Am 5. Oktober 2026 ist an der Uni Saarland vor allem ein 0:0 hängen geblieben, das sich für Jürgen Klopp trotzdem fast wie ein kleiner Aufbruch anfühlte. In Thessaloniki zeigte sich der Bundestrainer trotz des torlosen Remis gegen Griechenland „sehr zufrieden“. Er sprach von einem „unglaublichen Fußballspiel“ und einer Leistung, die in nahezu allen Bereichen sehr stark gewesen sei.

Deutschland war überlegen, fand aber keinen Weg ins Tor. Kapitän Florian Wirtz, der später eingewechselt wurde, habe erneut ein „überragendes Spiel“ gemacht, sagte Klopp. Rund 90 Prozent der Mannschaftsleistung hätten „herausragend“ funktioniert. Nur: Ab etwa der 60. Minute wurden die Abläufe unklarer, die Mannschaft wirkte unruhiger. Fußball kann manchmal ziemlich genau so aussehen – vieles stimmt, aber der Ball will einfach nicht hinein.

Zwischen Kontrolle und fehlender Wucht

Das Hinspiel eine Woche zuvor in Augsburg hatte Deutschland mit 0:1 verloren. Nach vier Spielen unter Klopp in der Nations League stehen damit fünf Punkte zu Buche. In Gruppe 2 liegt die DFB-Auswahl hinter den Niederlanden und Griechenland auf Platz drei – derzeit würde dieser Tabellenplatz nicht für den Einzug ins Viertelfinale reichen.

Klopp sagte, er sei „sehr, sehr angetan“ von der Mannschaft und ihrer Spielweise. Die angestrebten Veränderungen seien sichtbar geworden, besonders die kollektive Defensivleistung hob er hervor. Das klang nach Lob, aber nicht nach Freifahrtschein.

Deutschland begann kontrollierter als beim 1:1 gegen die Niederlande und setzte auf sicheres Passspiel. Der Preis dafür: In der Offensive fehlten zunächst Tempo und Überraschungsmomente. Griechenland lauerte auf schnelle Konter über Christos Tzolis und Konstantinos Karetsas, zog sich bei deutschem Ballbesitz weit zurück und machte die Räume eng.

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Erst ab der 25. Minute kam mehr Bewegung ins Kombinationsspiel. Innerhalb von sechs Minuten entstanden drei Chancen: Younes Ebnoutalib verfehlte das Tor mit einem Volleyschuss, Karim Adeyemi scheiterte zunächst bei einem Alleingang, und seinen Schuss von der Strafraumgrenze parierte Torwart Konstantinos Tzolakis.

Hinten funktionierte die Rückwärtsbewegung in der ersten Halbzeit gut. Yann Aurel Bisseck fügte sich in die Viererkette ein, Josha Vagnoman behauptete sich gegen Tzolis, Nathaniel Brown schränkte Karetsas ein. Alexander Nübel blieb zunächst ohne nennenswerte Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Ein Gegentor aus 18 Metern

Auch nach der Pause gab es zunächst Anlass zur Hoffnung. Debütant Bambasé Conté gewann direkt einen Ball und scheiterte anschließend knapp an Tzolakis. In der 53. Minute parierte der griechische Torwart außerdem einen direkten Freistoß von Joshua Kimmich.

Kimmich spielte als einziger echter Sechser, leistete sich aber mehrere Fehler. In der 67. Minute verlor er zentral vor dem eigenen Strafraum den Ball an Vangelis Pavlidis. Der setzte Fotis Ioannidis ein, dessen Schuss knapp am Tor vorbeiging.

In der 74. Minute wurde die deutsche Defensive durch einen einfachen Seitenwechsel von Tzolis ausgehebelt. Felix Nmecha agierte zu passiv, mehrere deutsche Abwehrspieler rückten nicht entschlossen zu Dimitrios Kourbelis heraus. Der griechische Mittelfeldspieler konnte aus 18 Metern unbedrängt schießen. Kimmich fälschte den Ball beim Klärungsversuch unhaltbar für Nübel ins eigene Tor ab.

Deutschland bemühte sich danach um den Ausgleich, erspielte sich aber keine klare Torchance mehr. Lange Bälle in die Spitze landeten meist bei Tzolakis. Auch die eingewechselten Florian Wirtz und Jonothan Burkardt konnten das Spiel nicht drehen.

Klopp kritisierte Deutschlands Reaktion auf lange Bälle, die zu wenigen Lösungen gegen den tief stehenden Gegner und eine nicht dominante Spielweise. Das Ergebnis sei „nicht cool“, sagte er, zugleich habe die neu zusammengestellte Mannschaft wichtige Erkenntnisse gewonnen. Jonathan Tah meinte, Deutschland habe die Räume nicht gut genutzt und zu selten klar in die Spitze gespielt. Kimmich bemängelte eine zu statische Spielweise und zu wenig Bewegung.

Klopp und der lange Weg an die Seitenlinie

Das 0:0 in Thessaloniki stand im Kontrast zum Heimdebüt unter Klopp: Deutschland hatte gegen Griechenland mit 0:1 (0:0) verloren. Dimitrios Kourbelis erzielte damals in der 74. Minute den Siegtreffer. Es war die erste deutsche Niederlage im elften Duell mit Griechenland.

Vor dem fünften Bundesliga-Spieltag stehen noch zwei Nations-League-Partien an: am 1. Oktober gegen Serbien in München und am 4. Oktober gegen Griechenland. Beide Spiele beginnen um 20:45 Uhr.

Dass Klopp ausgerechnet in schwierigen Übergangsphasen gern ins Zentrum rückt, gehört zu seiner Geschichte. Am 27. Februar 2001 wurde der damals noch aktive Spieler beim FSV Mainz 05 überraschend Interimstrainer. Mainz steckte in einer sportlichen Krise, stand auf einem Abstiegsplatz, Eckhard Krautzun war entlassen worden. Eine Trainerlizenz besaß Klopp zunächst nicht, dafür hatte er Sportwissenschaft studiert und sich intensiv mit Taktik und Trainingslehre beschäftigt.

Sein erstes Spiel gewann Mainz am 28. Februar 2001 mit 1:0 gegen den MSV Duisburg. Sechs der ersten sieben Ligaspiele unter Klopp gingen an Mainz, das als Tabellen-14. den Klassenerhalt schaffte. Klopp blieb Cheftrainer und machte Željko Buvač zu seinem Assistenten.

2001/02 wurde Mainz Herbstmeister und belegte lange einen Aufstiegsplatz, rutschte aber am letzten Spieltag nach einer 1:3-Niederlage bei Union Berlin auf Rang vier ab. Auch 2002/03 verpasste Mainz den Aufstieg als Tabellenvierter. 2003/04 gelang der Sprung in die Bundesliga. Danach belegte Mainz 2004/05 und 2005/06 jeweils Rang elf.

Über die UEFA-Fair-Play-Wertung qualifizierte sich Mainz 2005/06 für den UEFA-Pokal. Nach Siegen gegen FK Mika Aschtarak und ÍB Keflavík war in der ersten Runde gegen den späteren Sieger FC Sevilla Schluss. 2006/07 stieg Mainz als Tabellen-16. wieder in die 2. Bundesliga ab. Nach dem knapp verpassten Wiederaufstieg 2007/08 beendete Klopp seine Tätigkeit zum 30. Juni 2008.

Am 1. Juli 2008 übernahm er Borussia Dortmund. Mit dem BVB erreichte Klopp 2008/09 Rang sechs und 2009/10 Rang fünf, ehe Dortmund 2010/11 und 2011/12 die deutsche Meisterschaft gewann. 2012 kam der DFB-Pokal dazu: Im Finale besiegte Dortmund Bayern München mit 5:2 und holte das erste Double der Vereinsgeschichte.

2012/13 erreichte Dortmund das Champions-League-Finale, verlor dort aber 1:2 gegen Bayern München. 2013/14 unterlag Dortmund Bayern im DFB-Pokalfinale mit 0:2 nach Verlängerung. Nach einer schwachen Hinrunde 2014/15 vereinbarte Klopp im April 2015 das vorzeitige Ende zum Saisonende. Sein letztes Spiel als BVB-Trainer war die 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokalfinale am 30. Mai 2015.

Liverpool, Red Bull und die DFB-Auswahl

Am 8. Oktober 2015 übernahm Klopp den FC Liverpool von Brendan Rodgers. Mit ihm kamen Željko Buvač und Peter Krawietz nach Liverpool. 2015/16 wurde Liverpool Achter und verlor sowohl das Ligapokal- als auch das Europa-League-Finale. 2017/18 folgte das Champions-League-Finale, das Liverpool gegen Real Madrid mit 1:3 verlor.

2018/19 wurde Liverpool mit 97 Punkten englischer Vizemeister und gewann anschließend durch ein 2:0 gegen Tottenham Hotspur die Champions League. 2019 holte Klopp mit Liverpool den UEFA Super Cup und erstmals in der Vereinsgeschichte die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft.

2019/20 wurde Liverpool englischer Meister – sieben Spieltage vor Saisonende und erstmals seit 1990. Die Mannschaft beendete die Saison mit 99 Punkten. Klopp wurde danach zum FIFA-Welttrainer des Jahres und zum Premier-League-Trainer der Saison gewählt.

2020/21 verpasste Liverpool die Titelverte