US-Midterms 2026: Wird die Kongresswahl zur Abrechnung mit Trump?
Die US-Amerikaner haben am 3. November 2026 über die künftige Zusammensetzung des Kongresses abgestimmt. Bei diesen Midterms wurden Sitze und Mehrheiten im Kongress sowie Abgeordnete und Senatoren bestimmt. Für Präsident Donald Trump war die Wahl dabei mehr als ein routinemäßiger Zwischenstand: Er forderte seine Anhänger auf, sich vorzustellen, er selbst stehe auf dem Stimmzettel. Damit machte Trump die Abstimmung zu einem Referendum über seine zweite Amtszeit.
Im Zentrum steht nun die Frage, ob die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verlieren – und ob die Wahl zur Abrechnung mit Trump wird. Gerade an einem Campus wie der Universität Passau lohnt sich der Blick über den Atlantik: In Washington können sich Mehrheiten verschieben, während politische Debatten oft weit über die USA hinaus nachhallen.
Gespräch über Amerikas politische Kräfteverschiebung
Mit den Folgen der Zwischenwahlen beschäftigt sich das Gespräch „Forum Amerika nach den Midterms – Schwindet Trumps Macht?“. Geführt wurde es von Michael Risel. Zu Wort kommen Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler, Privatdozentin für Amerika-Studien an der Universität St. Gallen, Christoph von Marschall, politischer Korrespondent der Chefredaktion des „Tagesspiegel“, und Jörg Wimalasena, freier Journalist aus Berlin.
Die Sendung „Forum“ ist für den 4. November 2026 um 17:05 Uhr bei SWR Kultur angekündigt. Der zugehörige Artikel wurde erstmals am 30. Oktober 2026 veröffentlicht und zuletzt um 11:53 Uhr aktualisiert.
Was bei den Midterms auf dem Spiel steht
US-Zwischenwahlen finden alle vier Jahre am bundesweiten Wahltag statt, dem Dienstag nach dem ersten Montag im November. Sie liegen in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten und gelten häufig als politischer Stimmungstest für die Bundesregierung in der zweiten Hälfte der Präsidentschaft.
Gewählt werden sämtliche Sitze im Repräsentantenhaus sowie 33 oder 34 der insgesamt 100 Senatssitze. Dadurch können sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern. In vielen Bundesstaaten stehen außerdem Gouverneurswahlen, Wahlen zu den Staatsparlamenten, weitere staatliche Ämter und Verwaltungen der Countys auf dem Stimmzettel.
34 der 50 Bundesstaaten wählen ihre Gouverneure alle vier Jahre gleichzeitig mit den Zwischenwahlen. Vermont und New Hampshire haben einen anderen Rhythmus: Dort werden die Gouverneure alle zwei Jahre gewählt, jeweils bei Präsidentschafts- und Zwischenwahlen.
Oft verliert die Partei des amtierenden Präsidenten zwei Jahre nach dessen Wahl Sitze und Mehrheiten im Kongress. Gewinnt eine Partei überdurchschnittlich viele Mandate hinzu, sprechen Beobachter von einer „Wave Election“. Eine solche Welle kann auch zeitgleich mit einer Präsidentschaftswahl auftreten, wenn sich das Kräfteverhältnis im Kongress erheblich verändert.
Historische Beispiele und ein Blick zurück
Wie stark die Zwischenwahlen die politische Richtung verändern können, zeigt das Jahr 2000. George W. Bush von den Republikanern wurde zum Präsidenten gewählt. Nach der Wahl hatten die Republikaner im Repräsentantenhaus und die Demokraten im Senat jeweils eine knappe Mehrheit.
Bei den Zwischenwahlen 2002 bestätigten die Wähler die Regierungspolitik. Die Republikaner gewannen in beiden Kongresskammern deutlich Sitze hinzu und erlangten im Senat die Mehrheit zurück. Nach der Präsidentschaftswahl 2004 verfügten sie unter George W. Bush über Mehrheiten in beiden Kongresskammern. Zwei Jahre später, bei den Zwischenwahlen 2006, übernahmen die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern.
Auch die Regeln selbst haben Geschichte. Bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzartikels zur US-Verfassung im Jahr 1913 wurden Senatoren grundsätzlich von den Parlamenten der Bundesstaaten bestimmt. 1914 fanden erstmals sämtliche regulären Senatswahlen als Volkswahlen statt.
Historische Übersichten dokumentieren die politischen Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus und im Senat nach den Zwischenwahlen. Bei den Sitzveränderungen wird die Zahl der von der Präsidentenpartei gewonnenen Sitze mit ihrem Ergebnis bei der vorherigen allgemeinen Wahl verglichen. Diese Angaben beziehen sich auf die unmittelbaren Wahlergebnisse; die Kontrolle der Kongresskammern meint dagegen den jeweils folgenden Kongress.
Eine kuriose, zugleich ziemlich ernste Besonderheit gab es nach den Wahlen von 1930: Zunächst hatten die Republikaner eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus. Zwischen der Wahl und der Konstituierung des 72. Kongresses starben jedoch mehrere gewählte Abgeordnete. Nach Nachwahlen konnten die Demokraten die Kammer mit Unterstützung weiterer Abgeordneter organisieren.
