Sparpläne setzen Hamburgs Hochschulen unter Druck: HCU droht eine Finanzierungslücke von zwölf Millionen Euro
Heute, am 30.09.2026, wächst an der Uni Hamburg und darüber hinaus der Unmut über die Sparvorgaben für Hamburgs Hochschulen. Besonders hart trifft es die HafenCity Universität (HCU): Ihr Budget soll im kommenden Jahr einmalig von rund 26 Millionen Euro um 12 Millionen Euro sinken. Die auf Baukunst und Metropolenentwicklung spezialisierte Hochschule steht damit vor einer ziemlich großen Lücke.
Im Wissenschaftsausschuss wollten die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen zunächst verhindern, dass Hochschulbeschäftigte zu den geplanten Einsparungen angehört werden. Schließlich durften Studierende und Professor:innen mehrerer Hamburger Hochschulen doch berichten, was aus ihrer Sicht droht. Die Universität Hamburg und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) haben bereits die Schließung einzelner Studiengänge angekündigt. An der HCU könnten ebenfalls Fächer wegfallen. Dazu kommen unbesetzte Stellen, auslaufende Weiterbeschäftigungen und fehlende Mittel für notwendige Mietflächen zum Studieren und Forschen.
Streit um Rücklagen und Räume
Die von Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) geführte Behörde hält an der Kürzung fest. Ihre Begründung: Die HCU habe in den vergangenen Jahren erhebliche Rücklagen gebildet, die zunächst eingesetzt werden sollten. Im kürzlich vorgelegten Doppelhaushalt sind für den Wissenschaftsbereich zwar keine direkten Kürzungen vorgesehen. Kostensteigerungen, unter anderem durch höhere Löhne, werden aber nicht mehr vollständig berücksichtigt. Erstmals seit mehreren Jahren wurden alle Hamburger Behörden aufgefordert, zur Haushaltskonsolidierung beizutragen.
Blumenthal erklärte, sie setze auf Priorisierung und lehne Kürzungen nach dem „Rasenmäherprinzip“ ab. Mehrere HCU-Gremien weisen jedoch die Darstellung zurück, die Universität verfüge über frei verfügbare Rücklagen. Die vorhandenen rund 37 Millionen Euro seien zweckgebunden, unter anderem für die Anmietung zusätzlicher Flächen.
Das ist kein nebensächliches Detail: Das HCU-Gebäude in der HafenCity ist für rund 2.400 Studierende und etwa 400 Beschäftigte zu klein. In einem offenen Brief warnen 19 HCU-Professor:innen deshalb, die Kürzungen bedrohten unmittelbar die Zukunftsfähigkeit und Qualität der Universität sowie ihre Bedeutung für Hamburg. Die Rücklagen für zusätzliche Flächen seien auf Vorgabe der Wissenschaftsbehörde gebildet worden. Würden sie nun für den kommenden Haushalt verwendet, entstünde ab dem Folgejahr eine große Finanzierungslücke – oder die Anmietung benötigter Flächen müsste beendet werden. Dann würden Seminare, Arbeitsplätze und Forschung buchstäblich eng.
Nach Angaben der Professor:innen droht bereits ein Stellenabbau von rund 20 Prozent. Sie fordern, die geplante Kürzung des HCU-Globalhaushalts 2028 vorübergehend um mindestens die Hälfte zurückzunehmen. Andernfalls befürchten sie irreversible Schäden für die HCU und den Wissenschaftsstandort Hamburg.
HCU prüft rechtliche Schritte
HCU-Präsident Jörg Müller-Lietzkow kündigte bei ausbleibendem Entgegenkommen der Behörde rechtliche Schritte an. Die Universität habe bereits mehrere Kompromissvorschläge gemacht, die Behörde sei darauf nicht eingegangen. Müller-Lietzkow erklärte, die HCU werde sich mit Anwälten beraten und gegebenenfalls klagen.
Neben der Höhe stellt die Universität auch die Rechtmäßigkeit der Kürzung infrage. Sie habe bereits seit 2024 nur einen Teil der eigentlich vereinbarten Finanzierung erhalten. Für die Hochschule geht es also nicht nur um einen einzelnen Haushaltsposten, sondern um die Frage, ob Zusagen noch tragen, wenn es finanziell ungemütlich wird.
NRW als weiterer Brennpunkt
Wie angespannt die Lage an Hochschulen auch andernorts ist, zeigt Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung plant ab 2026 Kürzungen bei der Grundfinanzierung der Universitäten und Hochschulen. Nach Angaben der Studierendenvertretung könnten bis zu 255 Millionen Euro wegfallen, zusätzlich könnten rund 240 Millionen Euro aus Hochschulrücklagen entnommen werden. Die genaue Höhe ist noch offen; voraussichtlich geht es um mehr als 100 Millionen Euro.
Hintergrund ist eine Empfehlung des Landesrechnungshofs zur Haushaltskonsolidierung. Die Landesregierung verweist auf die angespannte Haushaltslage, eine seit drei Jahren andauernde Rezession und sinkende Studierendenzahlen. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft erklärt, auch die Hochschulen müssten zur Konsolidierung des Landeshaushalts beitragen. Pikant dabei: Im Haushaltsentwurf 2026 bezeichnet die schwarz-grüne Landesregierung Bildung zugleich als Priorität.
Studierende und Beschäftigte protestierten an mehreren Hochschulen. Das Landes-ASten-Treffen NRW warnt, feste Kosten für Mieten und Energie blieben bestehen. Gespart werden müsse deshalb vor allem beim Personal und beim Lehrangebot. Die Universität zu Köln kalkuliert für 2026 mit zehn Millionen Euro weniger. Die Hochschule Düsseldorf erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“, möglicherweise bis zu 15 Professuren streichen zu müssen. An der Universität Bielefeld wurden Tutorien gestrichen; Studierende protestierten dagegen.
Die SPD im NRW-Landtag kritisiert die Pläne. Ihr wissenschaftspolitischer Sprecher Bastian Hartmann warnt vor negativen Folgen für Hochschulen, Beschäftigte und Studierende. Einsparungen bei Gebäuden und Infrastruktur könnten laut SPD nicht ausreichen; besonders gefährdet seien befristet beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zugleich verweist die Partei darauf, dass NRW bereits heute bundesweit das ungünstigste Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden habe.
Auch die FDP lehnt die Kürzungen ab. Ihre wissenschaftspolitische Sprecherin Angela Freimuth fordert eine ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen. Die Maßnahmen sind bislang nur geplant und werden noch verhandelt. Der Wissenschaftsausschuss des NRW-Landtags sollte sich Ende Oktober 2025 im Rahmen einer Anhörung erneut damit befassen; eine endgültige Entscheidung über den Umfang der Kürzungen sollte im Herbst 2025 fallen.
