Technologietransfer an Hochschulen: Wie aus Forschung Patente, Lizenzen und Start-ups werden
Patente sind selten der Stoff, aus dem studentische Kaffeepausen gemacht werden. Trotzdem entscheidet sich an ihnen oft, ob aus einer Idee im Labor später ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen wird. An der Uni Europa zeigt eine neue Studie des Europäischen Patentamts (EPA), wie viel dabei von Technologietransferstellen abhängt: Sie sollen Forschungsergebnisse schützen, weiterentwickeln und in marktfähige Anwendungen überführen.
Untersucht wurden erstmals mehr als 800 Technologietransferbüros von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Europa gilt dabei als Zentrum der Spitzenforschung. Für die Wettbewerbsfähigkeit reicht gute Forschung allein allerdings nicht; sie muss auch den Weg in Technologien und Produkte finden.
EPFL und ETH Zürich unter den Top-Anmeldern
Bei den europäischen Patentanmeldungen liegen die École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und die ETH Zürich weit vorne. Schweizer Hochschulen meldeten 2025 folgende Zahlen beim EPA an:
| Hochschule | Europäische Patentanmeldungen | Rang |
|---|---|---|
| EPFL | 107 | 12 |
| ETH Zürich | 101 | 16 |
| Universität Zürich | 55 | – |
| Universität Bern | 27 | – |
| Universität Basel | 23 | – |
Damit gehören EPFL und ETH Zürich laut EPA-Studie zu den 20 europäischen Hochschulen mit den meisten Patentanmeldungen. Die Themen liegen nicht nur zwischen Reagenzglas und Computerbildschirm, sondern ziemlich genau dort, wo Forschung auf Anwendung trifft: Bei der EPFL entfielen 21 Anmeldungen auf Medizintechnik, 14 auf Biotechnologie und 11 auf Messtechnik.
Die ETH Zürich kam auf 19 Anmeldungen in der Biotechnologie, 16 in der Medizintechnik und zehn in der Computertechnik. An der Universität Zürich führten Biotechnologie mit 15, Arzneimittel mit 13 und organische Feinchemie mit acht Anmeldungen. Die Universität Bern meldete elf Patente in der Biotechnologie sowie jeweils sechs in Medizintechnik und Arzneimitteln an. In Basel lagen Biotechnologie mit sieben, organische Feinchemie mit vier und Arzneimittel mit vier Anmeldungen vorne.
Von der Erfindung zur Lizenz
Wie dieser Weg an der ETH Zürich aussehen kann, zeigen die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2025: 124 Erfindungen wurden hervorgebracht, 98 Patente angemeldet beziehungsweise erteilt und 37 Lizenzen vergeben. Die Entwicklung der vergangenen Jahre setzte sich damit fort. ETH Transfer berichtet außerdem über Lizenzierungsmöglichkeiten, Patentstatistiken und den Spark Award.
Am 27. November 2025 verlieh die ETH Zürich den Spark Award für die vielversprechendste Erfindung, die im Vorjahr zum Patent angemeldet worden war. Bewertet wurden Originalität, Patentstärke und Marktpotenzial. Ausgezeichnet wurde „POP-cycle: electrochemical recycling of organic pollutants into hydrocarbons and table salts“. Die Erfinder sind Patrick T. Domke, Alberto F. Garrido-Castro und Bill Morandi.
ETH Transfer ist Mitglied der swiss technology transfer association (swiTT) und wird im swiTTreport vorgestellt. Der swiTT-Jahresbericht analysiert die Technologietransfer-Aktivitäten öffentlicher Schweizer Forschungseinrichtungen. Dabei geht es um zwei Bereiche: Forschungskooperationen mit privaten oder öffentlichen Partnern sowie die wirtschaftliche Verwertung von Forschungsergebnissen.
Die Schweiz liegt mit 463 Spin-offs, die Patente beim EPA angemeldet haben, europaweit auf Platz vier. 266 davon, also 57,5 Prozent, befanden sich in einer frühen Wachstumsphase. 84 Spin-offs beziehungsweise 18,1 Prozent waren in der Durchbruchsphase: Dort werden Teams und Märkte ausgebaut und weitere Finanzierungsrunden durchgeführt. 24 Unternehmen, 5,2 Prozent, hatten die späte Wachstumsphase erreicht; sie kamen auf eine Bewertung von mehr als 500 Millionen US-Dollar oder hatten weltweite Strukturen aufgebaut. Weitere 89, also 19,2 Prozent, wurden von anderen Unternehmen übernommen.
Viele kleine Transferstellen, große Aufgabe
Die EPA-Beobachtungsstelle wertet neue Methoden und EPA-Daten aus, um die Rolle von Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Patentsystem und im europäischen Innovationsökosystem zu untersuchen. 2025 reichten mehr als 1.100 europäische Hochschulen, öffentliche Forschungseinrichtungen und Forschungskrankenhäuser Patentanmeldungen beim EPA ein.
Bei den Hochschulen stammten 2019 mehr als zehn Prozent der beim EPA eingereichten europäischen Patentanmeldungen von Hochschulen. Im Jahr 2000 waren es sechs Prozent. Mehr als 1.200 europäische Hochschulen haben Patente beim EPA angemeldet. Deutschland und Frankreich führen bei den absoluten Anmeldezahlen, während Schweden und die Schweiz mehr Patentanmeldungen pro Hochschule verzeichnen.
Ein kleiner Kreis trägt dabei erstaunlich viel: Die fünf Prozent aktivsten Hochschulen reichten zwischen 2000 und 2020 jeweils mehr als 250 Anmeldungen ein und waren für die Hälfte aller Hochschulanmeldungen verantwortlich. Häufig verfügen sie über gut ausgestattete Wissenstransferabteilungen und melden Patente direkt an.
Ein einheitliches europäisches Modell für Technologietransferstellen gibt es trotzdem nicht. Die meisten sind kleine Einheiten; eine durchschnittliche TTO beschäftigt weniger als sieben Vollzeitäquivalente, die Hälfte hat zwischen drei und 15 Mitarbeitende. In einem typischen Jahr erhalten die meisten TTOs etwa neun Erfindungsmeldungen. Sie identifizieren und bewerten Forschungsergebnisse, schützen geistiges Eigentum, suchen Geschäftspartner, begleiten Lizenz- und Forschungsvereinbarungen, finanzieren Proof-of-Concept-Projekte und helfen bei der Gründung von Spin-outs und Start-ups.
Die Unterschiede liegen bei Größe, Erfahrung der Mitarbeitenden, institutionellem Umfeld und Aufgabenbereichen. Die meisten TTOs bestehen aus sechs bis sieben Vollzeitäquivalenten. Mehr als die Hälfte der TTOs, die ein Gründungsjahr angaben, wurde 2005 oder später gegründet. Größere Stellen verwalten umfangreichere Forschungs- und Entwicklungspipelines und verfügen über breitere Fachkompetenzen. Bei den meisten untersuchten Kennzahlen zeigten sich bezogen auf die Zahl der offengelegten Erfindungen jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen kleinen und großen TTOs.
Stabile Kapazitäten sowie besserer Zugang zu Fachwissen, Finanzmitteln und kommerziellen Netzwerken gelten als wichtige Voraussetzungen. Ebenso zählen enge Beziehungen zu lokalen Forschenden, gemeinsame Kompetenzen und stärkere grenzüberschreitende Verbindungen zu Unternehmen, Investoren und Unternehmern. Die TTOs vermitteln schließlich zwischen Forschenden, Firmen, Geldgebern und Gründerinnen und Gründern – nicht immer glamourös, oft eher Tabellen, Telefonate und Vertragsentwürfe.
Patente, Regionen und junge Unternehmen
Zwischen 2001 und 2020 entfielen knapp 63.000 europäische Patentanmeldungen auf öffentliche Forschungseinrichtungen. Das entsprach rund fünf Prozent beziehungsweise 4,9 Prozent aller von europäischen Anmeldern eingereichten Patentanmeldungen.
Wo Industrie sitzt, entstehen mehr akademische Patentanmeldungen, weil Kooperationen und Wissenstransfer leichter zustande kommen. In weniger industrialisierten Regionen, besonders in Mittel- und Osteuropa, melden Hochschulen weniger Patente an, spielen aber eine größere Rolle für die lokale Innovation. Nationale Unterschiede sind deutlich: In Schweden melden Forschende viele akademische Patente selbst an, weshalb die Zahl der Hochschulpatente dort geringer ausfällt. In Frankreich und Belgien reichen Hochschulen den Großteil der akademischen Patente selbst ein, häufig gemeinsam mit öffentlichen Forschungseinrichtungen.
Gemeinsame Anmeldungen sind ein wichtiger Bestandteil der Hochschulpatentierung. Frankreich weist viele Kooperationen mit CNRS und INSERM auf, in Deutschland gibt es vergleichbare Verbindungen zu Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten. Auch öffentliche Forschungseinrichtungen in Belgien, Spanien und Italien sind häufig beteiligt.
Bei 27,2 Prozent der erfassten Start-ups mit mindestens einer europäischen Patentanmeldung waren die Erfinderinnen und Erfinder mit europäischen Forschungseinrichtungen verbunden. Das entspricht mehr als 2.800 Start-ups. Zwischen 2021 und 2024 erzielten diese forschungsbezogenen Unternehmen 50,3 Prozent der insgesamt beschafften Finanzmittel, 30,6 Prozent aller Finanzierungsgeschäfte und 30,9 Prozent aller erfolgreichen Exits. Eine Ausgründung ist damit nicht bloß der Moment, in dem
