Humboldtn-School 2026: Promovierende entwickeln Kreislauflösungen für Elektroautos
Heute, am 25. September 2026, endet an der Bergischen Universität Wuppertal und im Wuppertal Institut die Humboldtn-School 2026. Vom 23. bis 25. September haben sich dort 27 ausgewählte Promovierende aus sieben nordrhein-westfälischen Universitäten getroffen. Mit dabei waren unter anderem das RWTH-Graduiertenkolleg „Circular E-Cars“, das Wuppertal Institut und Hochschulen für angewandte Wissenschaften.
„Circular Economy im Fokus – Forschen, Vernetzen, Transformieren“ lautete das Motto. Im Mittelpunkt standen Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Wertschöpfungsketten in Industrie- und Rohstoffsektoren – mit einem konkreten Blick auf Elektroautos. Wie groß ist ihr Recyclingpotenzial? Und wie lässt sich Kreislaufwirtschaft in der E-Mobilität tatsächlich umsetzen?
Forschung trifft Industrie
In interaktiven Workshops tauschten sich die Promovierenden fachübergreifend über ihre Forschungsprojekte aus. Keynotes und Impulse erfahrener Wissenschaftlerinnen kamen hinzu. Als beratende Wissenschaftlerinnen wurden unter anderem Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut und Prof. Dr. Stefanie Reese von der Universität Siegen genannt.
Die Eröffnungsrede hielt Prof. Dr. Dr. Friederike Welter von der Universität Siegen, dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn und der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung. Sie sprach über die wachsende Bedeutung wissenschaftsbasierter Beratung für wirtschaftliche Transformationsprozesse und über die Rolle mittelständischer Unternehmen. Projektpräsentationen zeigten Lösungsansätze für zirkuläre Wertschöpfungsketten am Beispiel von Elektrofahrzeugen.
Bei Exkursionen zu Aptiv im Bergischen Land und Speira im Rheinischen Revier, konkret in Wuppertal und Grevenbroich, lernten die Teilnehmenden industrielle Bedarfe und Herausforderungen kennen. Ebenso ging es um Chancen struktureller und nachhaltiger Veränderungen. Die Werks- und Anlagenbesichtigungen lieferten Anregungen für die Forschungsprojekte und anschließende Diskussionen.
Zum Programm gehörten außerdem individuelle Beratungssessions zu den eigenen Forschungsvorhaben. In einem abschließenden Workshop des Start-up Centers der Bergischen Universität untersuchten die Teilnehmenden das Gründungspotenzial ihrer Forschung. Nicht jede Idee wird dabei gleich zum Unternehmen – aber manchmal reicht ein neuer Blick auf die eigene Arbeit, und plötzlich wird es interessant.
Offen für viele Fachrichtungen
Die Humboldtn-School richtet sich an Promovierende und PostDocs aller Fachrichtungen an Universitäten in Nordrhein-Westfalen. Bewerbungen waren aus allen Disziplinen möglich, besonders angesprochen wurden Umweltwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Ziel ist es, inter- und transdisziplinäre Ansätze zu entwickeln und Austausch sowie Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachrichtungen zu fördern.
Für die Teilnahme war eine Bewerbung mit einem DIN-A1-Poster zum eigenen Promotionsprojekt erforderlich. Zusätzlich sollten die Bewerberinnen bei der Veranstaltung im September in einem dreiminütigen Elevator-Pitch ihre Forschung vorstellen. Das Poster sollte die Forschungsfrage, theoretische Modelle, offene Fragen und relevante Literatur enthalten – ergänzt durch veranschaulichende Grafiken und Bilder.
Die digitale Version musste als PDF bis zum 17. Juli 2026 an info@humboldt-n.nrw geschickt werden. Erfolgreiche Bewerberinnen wurden bis zum 14. August 2026 benachrichtigt. Das Poster musste selbst gedruckt und zur Veranstaltung mitgebracht werden. Teilnahmegebühren wurden nicht erhoben; Übernachtungskosten konnten von Humboldtn übernommen werden. Anreise- und Druckkosten wurden dagegen nicht erstattet.
Ein Netzwerk für Nachhaltigkeit
Die Initiative Humboldtⁿ wurde 2021 von den 16 Universitäten Nordrhein-Westfalens und dem Wuppertal Institut gegründet. Sie will Nachhaltigkeit in der Hochschullandschaft fördern, Forschung und Wissenstransfer bündeln und interdisziplinäre Kooperationen unterstützen. Seit 2023 liegt die Sprecherschaft bei der Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal, Prof. Birgitta Wolff.
Der zeitliche Rahmen der School passt zu einer größeren politischen Entwicklung: Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie, kurz NKWS, wurde im Dezember 2024 beschlossen. Sie soll den Übergang zu einer zirkulären Wirtschaft unterstützen. Wertstoffe und Produkte sollen möglichst lange erhalten bleiben, Materialien sparsam eingesetzt und möglichst lange im Kreislauf gehalten werden.
Dahinter steckt auch eine nüchterne Rechnung. Der Abbau von Rohstoffen verursacht hohe Kosten für Umwelt, Menschen und Wirtschaft. Eine Wirtschaftsweise mit stetig wachsendem Bedarf an neuen, primären Rohstoffen gilt langfristig als ökonomisch, ökologisch und sozial nicht tragfähig.
Die Kreislaufwirtschaft soll deshalb die Resilienz und Innovationskraft des Industriestandorts Deutschland stärken. Ihr Wandel gilt als zentral für klima- und umweltpolitische Ziele, zugleich werden große wirtschaftliche Chancen erwartet. Für die jungen Forschenden aus Nordrhein-Westfalen beginnt die Arbeit daran nicht erst in einem Strategiepapier, sondern zwischen Posterwänden, Werksbesichtigungen und Gesprächen über die nächste Forschungsfrage.
