Am Rossio-Platz in Lissabon hat die portugiesische Polizei im Morgengrauen ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise geräumt. Dutzende Zelte wurden beschlagnahmt, 55 Menschen festgenommen. Die Aktivistinnen und Aktivisten hatten sich zu einer Menschenkette zusammengestellt, um den Einsatz zu verzögern.

Nach Aufnahmen lokaler Fernsehsender kam es dabei zu Zusammenstößen. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Die Polizei erklärte, ihr Vorgehen sei gerechtfertigt gewesen, weil einige Demonstranten den Platz nicht verlassen hätten. Zugleich teilte sie mit, die Gewalt auf das notwendige Minimum beschränkt zu haben.

228 Zeltstrukturen beschlagnahmt

Die Festgenommenen wurden auf Polizeireviere gebracht und sollen der zuständigen Justizbehörde vorgeführt werden. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 228 Zeltstrukturen beschlagnahmt. Für die Menschen im Camp war der Einsatz damit aber offenbar nicht das Ende: Die Aktivisten kündigten an, den Protest fortzusetzen und sich noch am selben Tag erneut auf dem Rossio-Platz zu versammeln.

Der Druck auf dem portugiesischen Wohnungsmarkt ist enorm. Offiziellen Angaben zufolge sind die Mieten innerhalb von zehn Jahren um 124 Prozent gestiegen – etwa doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. Besonders junge Menschen und Bewohner Lissabons bekommen das zu spüren. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird für viele zur Geduldsprobe, während sich die Stadt auf den Straßen gegen die Entwicklung wehrt.

Auch Proteste in Porto

Proteste und ein Protestcamp gab es auch in der nordportugiesischen Stadt Porto. Dort räumten die Demonstranten ihr Lager am Dienstag selbst, nachdem eine polizeiliche Räumung angekündigt worden war. Nach dem Eintreffen der Polizei packten sie laut ihrem Anwalt Tiago Machado ihre Sachen zusammen.

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In Lissabon blieb es dagegen zunächst bei der Auseinandersetzung zwischen Menschenkette und Räumungstrupp. Der Rossio-Platz, sonst ein belebter Treffpunkt mitten in der Stadt, wurde zum Schauplatz eines Konflikts, der für viele nicht mit dem Abtransport der Zelte erledigt ist. Heute, am 21.10.2026, richtet sich der Blick deshalb wieder dorthin – auch von der Uni Halle aus: auf die Frage, wie lange Protestcamps verschwinden können, wenn das Problem, gegen das sie sich richten, bleibt.