Gisela Marx: Von der Kölner Studentenzeitung zur prägenden Fernsehproduzentin
Gisela Marx ist tot. Die WDR-Journalistin und TV-Produzentin starb im Alter von 84 Jahren, am Sonntagmorgen in Köln nach längerer Krankheit. Das bestätigte die Produktionsfirma Filmpool Entertainment dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Marx wurde am 26. Mai 1942 in Nümbrecht im Oberbergischen Kreis geboren. Sie studierte Geschichte, Romanistik und Philosophie an der Universität zu Köln. Von 1964 bis 1965 war sie Chefredakteurin der Kölner Studentenzeitung „Perspektiven“ – ein früher Schritt in eine Laufbahn, die sie später weit über den Campus hinausführen sollte.
Vom WDR-Mikrofon ins Fernsehen
Ab 1967 arbeitete Marx als freie Autorin und Moderatorin für verschiedene Rundfunk- und Fernsehanstalten. Ende der 1960er-Jahre prägte sie das WDR-Programm mit. Von 1967 bis 1999 moderierte sie das Morgenmagazin auf WDR 2, darunter gemeinsam mit Manfred Breuckmann, Claus Stürznickel und Reinhard Münchenhagen das „WDR 2 Morgenmagazin“. Von 1995 bis 1999 leitete sie außerdem das „Mittagsmagazin“ auf WDR 2.
Zu den WDR-Produktionen, an denen sie beteiligt war, gehörten „Euro-Show“, „Treffpunkt Dritte Welt“, „Auslandsshow“, „Auslandsstudio“ und „Drei vor Mitternacht“. Die WDR-Talkshow moderierte sie gemeinsam mit Wibke Bruhns. In den 1980er Jahren stand Marx zudem an der Seite von Wolfgang Menge für die SFB-Fernsehtalkshow „Leute“ vor der Kamera.
Marx verfasste zahlreiche Fernsehdokumentationen über Entwicklungspolitik und führte dabei auch Regie. Sie entwickelte Konzepte, übernahm dramaturgische Bearbeitungen, drehte Wahlkampfspots für die SPD und bot Medientrainings an. Auch als Schauspielerin trat sie auf: 1970 spielte sie in Wolfgang Menges Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ eine Außenreporterin; bereits 1969 hatte sie dort eine Reporterin gespielt. 1973 verkörperte sie in Menges und Wolfgang Petersens Film „Smog“ eine Studioreporterin.
Filmpool und der Aufstieg der Gerichtsshows
1974 gründete Marx die Filmpool Film- und Fernsehproduktion, später Filmpool Entertainment. Bis 2004 war sie geschäftsführende Gesellschafterin. Zu den frühen Produktionen gehörte eine Darstellung des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit unter der damaligen Ministerin Katharina Focke. Vor allem in den 1990er-Jahren produzierte das Unternehmen neue Fernsehformate.
Zu Marx’ größten Erfolgen als Produzentin gehörte „Richterin Barbara Salesch“ im Sat.1-Nachmittagsprogramm. Die Sendung begann als Gerichtsshow mit echten Fällen und wurde später zu einem Format mit Laiendarstellern und frei erfundenen Strafprozessen. 2002 erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste tägliche Sendung“ und wurde für die „Goldene Henne“ nominiert. Ihr Erfolg führte zu weiteren Gerichtsshows wie „Das Jugendgericht“ und „Das Familiengericht“ bei RTL.
Filmpool betreute außerdem die Pseudo-Doku-Show „Kallwass greift ein!“ – bei der die Moderatorin zwischen Laiendarstellern mit erfundenen Beziehungsproblemen vermittelte –, „Niedrig und Kuhnt“ sowie die Sat.1-Formate „Zwei bei Kalwass“ und die RTL-Fiction-Serie „Die Sitte“. In „Niedrig und Kuhnt“ lösten zwei echte Kriminalbeamte fiktive Fälle. Scripted Reality, damals noch ein neues und ziemlich eigenwilliges Fernsehmodell, bekam damit einen festen Platz im Nachmittagsprogramm.
Späte Jahre zwischen Medien und Engagement
Nach der Übernahme von Filmpool durch die MME Moviement AG im Jahr 2004 gehörte Marx bis 2009 dem Vorstand an und war anschließend beratend für das Unternehmen tätig. Filmpool-Geschäftsführer Felix Wesseler würdigte sie als prägende Persönlichkeit, die die Grundlage für den späteren Erfolg des Unternehmens geschaffen habe.
Neben ihrer Medienarbeit engagierte sich Marx auch außerhalb des Fernsehens. Von 2000 bis 2008 war sie ehrenamtliche Handelsrichterin am Landgericht Köln. Von 2003 bis 2004 war sie stellvertretende Juryvorsitzende des Deutschen Fernsehpreises. Für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement erhielt sie 2003 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Marx gehörte außerdem zu den Erstunterzeichnerinnen eines offenen Briefs an Bundeskanzler Olaf Scholz, der am 29. April 2022 in der Zeitschrift „Emma“ veröffentlicht wurde. Der Brief sprach sich für Diplomatie und Verhandlungen sowie gegen weitere „eskalierende Waffenlieferungen“ an die Ukraine nach dem russischen Überfall aus.
Gisela Marx starb spätestens am 25. Oktober 2026. Heute, am 27. Oktober 2026, bleibt an der Uni Köln und weit darüber hinaus die Erinnerung an eine Frau, die Radio, Dokumentarfilm, Talkshow und Nachmittagsfernsehen gleichermaßen geprägt hat – manchmal mit dem Mikrofon in der Hand, manchmal hinter der Kamera und oft beides zugleich.
Quelle: WDR
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