ländern; eine von Bloomberg zusammengestellte Auswertung kam auf 25.000 Todesfälle. Mehr als die Hälfte Europas war extremem Hitzestress ausgesetzt, und die Kombination aus heißer Luft, trockenem Boden und Wind ließ die Waldbrandaktivität deutlich steigen.

Bis zum 15. Juli lag die Brandsaison 2026 bei verbrannter Fläche und Zahl der Brände noch unter 2025, aber bereits deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. In der darauffolgenden Woche übertraf 2026 den Vergleichswert von 2025. Bis zum 5. August waren 505.683 Hektar verbrannt, gegenüber 379.392 Hektar bis zum 5. August 2025. Die Waldbrandfläche in der EU lag zu diesem Zeitpunkt über dem entsprechenden Wert des Vorjahres.

Große Brände konzentrierten sich im vergangenen Monat auf Südwesteuropa, besonders auf Spanien und Frankreich. Hitzewellen verstärkten die Trockenheit und trugen im Juli zu schweren Waldbränden in beiden Ländern bei. Neben den traditionellen Brandgebieten im Mittelmeerraum gab es bedeutende Feuer im Vereinigten Königreich und in Nordfrankreich.