Der emeritierte Bischof von Lugano, Pier Giacomo Grampa, feierte am Mittwoch, 28. Oktober, seinen 90. Geburtstag. Die offizielle Feier folgt am Samstag, 31. Oktober, um 10.30 Uhr mit einer Messe in der Kirche Santa Maria della Misericordia des Kollegiums Papio in Ascona. Heute, am 30.10.2026, richtet sich der Blick damit noch einmal auf einen Mann, dessen Lebensweg eng mit Schule, Kirche und Familie verbunden ist.

Mehrere Persönlichkeiten würdigen Grampa in Beiträgen auf catt.ch. Die designierte Rektorin Tiziana Zaninelli, die ab 2027 das Papio leiten soll, nennt ihn einen langjährigen „Mann der Schule“. Das passt: Von 1965 bis 1975 war Grampa am Kollegium Professor, ab 1979 übernahm er das Rektorat und blieb dort bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Lugano im Jahr 2003.

Ein Rektor, den die Studenten zurückhaben wollten

Vor seiner Zeit am Papio unterrichtete Grampa am «Seminario Minore» in Lugano, das 1886 zum diözesanen Kollegium Pius XII. wurde. Am Collegio Papio in Ascona war er von 1965 bis 1975 Vizerektor des Diözesangymnasiums und unterrichtete Religion, Philosophie und Geschichte. 1975 wurde er Pfarrer von Moghegno und Aurigeno im Maggiatal; zusätzlich arbeitete er als Katechet an der Lehramtsanstalt in Locarno.

Sein Abschied kam bei den Studenten offenbar gar nicht gut an. Der Kirchenhistoriker Lorenzo Planzi berichtet, dass sie nach Grampas Abberufung 1975 protestierten. In einem Brief an die Bistumsleitung von 1979 forderten sie seine Rückkehr ans Papio. Für sie war er der Richtige, um zwischen den strengen Institutsregeln und den Anforderungen einer modernen Jugend zu vermitteln. Noch im selben Jahr übernahm Grampa als Nachfolger von Amédée Grab das Rektorat und unterrichtete zusätzlich Religion, Ethik und Staatskunde.

Alain de Raemy beschreibt Grampa als weiterhin aktiven „Vulkan“ – einen Menschen mit starkem Charakter und grossem Herzen. Zaninelli hebt seine langjährige Treue zu Freundschaften hervor. Planzi zieht einen Vergleich mit dem verstorbenen Papst Franziskus: Beide hätten das Evangelium verkündet und auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen. Das ist kein leises Bild, eher eines mit ordentlich Rauch und Wärme.

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Vom Seminar in Venegono nach Lugano

Pier Giacomo Grampa wurde 1936 in Busto Arsizio in der Lombardei geboren. Eine weitere Quelle nennt als genaueren Ort Busto Arsizio in der Provinz Varese und in der Erzdiözese Mailand sowie den 29. Oktober 1936; die Geburtstagsangabe in den Würdigungen lautet 28. Oktober 1936. Er hat zwei Schwestern und einen Bruder, Don Giuseppe. Dieser war Pfarrer der Kirche San Giovanni in Laterano in Mailand und Direktor der Monatszeitschrift „Il Segno“ der Erzdiözese Mailand.

Grampa studierte zunächst Philosophie und Theologie im Priesterseminar von Venegono Inferiore, anschließend in Lugano und schließlich an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Später übersiedelte er in die Schweiz und nahm deren Staatsbürgerschaft an. Am 6. Dezember 1959 wurde er zum Priester geweiht. Als Ort wird die San-Nicolao-Kirche in Lugano genannt; als Spender der Weihe Bischof Francesco Maggi beziehungsweise Angelo Giuseppe Jelmini, Apostolischer Administrator des Kantons Tessin und Titularbischof von Terme.

Danach war Grampa zunächst Professor am Priesterseminar von Lucino, später am Collegio Papio in Ascona. 1995 wurde er Pfarrvikar in Ascona und am 16. August desselben Jahres von Papst Johannes Paul II. zum Kaplan Seiner Heiligkeit, also zum Monsignore, ernannt. 1996 war er zunächst Pfarradministrator von Arcegno, später auch von Ascona. 2001 wurde er Pfarrer und Erzpriester von Ascona.

Bischof von Lugano

Am 18. Dezember 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. Grampa zum Bischof von Lugano. Er folgte auf den altersbedingt zurückgetretenen Giuseppe Torti. Vor seiner Ernennung war Grampa Mitglied des diözesanen Priesterrats und der diözesanen Kommission für Massenmedien gewesen.

Die Bischofsweihe empfing er am 25. Januar 2004. Als Ort wird die Kathedrale San Lorenzo in Lugano genannt, in einer weiteren Darstellung die Weihe durch den Apostolischen Nuntius in der Schweiz, Pier Giacomo De Nicolò. Mitkonsekratoren waren Ernesto Togni, emeritierter Bischof von Lugano, und Amédée Grab, Bischof von Chur. Während derselben Feier übernahm Grampa die Leitung der Diözese. Sein Wahlspruch lautet „Patiens in Adversis“ – „In Widrigkeiten geduldig“.

Auch politisch-gesellschaftlich meldete sich der Bischof zu Wort. Vor einer Schweizer Volksabstimmung sprach er sich für die Akzeptanz von Minaretten aus und verwies auf Dialog, gegenseitige Akzeptanz und friedliches Zusammenleben. Die Debatte, so sein Plädoyer, solle sich stärker auf den Inhalt der Predigten in Moscheen konzentrieren als auf den Bau von Minaretten.

Grampa war Großkanzler der Theologischen Fakultät Lugano. 1999 wurde er zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und von Kardinal Henri Schwery investiert. 2002 folgte die Ernennung zum Offizier, 2004 zum Großoffizier des Ordens. Kardinal-Großmeister John Patrick Foley ernannte ihn 2007 zum Großprior der Schweizer Statthalterei. 2018 folgte ihm Charles Morerod OP, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, als Großprior nach.

Familie, Bücher und ein Abschied

Grampas Bruder Giuseppe beschreibt ihn als familienverbundenen Menschen. Nach seiner Emeritierung zog Pier Giacomo Grampa in die Nähe der italienischen Grenze, damit er seine Familie schnell erreichen konnte. Bei einem Mann, der jahrzehntelang Schulen, Pfarreien und eine Diözese prägte, klingt das fast unspektakulär – und gerade deshalb ziemlich aufschlussreich.

Grampa veröffentlichte zahlreiche Schriften. Besonders viel Zeit investierte er laut catt.ch in ein Werk über das Zweite Vatikanische Konzil. Auch sein Rückblick auf seine Vorgänger im Bischofsamt von Lugano ist persönlich geprägt. Neben der Seelsorge blieb also immer Platz für Papier, Recherche und den langen Atem eines Autors.

Im Herbst 2011 reichte Grampa nach Vollendung des 75. Lebensjahres seinen Rücktritt bei Papst Benedikt XVI. ein. Papst Franziskus nahm das altersbedingte Rücktrittsgesuch am 4. November 2013 an, dem Gedenktag des heiligen Karl Borromäus, des Diözesanpatrons von Lugano. Zum Nachfolger wurde Valerio Lazzeri aus dem Klerus der Diözese Lugano ernannt. Bis zu dessen Amtsantritt am 7. Dezember 2013 blieb Grampa Apostolischer Administrator.

Nun also Ascona: Santa Maria della Misericordia, eine Messe, Gratulationen – und vermutlich einige alte Geschichten aus dem Papio. Wer Grampa dort erlebt, dürfte nicht nur einem ehemaligen Bischof begegnen, sondern jenem Schulmenschen, Familienmenschen und „Vulkan“, an den sich mehrere Generationen erinnern.