Universität Vechta diskutiert Antisemitismus, Antiziganismus und Neutralität in der politischen Bildung
Das Studienfach Politikwissenschaft der Universität Vechta öffnet die Vorlesung „Politische Theorie als Hintergrund Politischer Bildung“ für alle Interessierten. Vom 3. November bis 1. Dezember 2026 stehen an drei Abenden politische Bildung, akademische Debatten und Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung auf dem Programm.
Geleitet wird die Reihe von Dr. Sven Rößler, dem Verwalter der Universitätsprofessur Politikdidaktik. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18:15 Uhr und dauern eineinhalb Stunden. Veranstaltungsort ist die Universität Vechta, Driverstraße 22. Zwei Termine können zusätzlich online verfolgt werden.
Erfahrungen jüdischer Hochschulangehöriger
Den Auftakt macht am Dienstag, 3. November 2026, in der Aula – online zugeschaltet – der Vortrag „Ausnahmezustand. Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit dem 7. Oktober – Zeugnisse von Betroffenen“. Prof. Dr. Julia Bernstein von der UAS Frankfurt und PD Dr. Michaela Artmann von der Universität zu Köln stellen den gleichnamigen Band vor.
Herausgegeben wurde das Buch von Julia Bernstein, Alfred Bodenheimer und Elisabeth Schilling. Es erschien im August 2026 im Wallstein Verlag und entstand als Projekt des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender. Mehr als 60 Hochschulangehörige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen darin mit Essays und Interviews zu Wort. Die Autorinnen und Autoren sind jüdisch oder befassen sich wissenschaftlich mit Judentum, Israel oder Antisemitismus.
Im Zentrum stehen persönliche Erfahrungen und Beobachtungen seit dem 7. Oktober 2023 sowie Veränderungen im akademischen Raum. Es geht um Ausgrenzung, Isolation und Bedrohung, um Konflikte im Umgang mit Antisemitismus und Israel – und um die Frage, was akademische Freiheit unter solchen Bedingungen bedeutet. Kein leichter Abend, eher einer, der vermutlich noch auf dem Heimweg nacharbeitet.
Sinti und Roma zwischen Geschichte und Gegenwart
Am Dienstag, 17. November 2026, folgt im Hörsaal B1, ebenfalls online zugeschaltet, Serenada Schneeberger vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern e. V. Ihr Vortrag trägt den Titel „Geschichte und Gegenwart der Sinti* und Roma*, Bürgerrechtsbewegung & Antiziganismus“.
Schneeberger verbindet historische Erfahrungen mit heutigen Formen von Antiziganismus, Racial Profiling und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Außerdem geht es um die Entstehung und Weitergabe von Vorurteilen und Stereotypen – und darum, welche Folgen diese Muster für Betroffene und für die Gesellschaft haben.
Streit um Neutralität in der Bildung
Der dritte Abend findet am Dienstag, 1. Dezember 2026, im Hörsaal B1 in Präsenz statt. Jana Sämann von der Universität Siegen spricht über „Mythos Neutralitätsgebot – ‚Neutralität‘ als strategisch genutzte diskursive Figur im Bildungskontext“.
Im Mittelpunkt steht der Streit um demokratisch positionierte Bildungsarbeit. Untersucht wird das sogenannte „Neutralitätsgebot“, das gegenüber verschiedenen Arbeitsweisen und Einrichtungen vorgebracht wird. Sämann fragt danach, welche strategischen Funktionen die Forderung nach Neutralität im Bildungskontext erfüllt und welche möglichen Folgen sie für die Bildungsarbeit hat.
Für Studierende aus Siegen liegt Vechta nicht gerade ums Eck; der dritte Termin hat durch Janas Sämanns Verbindung zur Universität Siegen dennoch einen direkten Anknüpfungspunkt. Der bereitgestellte zusätzliche PDF-Inhalt der Universität Marburg enthält dagegen keine auswertbaren Informationen: Die Datei besteht aus unlesbaren beziehungsweise komprimierten PDF-Rohdaten und liefert keinen Nachrichtenartikel.
