Die Universität Hamburg steckt mitten in einem harten Sparkurs – und jetzt trifft es auch die Informatik. Der Bachelorstudiengang Software-System-Entwicklung soll vollständig eingestellt werden. Der zuständige Fakultätsrat hat laut NDR bereits einen sofortigen Zulassungsstopp beschlossen, die Zustimmung des Universitätspräsidiums steht allerdings noch aus.

Auch in der Wirtschaftsinformatik wird gekürzt: Zum Wintersemester 2027/28 sollen weder im Bachelor- noch im Masterstudiengang neue Studierende aufgenommen werden. Ob die beiden Studiengänge dauerhaft verschwinden, ist derzeit offen. Die Studierendeninitiative „Bits gegen Cuts“ erklärt dagegen, die Bachelorstudiengänge Wirtschaftsinformatik sowie Software-System-Entwicklung sollten ab dem kommenden Jahr nicht mehr angeboten werden. Die Universität widerspricht teilweise: Eine vollständige Einstellung der Wirtschaftsinformatik sei aktuell nicht geplant, die beteiligten Fakultäten berieten noch über die künftige Ausgestaltung. Für Software-System-Entwicklung liege kein Einstellungsbeschluss vor.

Weniger Plätze trotz Ausbau der Informatik

Der reguläre Bachelorstudiengang Informatik bleibt bestehen. Wesentliche Inhalte der Software-System-Entwicklung wurden dort integriert, außerdem soll das Angebot um 53 Studienplätze wachsen. Das klingt zunächst nach einem kleinen Gegengewicht, reicht aber nicht aus: Im akademischen Jahr 2027/28 fallen durch die Einschnitte bei Software-System-Entwicklung und Wirtschaftsinformatik 113 Bachelorstudienplätze weg. Unter dem Strich bleiben damit 60 Plätze weniger.

Bis 2028 will die UHH die Zahl ihrer Studienanfängerplätze von knapp 9.500 auf gut 8.800 senken – ein Minus von 675 Plätzen. Grund sei das künftig geringere Lehrpersonal. Frei werdende Stellen in Wissenschaft und Verwaltung werden bereits vielfach nicht nachbesetzt. In einzelnen Fakultäten könnten Lehrveranstaltungen dadurch voller werden, Tutorien wegfallen und ergänzende Angebote dünner werden. Auch der Zugang zu den Fachbibliotheken für Sozial-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften wurde aus Kostengründen reduziert.

Für den Lehramts-Aufbaustudiengang Pflege- und Therapiewissenschaft gilt bereits ein Zulassungsstopp, weil derzeit die Finanzierung für eine Fortsetzung fehlt. Beschaffungen, Dienstreisen, Fortbildungen und Lizenzen werden ebenfalls eingeschränkt. Wer an der Uni Hamburg studiert, kennt solche Nachrichten inzwischen vermutlich nicht mehr nur aus dem Newsletter, sondern aus dem eigenen Stundenplan.

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22 Millionen Euro fehlen

Die Universität nennt ein strukturelles Defizit von rund 22 Millionen Euro. Personal-, Energie- und IT-Kosten seien stärker gestiegen als erwartet. Für 2026 gelten deshalb Sparziele von 4,5 Prozent für die Fakultäten und fünf Prozent für die zentrale Verwaltung – jeweils bezogen auf die Landesmittel.

Rund 43.000 Studierende sind derzeit an der Universität Hamburg eingeschrieben; der NDR spricht von mehr als 43.000. Mögliche Folgen der Einschnitte sind größere Lerngruppen, weniger Tutorien sowie eingeschränkte Bibliotheksöffnungszeiten. Die Hochschulen warnen zudem vor größeren Seminaren, zeitweise geschlossenen Bibliotheken und Laboren sowie dauerhaften Personallücken in Wissenschaft und Verwaltung.

Für zusätzlichen Ärger sorgt ein zeitlicher Widerspruch: Noch Mitte Oktober hatte die Universität erklärt, wegen der Sparmaßnahmen seien keine Studiengangschließungen geplant. Auch gegenüber dem NDR betont die UHH derzeit, sie plane keine vollständige Schließung von Studiengängen. Gleichzeitig stehen in der Informatik Zulassungsstopps und konkrete Kürzungen im Raum.

Hamburgs Hochschulen unter Druck

Der Hamburger Senat plant weitere Sparmaßnahmen im Hochschulbereich. Die Grundfinanzierung der Hochschulen soll von 2027 bis 2030 real eingefroren werden. Nach Angaben der zuständigen Behörde muss die Wissenschaft im kommenden Haushalt weniger ausgeben. Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) sagt, sie nehme die Sorgen der Hochschulen ernst und stehe mit ihnen im Austausch. Zugleich verweist sie auf die Verantwortung für den gesamten städtischen Haushalt und kündigt Priorisierungen an.

Nach Blumenthals Darstellung soll nicht nach dem „Rasenmäherprinzip“ gekürzt werden. Die neuen Zukunftsverträge böten eine verlässliche Grundlage, die Globalbudgets – also die Grundfinanzierung – sollten um zwei Prozent steigen. Die Hochschulen halten dagegen: Dieser Anstieg gleiche die tatsächlichen Kostensteigerungen bei weitem nicht aus. Ute Lohrentz, Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz und Präsidentin der HAW, fordert attraktive Studien- und Forschungsbedingungen, damit Fachkräfte ausgebildet werden können und Hamburg wettbewerbsfähig bleibt.

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg soll mindestens 660 Studienplätze abbauen. Ab 2028 sollen jährlich mindestens 220 Plätze wegfallen. Die HAW hat fast 17.000 Studierende. Lohrentz warnt vor Verzögerungen bei Projekten und verschobenen Investitionen. Nach Einschätzung des Präsidiums sind Studiengänge und Kooperationen zur städtischen Daseinsvorsorge gefährdet, darunter Hebammenwissenschaften, Pflegewissenschaften und Kooperationen mit der Feuerwehr. Die konkreten Auswirkungen sollen noch geprüft werden.

Anders ist die Lage an der Technischen Universität Hamburg: Für 2027 bezeichnet die TUHH ihre finanzielle Situation als stabil. Allerdings laufen im kommenden Jahr die Finanzierungen einzelner Maßnahmen und Programme aus. Der Senat hat eine Liste von Leistungen übermittelt, die künftig nicht mehr finanziert werden sollen. Dazu gehören Einschnitte bei der Gründungsförderung. Forschenden, die Start-ups gründen wollen, könnten dadurch weniger subventionierte Flächen zur Verfügung stehen. Ohne Ausgleich für steigende Kosten und höhere Gehälter sieht die TUHH ihre Leistungsfähigkeit gefährdet.

Studiengänge, Stellen und Sondermittel

An der HafenCity Universität soll der Senat die Grundfinanzierung 2028 um 12 Millionen Euro kürzen. Begründet wird das mit hohen Rücklagen der Universität, die in den laufenden Betrieb fließen sollen. Universitätsmitglieder protestierten in einem Brandbrief an den Wissenschaftsausschuss. Laufende und geplante Berufungsverfahren mussten demnach abgebrochen werden. Rund ein Fünftel der Stellen soll entfallen, etwa 65 Beschäftigte in Wissenschaft und Verwaltung wären betroffen.

Auch der Studiengang „Technische Gebäudeausrüstung mit digitaler Infrastruktur“ soll eingestellt werden. Damit würden 60 Studienplätze und vier Professuren wegfallen. Die Universitätsmitglieder erwarten außerdem einen erheblichen Reputationsverlust.

Bei der Hochschule für Musik und Theater Hamburg fallen zusätzlich zu den Senatskürzungen Sondermittel für spezifische Projekte weg. Das sorgt laut HFMT für mehr Planungsunsicherheit und weniger Spielraum bei neuen Vorhaben. Frei werdende Stellen könnten möglicherweise nicht gleichwertig nachbesetzt werden; denkbar seien geringere Stellenumfänge oder kostengünstigere Personalkategorien. Die Hochschule warnt vor kurzfristigen Folgen für Lehre und Ausbildung sowie mittelbaren Auswirkungen auf internationale Reputation und nationale Wettbewerbsfähigkeit.

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg hat bereits einen Einstellungsstopp umgesetzt. Frei werdende oder auslaufende Stellen können grundsätzlich nicht nachbesetzt werden. Im Bachelorstudiengang Bildende Künste soll die Zahl der Studienplätze 2029 von 106 auf 84 sinken. Laut HFBK wirken sich die Einsparungen unmittelbar auf Lehre und Forschung aus. Eingeschränkt werden außerdem internationale Austauschmöglichkeiten und Kooperationen, der Ausbau der Promotionsstrukturen, die künstlerische Forschung sowie die geplante Entwicklung des Studienbereichs Literarisches Schreiben. Die HFBK sieht ihre internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Nicht betroffen von den angekündigten Einsparungen ist die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg. Als Universität des Bundes wird sie nicht aus dem Hamburger Hochschulhaushalt finanziert.

Der übermittelte DGB-Hochschulreport liefert für eine weitergehende Einordnung keine auslesbaren inhaltlichen Aussagen: Die PDF-Datei enthält ausschließlich Struktur- und komprimierte Binärdaten, ein Nachrichtenartikel ist daraus nicht lesbar. An der Universität Hamburg bleiben derweil die Fragen nach Zulassungsstopp, Präsidiumszustimmung und der künftigen Gestalt der Wirtschaftsinformatik offen – während die nächsten Einsparrunden längst vorbereitet werden.