Nach 26 Kilo Gewichtsverlust: Sina Mackensen kämpft sich mit CrossFit zurück zur festen Nahrung
In Göttingen beginnt für Sina Mackensen nach zwölf Wochen mit Shakes eine neue, ziemlich heikle Etappe. Die 37-Jährige hat die erste Phase des Abnehmprogramms an der Universitätsmedizin Göttingen abgeschlossen und dabei 26 Kilogramm verloren. Drei Monate lang nahm sie ausschließlich flüssige Nahrung zu sich.
Hunger verspürt sie inzwischen nicht mehr. Auf feste Nahrung zu verzichten, fällt ihr nach eigener Aussage sogar leichter. Was fehlt, sind Energie, Kraft und Ausdauer. Sina Mackensen gehört zu den rund 17 Millionen Menschen in Deutschland mit Adipositas – und versucht trotzdem, sich ihren sportlichen Traum nicht nehmen zu lassen.
CrossFit mit angezogener Handbremse
Beim CrossFit merkt sie die Einschränkungen deutlich. Übungen, die Mobilität, Kraft und Ausdauer verbinden, schafft sie derzeit noch nicht in der Gruppe. Stattdessen trainiert sie individuell mit ihrer Trainerin Maike Schneider. Die Bewegungen werden kontrolliert ausgeführt, nicht bis zur Belastungsgrenze. Schneider korrigiert, lobt und motiviert.
Selbst ein langsamer Spaziergang über fünf Kilometer am Stück ist momentan zu viel. Trotzdem bleibt Sinas Ziel der „Wall Walk“: Dabei läuft man im Handstand mit den Händen bis zu einer Wand. Klingt nach einer Nummer für sehr fitte Leute – für Sina ist es ein Antrieb, auch wenn der Körper gerade ziemlich deutlich auf die Bremse steigt.
Aufgeben kommt für sie nicht infrage. Bewegung sei wichtig für ihre mentale Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Mobilität. Außerdem möchte sie andere Menschen mit höherem Körpergewicht für Sport gewinnen. Ihr Traum: einen passenden CrossFit-Kurs mitzuentwickeln, in dem unabhängig von Gewicht und Aussehen gemeinsam Bewegung und Freude zählen. Das Abnehmen soll dort nicht im Mittelpunkt stehen.
Kein Druck, kein Zwang
Auch die Bewegungstherapie der Göttinger Unimedizin setzt nicht auf Leistungs- oder Abnehmdruck. Die Teilnehmenden balancieren unter anderem auf einem Board, werfen Gymnastikbälle und spielen Federball. Es geht nicht um Rekorde. Eher darum, dass Bewegung wieder etwas wird, das in den Alltag passt und nicht schon beim Gedanken daran Stress auslöst.
Therapeutin Martina Trauschke sagt, Menschen mit höherem Gewicht hätten oft Angst, sich zu bewegen, oder fühlten sich dazu gedrängt. Deshalb lautet das Motto des Kurses: kein Druck und kein Zwang. Trauschke ist selbst adipös und sieht darin einen Vorteil für die Gruppe, weil sie als Vorbild dienen kann.
Bewegung soll wieder Spaß machen. Kontrolliertes Essen ebenfalls Teil des Alltags werden. Für Sina beginnt nun die schrittweise Rückkehr zu fester Nahrung. Zunächst ersetzt eine feste Mahlzeit pro Tag einen Shake. Innerhalb von zehn Wochen sollen die Shakes vollständig wegfallen. Danach steht das Halten des erreichten Gewichts im Mittelpunkt.
Gerade diese nächste Phase macht ihr Sorgen. Sina befürchtet, dass das Programm nicht funktioniert oder der Hunger zurückkommt. Laut Artikel geben in dieser Zeit die meisten Teilnehmenden auf. Nach drei Monaten ohne feste Nahrung ist der erste Bissen also nicht einfach nur ein Neustart, sondern auch eine Belastungsprobe.
Wenn Operationen nötig werden
Die Universitätsmedizin Göttingen behandelt Adipositas nicht nur mit Ernährungs- und Bewegungskonzepten. Für besondere Fälle gibt es auch operative Verfahren. Eine biliopankreatische Diversion ähnelt dem Roux-en-Y-Magenbypass, führt die Verdauungssekrete aber erst tief im Dünndarm wieder zu. Dadurch verkürzt sich die Resorptionsstrecke deutlich; Fett- und Nährstoffaufnahme werden stark reduziert. Mögliche Folgen sind Mangelernährung, starke Durchfälle und Fettstühle. Eingesetzt wird dieses Verfahren nur in besonderen Fällen und bei massivem Übergewicht.
Eine vereinfachte Variante ist die SADI-S-Operation mit Duodenal Switch. Nach der Bildung eines Schlauchmagens wird der Zwölffingerdarm hinter dem Magenpförtner durchtrennt und über eine Anastomose mit dem Dünndarm verbunden. Die Resorptionsstrecke verkürzt sich stark, entsprechend sinkt die Aufnahme von Fetten und anderen Nährstoffen. Der erhaltene Magenpförtner verhindert das Dumping-Syndrom weitgehend.
Beim relativ neuen SASI-Verfahren wird eine Schlauchmagenoperation mit einem Omega-Loop-Bypass kombiniert. Die Nahrungspassage durch den Zwölffingerdarm bleibt erhalten. Zum Einsatz kommen kann das Verfahren insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Schlauchmagen, wenn sich ein Diabetes mellitus nicht ausreichend verbessert.
Manchmal wird ein früherer Eingriff später verändert. Bei solchen Umwandlungsoperationen und Revisionseingriffen wird das bisherige Operationsverfahren gewechselt – ein „Switch“. Gründe können ein unzureichender Gewichtsverlust von weniger als 30 Prozent des Übergewichts sein, eine erneute Gewichtszunahme durch veränderte Ernährung oder Stoffwechsellage, Komplikationen wie Reflux oder eine zu geringe Verbesserung adipositasassoziierter Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus.
Häufig wird dabei ein ursprünglich rein restriktives Verfahren um eine malabsorptive Komponente ergänzt. Ein Beispiel ist die Umwandlung eines Schlauchmagens in einen Magenbypass. Bei Magenbypassoperationen kann die Resorptionsstrecke zusätzlich verkürzt werden. Welches Verfahren geeignet ist, wird individuell entschieden – so wie auch Sinas weiterer Weg nicht nach einer Schablone funktioniert, sondern Schritt für Schritt.
Quelle: NDR
Weitere Informationen: Universitätsmedizin Göttingen
