Die Faszination für Chemie und ihre nachhaltigen Anwendungen wird derzeit von der Universität Greifswald in den Mittelpunkt gerückt. Prof. Dr. Dr. h.c. Uwe T. Bornscheuer, ein führender Katalyse-Experte und Inhaber der Professur für Biotechnologie und Enzymkatalyse, hat kürzlich die prestigeträchtige Otto-Roelen-Medaille erhalten. Diese Auszeichnung würdigt seine herausragenden Beiträge zur Biokatalyse, einem Bereich, der nicht nur die Chemie revolutioniert, sondern auch bedeutende Auswirkungen auf die Umwelt hat. uni-greifswald.de berichtet, dass die Medaille im März 2026 während des 59. Jahrestreffens der Deutschen Katalytiker in Weimar verliehen wurde.

Die Otto-Roelen-Medaille, die seit 1997 alle zwei Jahre vergeben wird, ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Deutschen Gesellschaft für Katalyse (GeCatS) sowie der DECHEMA gestiftet. Diese Auszeichnung ehrt Bornscheuers Pionierarbeiten im Bereich der Identifizierung von Enzymen und dem Protein-Engineering, welches sowohl für die pharmazeutische als auch für die chemische Industrie von großer Bedeutung ist. idw-online.de

Innovative Ansätze in der Biokatalyse

Im Herzen von Bornscheuers Forschung steht die Nutzung natürlicher Werkzeuge, um chemische Reaktionen zu beschleunigen, ohne die Katalysatoren selbst zu verbrauchen. Diese als Biokatalyse bezeichnete Methode ist nicht nur umweltfreundlicher als traditionelle chemische Verfahren, sondern ermöglicht durch die Optimierung von Enzymen aus Bakterien und Pilzen auch innovative Anwendungen, wie den Abbau von Polyurethanen. Diese Technik könnte einen entscheidenden Beitrag zum Recycling von Kunststoffen leisten und die Abhängigkeit von Erdöl verringern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist die Herstellung komplexer Arzneimittel. Optimierte Biokatalysatoren werden zum Beispiel zur Entwicklung von Blutdrucksenkern eingesetzt. Bornscheuer und sein Team setzen modernste Methoden wie Molekulargenetik, Proteinbiochemie und Bioinformatik ein, um neue Enzyme zu entdecken und nutzbar zu machen. Dies führt nicht nur zur Schaffung neuer biologischer Produkte, sondern auch zur Entwicklung innovativer Hochdurchsatz-Screeningmethoden.

Um die Forschung transparenter und zugänglicher zu machen, hat die Universität Greifswald die Videoreihe „Wissen zum Greifen“ ins Leben gerufen. In dieser Serie werden wichtige Forschungsergebnisse vorgestellt, die sowohl gesellschaftliche als auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Das erste Video mit Prof. Bornscheuer ist bereits auf den Kanälen der Universität verfügbar und bietet spannende Einblicke in die Welt der Biokatalyse und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Chemie.

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Ein Leben für die Wissenschaft

Prof. Bornscheuers akademische Laufbahn ist beeindruckend. Nach seinem Studium der Chemie und seiner Promotion an der Universität Hannover begann er eine Forschungskarriere an der Universität Stuttgart und folgte 1999 einem Ruf an die Universität Greifswald. Neben seiner Professur ist Bornscheuer auch Mitgründer der Enzymicals AG, die sich auf Biotechnologie spezialisiert hat. Mit über 600 wissenschaftlichen Artikeln, mehr als 60 Patenten und zahlreichen Auszeichnungen hat er sich als führender Wissenschaftler etabliert. Besonders hervorzuheben sind seine Beiträge zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, bei der mehr als 80 Promovierte und zahlreiche Studierende betreut wurden.

Die Otto-Roelen-Medaille und die damit verbundene Anerkennung unterstreichen die Bedeutung von Bornscheuers Arbeiten im Bereich der Biokatalyse. Im Kontext der aktuellen Herausforderungen der Umwelt- und Ressourcenbewirtschaftung sind seine Forschungsergebnisse nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich hoch relevant.