Dr. Roshanak Asadi Tabrizi beschäftigt sich mit Materialien, seit sie jung ist. Schon damals interessierten sie deren unterschiedliche chemische und physikalische Eigenschaften. Heute arbeitet die Materialwissenschaftlerin daran, diese Eigenschaften gezielt zu verändern – unter anderem, um besonders leistungsstarke optische Linsen zu entwickeln.

Vor einem Jahr kam Asadi aus dem Iran an die Universität Freiburg. Seit 2025 ist sie dort Postdoktorandin am Laboratory for Microactuators des Instituts für Mikrosystemtechnik (IMTEK), mit Schwerpunkt Materialwissenschaften und Werkstofftechnik. Mithilfe des Mentoringprogramms CORA möchte sie ihr Profil weiter schärfen und herausfinden, in welchen Forschungsfeldern sie ihre Erfahrungen und Fähigkeiten künftig einsetzen kann.

Zwischen Nanopartikeln und Flüssigkeitslinsen

Ihr aktuelles Projekt klingt nach Laborarbeit mit reichlich Geduld: Asadi entwickelt transparente Nanoflüssigkeiten mit hohem Brechungsindex. Zum Einsatz kommen oberflächenmodifizierte TiO₂@SiO₂-Kern-Schale-Nanopartikel. Die Flüssigkeiten sollen in adaptiven Flüssigkeitslinsensystemen verwendet werden – Linsen also, deren Eigenschaften sich anpassen lassen.

Dafür synthetisiert und funktionalisiert sie Nanopartikel, arbeitet mit Kolloidtechnik und charakterisiert fortschrittliche Materialien. Hinzu kommen optische Messungen und multiphysikalische Simulationen mit COMSOL. Untersucht wird, wie sich Materialien verhalten und wie sich die Leistung der Bauteile optimieren lässt. Ihr fachlicher Werkzeugkasten umfasst funktionale, nano- und optische Materialien ebenso wie Oberflächen- und Grenzflächenengineering, Dünnschichtverarbeitung, Materialcharakterisierung und COMSOL Multiphysics.

Asadis Erfahrung reicht dabei weit zurück: Sie arbeitete mit keramischen Werkstoffen, Biomaterialien, optischen Gläsern, Dünnschichten und Nanomaterialien. Mehrere Jahre war sie außerdem in der industriellen Forschung und Entwicklung im Bereich Werkstofftechnik tätig. Heute arbeitet sie an interdisziplinären und internationalen Kooperationen und an Materialsystemen, die zwischen Grundlagenforschung und praktischen Anwendungen liegen – genau dort, wo es oft ein wenig unübersichtlich, aber auch interessant wird.

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Ein neuer akademischer Alltag

Der Wechsel in ein anderes Land führt laut Asadi zunächst dazu, dass man sich auf das konzentriert, was man noch lernen muss: Sprache, Wissenschaftssystem und Kultur. CORA bestärkte sie darin, auch die Kompetenzen wahrzunehmen, die längst vorhanden sind.

Durch ihren internationalen Hintergrund kennt Asadi unterschiedliche akademische und kulturelle Umfelder. Situationen kann sie dadurch aus verschiedenen Perspektiven betrachten und ihre Kommunikation an das jeweilige Umfeld anpassen. Das klingt im Lebenslauf nüchtern, im Forschungsalltag dürfte es allerdings ziemlich praktisch sein – etwa wenn mehrere Disziplinen, Länder und Arbeitsweisen an einem Projekt beteiligt sind.

CORA zeigte ihr außerdem, dass eine wissenschaftliche Karriere nicht allein von guter Forschung abhängt. Ebenso wichtig sind das Erkennen und Bewerten beruflicher Chancen, der Aufbau von Netzwerken und die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Unterschieden, denen Frauen im Laufe ihrer Karriere begegnen können.

Vom Keramikstudium zur Postdoktorandin

Asadi studierte von 2007 bis 2012 Werkstofftechnik mit Schwerpunkt Keramik an der Universität Täbris. Es folgte von 2012 bis 2015 ein Masterstudium der Werkstofftechnik mit Schwerpunkt Keramik am Materials and Energy Research Center. Von 2017 bis 2023 promovierte sie in Werkstofftechnik an der Universität Täbris. Parallel beziehungsweise anschließend sammelte sie von 2015 bis 2025 Berufserfahrung in der industriellen Forschung und Entwicklung der Werkstofftechnik.

Ihre wissenschaftlichen Arbeiten reichen von optischen Eigenschaften mehrschichtiger, erbiumdotierter Ga₁As₃₉S₆₀-Chalkogenidglas-Dünnschichten bis zu keramischen und biomaterialbezogenen Themen. Gemeinsam mit M. Rezvani veröffentlichte sie in Optical Materials den Beitrag „Optische Eigenschaften mehrschichtiger, erbiumdotierter Ga₁As₃₉S₆₀-Chalkogenidglas-Dünnschichten, hergestellt durch Spin-Coating“, Band 136, 113431. Mit Rezvani folgte im Journal of the Iranian Ceramic Society, Band 18, Seiten 77–84, die Arbeit „Optische Eigenschaften spinbeschichteter, erbiumdotierter Ga₁As₃₉S₆₀-Chalkogenid-Dünnschichten“.

Mit A. Zamanian und S. Hesaraki untersuchte Asadi den „Einfluss von Zeit, Temperatur und Ausgangsstoff auf die Festkörpersynthese von α-TCP“, erschienen in Advanced Ceramics Progress, Band 1, Seiten 36–39. Gemeinsam mit Hesaraki und Zamanian veröffentlichte sie außerdem „Herstellung und Untersuchung eines durch CO₂-Gas porosierten, α-TCP-basierten Kalziumphosphatzements“ in Nanomaterials, Band 6, Seiten 299–305. Eine weitere Arbeit mit M. Kiani Zitani und M. Rezvani befasst sich mit der „Kristallisation, Sinterbarkeit und mikrowellendielektrischen Eigenschaften von CaO–SiO₂–Na₂O–MgO-Glaskeramiken mit Fe₂O₃ und ZnO“; sie erschien in Electronic Materials Letters, Band 10, Seiten 131–137.

In Freiburg treffen damit Forschungserfahrungen aus Keramik, Glas, Dünnschichten und Nanomaterialien auf Mikrosystemtechnik. Im Labor geht es um Partikel, Grenzflächen und Licht; daneben um Sprache, Netzwerke und die Frage, wohin der eigene Weg führen kann. Stand 17.10.2026 arbeitet Roshanak Asadi Tabrizi weiter an diesem ziemlich kleinen, ziemlich präzisen Stück Zukunft – zwischen Flüssigkeit, Glas und einem Computerbildschirm mit COMSOL-Modell.

Quelle: Universität Freiburg; IMTEK.