PISA 2025: Wie Schulen zwischen Leistungsdruck, KI und Bildungsgerechtigkeit zukunftsfähig werden sollen
Die Schule soll gute PISA-Ergebnisse liefern, junge Menschen auf eine Arbeitswelt mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz vorbereiten – und dabei bloß nicht ihre humanistischen Bildungsideale verlieren. Wie das zusammengehen kann, diskutiert das Internationale Centrum für Begabungsforschung der Universität Münster am Donnerstag, 8. Oktober 2026, ab 16:30 Uhr.
Die öffentliche Veranstaltung trägt den Titel „Fit for future – Reformbedarfe in Bildungssystem und Schule aus Sicht der Wirtschaft“. Sie findet digital über Zoom statt, die Teilnahme ist kostenlos und ohne genannte Zugangsbeschränkung möglich. Der Zugangslink lautet https://uni-ms.zoom-x.de/j/63364999854.
Zwischen PISA-Druck und humanistischer Bildung
Auf dem Podium sitzen Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, und Dr. Torsten Habbel, Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck. Gesprochen wird über die Anforderungen von Unternehmen an Schulabgängerinnen und Schulabgänger, über die Folgen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz für den Unterricht und über Kompetenzen, mit denen Schulen junge Menschen auf ihre Zukunft vorbereiten können.
Der Anlass für die Debatte liegt auf der Hand: PISA 2025 wurde am 8. September 2026 veröffentlicht. Untersucht wurden die Kompetenzen 15-Jähriger in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen. In Deutschland machten rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen aller weiterführenden Schularten mit. Die Ergebnisse sanken gegenüber 2022 in allen drei Bereichen – in Naturwissenschaften allerdings statistisch nicht signifikant.
In Mathematik erreichte Deutschland 464 Punkte, elf weniger als 2022. Im Lesen waren es 465 Punkte, ein Minus von 15; in den Naturwissenschaften 486 Punkte, sechs weniger als zuvor. Damit lagen die deutschen Werte in allen drei Bereichen so niedrig wie noch nie bei PISA. Nach Punktwerten bedeutete das Rang 23 in Naturwissenschaften, Rang 24 im Lesen und Rang 25 in Mathematik, gemeinsam mit Schweden.
Die vier chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang sowie Singapur erzielten in allen drei Bereichen die höchsten Werte. Ebenfalls leistungsstark waren Macau, Taiwan, Japan, Estland, Korea und das Vereinigte Königreich. Auch im OECD-Durchschnitt ging es bergab: minus neun Punkte in Mathematik, minus 14 im Lesen und minus drei in Naturwissenschaften gegenüber 2022.
Wer kommt mit – und wer bleibt zurück?
Rund ein Drittel der Jugendlichen verfehlte in Mathematik und Lesen die Kompetenzstufe 2, das von der OECD definierte Mindestniveau. Nur etwa 7 bis 9 Prozent erreichten in diesen Bereichen die Kompetenzstufen 5 oder 6. In den Naturwissenschaften schafften 73 Prozent mindestens Stufe 2, 27 Prozent blieben darunter. Im OECD-Durchschnitt waren es 26 Prozent. Seit 2015 stieg der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher in Deutschland um zehn Prozentpunkte.
Der Unterschied zwischen Schularten ist deutlich: An Gymnasien verfehlten in Naturwissenschaften 3 Prozent die Stufe 2, an nicht gymnasialen Schularten 37 Prozent. Neun Prozent erreichten die Stufen 5 oder 6; im OECD-Durchschnitt waren es 7 Prozent. Leistungsstarke Jugendliche können naturwissenschaftliches Wissen selbstständig und kreativ auf unbekannte Situationen anwenden.
In Mathematik erreichten 66 Prozent mindestens Kompetenzstufe 2, 34 Prozent blieben darunter. Der OECD-Durchschnitt lag bei 35 Prozent unter dem Mindestniveau. Der Anteil der Leistungsschwachen stieg gegenüber 2022 von 30 auf 34 Prozent und seit 2015 um 17 Prozentpunkte. An Gymnasien verfehlten 6 Prozent die Stufe 2, an nicht gymnasialen Schularten 47 Prozent. Acht Prozent kamen auf Stufe 5 oder 6, 2022 waren es noch 9 Prozent. Diese Jugendlichen können komplexe Situationen mathematisch modellieren und passende Lösungsstrategien auswählen.
Beim Lesen erreichten 68 Prozent mindestens Stufe 2, 32 Prozent verfehlten das Mindestniveau. Im OECD-Durchschnitt lagen 31 Prozent darunter. Der Anteil der Leistungsschwachen stieg von 25 Prozent im Jahr 2022 und seit 2015 um 15 Prozentpunkte. An Gymnasien verfehlten 5 Prozent die Stufe 2, an nicht gymnasialen Schularten 43 Prozent. Sieben Prozent erreichten mindestens Stufe 5, im OECD-Durchschnitt waren es 6 Prozent. Jugendliche unterhalb der Stufe 2 haben Schwierigkeiten, Texte sinnentnehmend zu lesen.
Auch die soziale Herkunft schlägt durch. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung ist in Deutschland stärker als im OECD-Durchschnitt. Jugendliche aus dem sozioökonomisch begünstigten obersten Viertel erzielten in Naturwissenschaften durchschnittlich 125 Punkte mehr als Jugendliche aus dem untersten Viertel. Im OECD-Durchschnitt betrug der Abstand 85 Punkte. Zwischen 2015 und 2025 wuchs die Leistungslücke in Deutschland, während sie im OECD-Durchschnitt kleiner wurde. Die Leistungen benachteiligter Jugendlicher sanken, jene der begünstigten Gruppe blieben stabil. Der sozioökonomische Status erklärt hierzulande 19 Prozent der Leistungsunterschiede, im OECD-Durchschnitt 12 Prozent.
29 Prozent der 15-Jährigen hatten nach der PISA-Definition einen Zuwanderungshintergrund. In den Naturwissenschaften erreichten Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund durchschnittlich 521 Punkte, Angehörige der zweiten Generation 463 Punkte, Jugendliche mit Zuzug vor dem 11. Lebensjahr 423 Punkte und jene mit Zuzug ab dem 11. Lebensjahr 392 Punkte. Der Abstand zur Gruppe ohne Zuwanderungshintergrund betrug bei spätem Zuzug 129 Punkte. Wurden soziale Herkunft, Geschlecht und Familiensprache berücksichtigt, schrumpften die Abstände auf 18 Punkte bei der zweiten Generation, 32 Punkte bei frühem Zuzug und 67 Punkte bei spätem Zuzug.
Digitale Geräte, KI und ein ziemlich voller Schulalltag
Bei den Geschlechtern zeigt sich ein gemischtes Bild. In den Naturwissenschaften erzielten Jungen durchschnittlich 487 Punkte, Mädchen 484. In Mathematik lagen Jungen mit 469 Punkten elf Punkte vor Mädchen. Beim Lesen kamen Mädchen auf 478 Punkte, Jungen auf 453 – ein Vorteil von 25 Punkten für die Mädchen. Im OECD-Durchschnitt betrug der Unterschied 30 Punkte zugunsten der Mädchen im Lesen und 13 Punkte zugunsten der Jungen in Mathematik.
Neugierig sind viele weiterhin: 77 Prozent der Jugendlichen bezeichneten sich so, gegenüber 73 Prozent im OECD-Durchschnitt. 64 Prozent sagten, sie strengten sich bei schwierigen Aufgaben besonders an; im OECD-Durchschnitt waren es 60 Prozent. Gleichzeitig stimmten 33 Prozent der Aussage zu, Schule sei Zeitverschwendung. Der OECD-Durchschnitt lag bei 24 Prozent, und seit 2022 stieg dieser Anteil um vier Prozentpunkte. Der Anteil jener, die sich bei schwierigen Aufgaben besonders anstrengen, sank im selben Zeitraum um knapp acht Prozentpunkte.
An einem Schultag nutzten Jugendliche digitale Geräte durchschnittlich 1,7 Stunden zum Lernen – genau so viel wie im OECD-Durchschnitt. Für Freizeitaktivitäten in der Schule waren es 0,8 Stunden, gegenüber 1,1 Stunden im OECD-Durchschnitt. 33 Prozent berichteten, dass Mitschülerinnen und Mitschüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte abgelenkt würden; im OECD-Durchschnitt waren es 28 Prozent. Wer von solcher Ablenkung berichtete, erzielte in Naturwissenschaften durchschnittlich 8 Punkte weniger.
An Schulen mit Handyverbot war die Wahrscheinlichkeit für berichtete digitale Ablenkung um rund 22 Prozent geringer. 64 Prozent der Jugendlichen besuchten eine Schule mit Handyverbot, im OECD-Durchschnitt waren es 49 Prozent. Und dann ist da noch die künstliche Intelligenz: Die Hälfte nutzte mindestens wöchentlich KI-Chatbots zur Unterstützung beim Lernen. Jeweils 36 Prozent setzten KI zum Zusammenfassen von Texten beziehungsweise zum Entwerfen von Hausaufgaben ein.
Auch Mobbing gehört zum Schulalltag. 31 Prozent berichteten, mindestens einige Male monatlich von mindestens einer Form von Mobbing betroffen zu sein; im OECD-Durchschnitt waren es 20 Prozent. Fünf Prozent gaben an, dass in den zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens einige Male monatlich gegen ihren Willen verärgernde Informationen über sie im Internet veröffentlicht worden seien. International lag dieser Anteil bei 3 Prozent. Jugendliche, die von Cybermobbing betroffen waren, erzielten in Naturwissenschaften durchschnittlich 37 Punkte
