Halle streitet über Schwarz-Rot-Gold beim Bürgerfest zur Deutschen Einheit
Am 3. Oktober fand das jährliche Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Halleschen Marktplatz statt. Die Stadt stellte dort unter dem Motto „Singen, spielen, verbunden sein“ ein umfangreiches öffentliches Programm auf die Beine.
Vor den Feierlichkeiten entwickelte sich allerdings eine Debatte über die optische und inhaltliche Gestaltung des Festes. Die CDU-Stadtratsfraktion in Halle bemängelte, dass Schwarz-Rot-Gold in der städtischen Werbung entweder fehlte oder kaum sichtbar war. Auch die Fraktion Hauptsache Halle/FDP schloss sich der Kritik an und richtete eine offizielle Anregung an die Stadtverwaltung.
Nationalfarben kaum zu erkennen
Nach Ansicht der CDU spielten die Farben der deutschen Nationalflagge in der Werbung keine erkennbare Rolle. Das Veranstaltungslogo erschien in Weiß, Gelb, Rot und Blau. Auf Flyern und Plakaten dominierten Gelb, Grün, Weiß und Blau. Die Kritik der Fraktion richtete sich ausdrücklich ausschließlich gegen die visuelle Gestaltung der städtischen Homepage, des Flyers, der Plakate und des Veranstaltungslogos – nicht gegen das Fest selbst.
Fraktionsvorsitzender Christoph Bernstiel forderte, Schwarz-Rot-Gold müsse bei der Werbung für den Nationalfeiertag sichtbar sein. Der 3. Oktober stehe für die deutsche Einheit, die Überwindung der Teilung, Recht, Freiheit und die freiheitliche Demokratie. Die Farben Schwarz-Rot-Gold sind nach Artikel 22 des Grundgesetzes als Farben der Bundesflagge festgelegt.
Bernstiel sprach sich außerdem dafür aus, Kindern und Jugendlichen die Werte zu vermitteln, für die die Nationalfarben stehen. Die CDU wünsche sich einen selbstverständlicheren Umgang mit ihnen und verwies auf die frühere Tradition, am 3. Oktober Deutschlandfahnen an Häusern, Balkonen oder Fenstern zu zeigen. Demokratischer Patriotismus und die Identifikation mit Deutschland seien für die gesellschaftliche Mitte wichtig.
„Nicht wie ein beliebiges Stadtfest“
Auch Andreas Wels, Fraktionsvorsitzender von Hauptsache Halle/FDP, erklärte, der 3. Oktober müsse eine besondere Stellung im Veranstaltungskalender einnehmen. Der Tag dürfe nicht wie ein beliebiges Stadtfest wirken. Die deutsche Einheit müsse auf dem Marktplatz auf den ersten Blick erkennbar sein; ein bunter Farbenmix passe nur schwer zum deutschen Nationalfeiertag.
Für künftige Feiern fordert die Fraktion deshalb eine stärkere Ausrichtung am Charakter des Wiedervereinigungstages und einen würdevolleren Rahmen. Schwarz-Rot-Gold solle bei der Gestaltung des Festes und in der Kommunikation deutlich stärker präsent sein – insbesondere auf Flyern, Plakaten, im offiziellen Veranstaltungslogo und auf der städtischen Internetseite.
Die CDU-Stadtratsfraktion begrüßte ausdrücklich, dass die Stadt den 3. Oktober mit einem Fest auf dem Marktplatz begeht. Gestritten wurde also nicht über das Bürgerfest an sich, sondern über dessen sichtbares Erscheinungsbild: Welche Farben am Rand der Veranstaltung stehen, kann eben schnell zur politischen Frage werden.
Für Studierende und Hochschulangehörige an der Uni Halle liegt der Marktplatz nur ein paar Schritte vom Campusleben entfernt. Zwischen Seminaren, Bibliothek und Straßenbahn taucht der Nationalfeiertag damit nicht irgendwo im Hintergrund auf, sondern mitten in der Stadt – mit Musik, Programm und einer Debatte darüber, wie Deutschland an diesem Tag aussehen soll.
