An der Universität Gießen ist die Nachricht angekommen: Die Universitäten Marburg und Gießen sind im Wettbewerb um den Titel „Exzellenz-Universität“ ausgeschieden. Der gemeinsame Antrag hatte keinen Erfolg. Die zusätzliche finanzielle Förderung, die mit dem Exzellenzstatus verbunden gewesen wäre, bleibt damit aus.

Enttäuschung, klar. Trotzdem äußerten sich die Präsidenten Katharina Lorenz (Gießen) und Thomas Nauss (Marburg) zuversichtlich. In Marburg herrscht nach der Entscheidung weiterhin Aufbruchstimmung. Weitere Gründe für das Scheitern und Einzelheiten zur Reaktion der Hochschulen liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor.

Ein Wettbewerb mit viel Gewicht

Die Entscheidung fällt im Rahmen der Exzellenzstrategie (ExStra), eines dauerhaften Förderprogramms von Bund und Ländern. Sie soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildung und Kooperationen unterstützen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Zugleich geht es darum, Spitzenleistungen in der Forschung auszubilden und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt zu erhöhen.

Das Programm hat zwei Förderlinien. Exzellenzcluster unterstützen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten richtet sich auf die institutionelle Förderung von Universitäten und Universitätsverbünden, um deren internationale Spitzenstellung zu stärken. Die Förderung der Exzellenzuniversitäten basiert auf erfolgreichen Exzellenzclustern.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Seit 2019 erhielten zehn Universitäten und ein Universitätsverbund eine Förderung als Exzellenzstandorte. Am 2. Oktober 2026 wurden neue Exzellenzstandorte ausgewählt; welche Universitäten oder Universitätsverbünde dazugehören, nennt der bereitgestellte Text nicht.

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Wer prüft, wer entscheidet?

Für die Förderlinie Exzellenzcluster ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig. Der Wissenschaftsrat (WR) führt die Förderlinie Exzellenzuniversitäten durch. Dazu gehören die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbundes sowie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde.

Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und dem gesamten Disziplinenspektrum. Die Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen mit – unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft.

Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission ab. Es entscheidet auch, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten. Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen den Vorsitz.

Die Exzellenzkommission setzt sich aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder zusammen. Auf Grundlage der Empfehlungen des Committee of Experts entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.

Millionen und ein dichtes Verfahren

Das jährliche Gesamtbudget für beide Förderlinien beträgt derzeit 533 Millionen Euro und wird ab 2026 auf 687 Millionen Euro erhöht. Dass Gießen und Marburg trotz dieser wachsenden Fördersumme leer ausgehen, macht die Entscheidung für die beiden Hochschulen finanziell spürbar.

Gestaltet wird das Förderprogramm vom Committee of Experts, das die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) eingesetzt hat. Die Mitglieder werden der GWK gemeinsam vom DFG-Senat und der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats vorgeschlagen. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Wer die Verfahren und Förderlinien genauer nachlesen möchte, findet weitere Informationen auf www.exzellenzstrategie.de sowie auf den Webseiten der DFG, des Wissenschaftsrats und der GWK. Für Gießen bleibt der Blick unterdessen nach vorn gerichtet – auch wenn die erhoffte Auszeichnung und das damit verbundene Geld nun fehlen.