Die Universität Freiburg darf sich erneut Exzellenzuniversität nennen. Für die Hochschule ist das eine wichtige Nachricht – und zugleich kein Grund, sich zurückzulehnen. Der Wettbewerb um die besten Forscher hat, wie Thomas Steiner in der Badischen Zeitung schreibt, gerade erst begonnen.

Jetzt muss Freiburg die Ideen praktisch umsetzen, die im Exzellenzantrag formuliert wurden. Der Antrag trägt den Titel „The Future Research University: Sparking Change That Matters“. Klingt groß – dahinter stehen konkrete Vorhaben für Forschung, Lehre, Transfer und das tägliche Miteinander an der Universität.

Der Weg durch die Exzellenzstrategie

Der Exzellenzwettbewerb besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Förderlinien: den Exzellenzclustern und der Förderlinie Exzellenzuniversität. Am 22. Mai 2025 gab der Wissenschaftsrat die Förderentscheidungen für die Exzellenzcluster bekannt. Freiburg erhielt zwei Zusagen – für den bestehenden Cluster CIBSS und für den neu eingereichten Cluster Future Forests. Damit war die Universität antragsberechtigt für die Förderlinie Exzellenzuniversität.

Die nächsten Schritte waren eng terminiert: Die Absichtserklärung zur Teilnahme ging am 27. Juni 2025 ein, der Selbstbericht folgte am 1. August 2025. Den Antrag für die Förderlinie Exzellenzuniversität reichte Freiburg am 12. November 2025 ein.

Anfang Juni 2026 kam ein internationales Gutachterteam zum Ortsbesuch nach Freiburg. Für den Wissenschaftsrat ist dieser Besuch ein zentrales Instrument, um Universitäten einzeln zu evaluieren. Die Gutachtenden tauschten sich direkt mit der Universität aus, lernten die im Antrag dargestellten Konzepte, Leistungen und Strukturen vor Ort kennen und bewerteten sie. Während verschiedener Campus-Touren präsentierte Freiburg die Inhalte des Antrags.

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In die Vorbereitung und Durchführung waren zahlreiche Universitätsmitglieder eingebunden. Dazu kamen Partnerinnen und Partner aus dem regionalen Transferökosystem, aus den europäischen Verbünden EUCOR, EPICUR und LERU sowie aus globalen Partnerschaften. Viele dieser Partner hatten den Austausch, die Vorbereitungen und die Antragstellung bereits begleitet und ihre Mitwirkung am Ortsbesuch zugesagt.

Wissenschaft mit Verantwortung

Im Zentrum des Antrags steht das Ziel, das Selbstverständnis der Universität im 21. Jahrhundert neu zu bestimmen und wissenschaftliche Erkenntnis mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Freiburg sieht eine zentrale Aufgabe darin, zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen beizutragen – beim Umgang mit dem Klimawandel, bei der Entwicklung medizinischer Therapien und bei der Gestaltung kultureller und digitaler Transformationen.

Dafür beschreibt der Antrag drei zentrale Ansätze: interdisziplinäre Forschung soll Orientierung in gesellschaftlichen Fragen geben, Lehre kritisches Denken und Selbstreflexion fördern, und Transfer soll Wissen über den Campus hinaus nutzbar machen. Gezielte Maßnahmen, im Antrag „Sparks“ genannt, sollen Veränderungen in allen Bereichen der Universität anstoßen. Sie betreffen universitäre Strukturen ebenso wie eine Kultur des Vertrauens und der Zugehörigkeit.

Eingebettet ist das Vorhaben in die Zukunftsagenda „UFR 2040“. Sie bündelt die langfristige Weiterentwicklung der Universität in Forschung, Lehre, Transfer, Universitätskultur und Governance. Für Studierende könnte sich der Exzellenzstatus etwa durch forschungsnahe Lehre und bessere Infrastruktur bemerkbar machen. Vorgesehen sind außerdem stärkere Verbindungen zu Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.

Institutionell und finanziell würde der Status zusätzliche Spielräume eröffnen: langfristige zusätzliche Fördermittel, der Ausbau international sichtbarer Forschungsprofile, Exzellenzcluster und Forschungsstrukturen sowie eine höhere internationale Sichtbarkeit und Attraktivität für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Talente und Kooperationspartner. Auch interdisziplinäre Projekte sowie neue Karriere- und Fördermodelle könnten leichter vorankommen.

Getragen wurde der Prozess nicht nur von einzelnen Arbeitsgruppen. Mitglieder der Universität waren auf vielfältige Weise beteiligt: in universitätsweiten, themenspezifischen Arbeitskreisen zu Forschung, Governance und Transfer, bei der Erarbeitung von Skizzen und Anträgen für Exzellenzcluster, in Fokusgruppen für Maßnahmenvorschläge, bei Feedbackrunden mit verschiedenen Universitätsgruppen, in der Vorbereitung des Ortsbesuchs und in unterschiedlichen Beteiligungsformaten.

Ein Wettbewerb mit großem Rahmen

Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, soll wissenschaftliche Spitzenleistungen, Profilbildung und Kooperationen im deutschen Wissenschaftssystem fördern. Ihr Ziel ist es, internationale Spitzenforschung zu stärken und zugleich die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutschland insgesamt zu verbessern.

Für die Exzellenzcluster werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden gefördert. Seit Januar 2026 erhalten 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten Unterstützung. Für die Durchführung dieser Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft zuständig.

Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten dient dagegen der dauerhaften institutionellen Förderung von Universitäten und Universitätsverbünden, um deren internationale Forschungsposition zu stärken. Seit 2019 werden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert. Zur Förderlinie gehören die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbundes sowie ein Neuausschreibungsverfahren für weitere antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde.

Der Wissenschaftsrat führt die Förderlinie Exzellenzuniversitäten durch. Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro und steigt ab 2026 auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Gestaltet wird das Programm vom Committee of Experts, das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz eingesetzt wurde. Das Gremium besteht aus 39 ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit langjähriger Erfahrung unter anderem in Forschung, Ausland, Hochschulmanagement, Lehre oder Wirtschaft.

Über die Förderanträge entscheidet die Exzellenzkommission. Ihr gehören das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Am 2. Oktober 2026 wurde im vorliegenden Text des Wissenschaftsrats keine Liste der neu ausgewählten Universitäten oder Universitätsverbünde genannt. In Freiburg beginnt derweil die weniger glänzende, aber entscheidende Arbeit nach dem Antrag: Ideen in Strukturen übersetzen, Zuständigkeiten klären, Menschen mitnehmen. Und dann weitermachen.