Die US-Regierung drängt EU-Länder, ihre strategischen Dieselreserven freizugeben. Ziel ist, das weltweite Angebot zu erhöhen und den Dieselpreis zu drücken. US-Finanzminister Bessent forderte eine umgehende Freigabe der Vorräte. Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen in den USA sollten nicht allein die Folgen einer weltweiten Dieselknappheit tragen.

US-Präsident Trump unterstützte den Aufruf seines Finanzministers. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters drohen die USA EU-Ländern bei ausbleibender Freigabe sogar mit einem Stopp von Diesel-Exporten nach Europa. Dahinter steht auch Trumps Wahlkampf für die US-Zwischenwahlen im November: Der Dieselpreis in den Vereinigten Staaten soll vor der Abstimmung deutlich sinken. Die Treibstoffpreise sind dort infolge des Iran-Kriegs stark gestiegen.

EU berät über Reserven

Die EU-Kommission plante für Freitagmorgen, den 2. Oktober 2026, eine Videokonferenz mit den 27 Mitgliedstaaten über den Umgang mit den Dieselreserven. Bereits am Donnerstag sprach die Kommission mit mehreren Ländern, darunter dem Vereinigten Königreich, in einer Telefonkonferenz über mögliche Szenarien.

Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte, die strategischen Vorräte könnten wahrscheinlich erneut angezapft werden. Die EU berät nach seinen Angaben gemeinsam mit allen Mitgliedern der Internationalen Energieagentur (IEA) über den richtigen Zeitpunkt. Eine koordinierte Freigabe über die IEA mit Sitz in Paris wird diskutiert – entscheiden müssen am Ende aber die einzelnen EU-Mitgliedstaaten.

Eine solche Maßnahme könnte kurzfristig Diesel und andere Mineralölprodukte zusätzlich auf den Markt bringen und die Versorgung entspannen. Die Notvorräte sind allerdings begrenzt und müssten nach der Freigabe wieder aufgefüllt werden. Viele Regierungen zögern deshalb, ihre Sicherheitsreserven während der anhaltenden geopolitischen Krise zu verringern.

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Teurer Diesel, knapperes Angebot

Als Gründe für das knappere Angebot gelten der Krieg im Iran und geringere Raffineriekapazitäten. Die Preise für Unternehmen und Verbraucher steigen; besonders Diesel an Tankstellen verteuerte sich im vergangenen Monat deutlich. In den USA kletterte der Dieselpreis auf sieben US-Dollar je Gallone.

Auch der Ölmarkt spürt den Druck. Die Nordsee-Ölsorte Brent kostete seit Ende September zwischen 97 und 102 US-Dollar je Barrel – 25 bis 30 US-Dollar mehr als vor Kriegsbeginn. Für Speditionen, Landwirtschaft und Betriebe läuft da schnell die Rechnung aus dem Ruder; an der Zapfsäule merkt man es ohnehin zuerst.

Durch eine weitere Freigabe könnten nach Angaben aus Brüssel zusätzlich bis zu 120 Millionen Barrel auf den Markt gelangen. Nach den jüngsten Eurostat-Zahlen für 2026 sind die EU-Notreserven weiterhin umfangreich und stehen bei Marktstörungen zur Verfügung. Trotzdem bleiben die Märkte für Diesel und Flugtreibstoff angespannt, die Preise hoch.

Frühere Freigabe noch nicht vollständig angekommen

Im März beteiligte sich die EU an einer koordinierten IEA-Freigabe von insgesamt 400 Millionen Barrel. Die EU-Staaten steuerten gut 20 Prozent der damaligen Menge bei. Ein erheblicher Teil dieser EU-Mengen war bis zur vergangenen Woche noch nicht auf dem Markt angekommen.

IEA-Chef Fatih Birol forderte die EU-Länder deshalb am 29. September bei einem informellen Energieministertreffen in Dublin auf, die verbliebenen März-Mengen zu nutzen. Gleichzeitig zeigen Daten der IEA, wie dünn die Luft inzwischen ist: Die weltweit erfassten Lagerbestände sanken seit Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran am 28. Februar bis August um rund 410 Millionen Barrel.

Knappheiten bei Diesel und Kerosin führten laut IEA zu Raffineriemargen auf Rekordniveau. Für die Menschen in Europa bleibt derweil die Frage, ob eine neue Reservefreigabe tatsächlich rasch ankommt – oder ob erst noch weitere Telefonkonferenzen, Abstimmungen und ein bisserl politisches Tauziehen nötig sind.