Andreas Rothfuß bleibt weitere acht Jahre Kanzler der Universität Tübingen. Senat und Universitätsrat bestätigten ihn am Dienstag ohne Gegenstimmen; eine Person enthielt sich. Seine vierte Amtszeit beginnt am 27. Juli 2027.

Rothfuß leitet die Universitätsverwaltung bereits seit 2003. Nach Angaben der Universität ist der 1967 geborene Verwaltungschef damit der dienstälteste wiedergewählte Universitätskanzler Deutschlands. Der Vorsitzende des Universitätsrats, Bernhard Sibold, wertete die Wahl als deutlichen Vertrauensbeweis und schreibt Rothfuß einen großen Anteil daran zu, dass sich die Universität Tübingen in den vergangenen 20 Jahren zu einer international sichtbaren Exzellenzuniversität entwickelt hat.

Mehr Platz für Forschung und Personal

Auf die Verwaltung warten allerdings keine kleinen Aufgaben. Rektorin Karla Pollmann verwies auf zusätzlichen Platz- und Personalbedarf durch sechs Exzellenzcluster sowie den Ausbau der KI-Forschung. Rothfuß verfüge über die notwendige Erfahrung und strategische Weitsicht, um die administrativen und strukturellen Voraussetzungen für die weitere Universitätsentwicklung zu schaffen, sagte Pollmann.

Als Kanzler verantwortet Rothfuß die Bereiche Finanzen, Haushalt, Personal, Bau und Umweltschutz. Für seine kommende Amtszeit nannte er eine verlässliche Finanzierung, eine moderne Verwaltung sowie eine leistungsfähige Forschungs- und Gebäudeinfrastruktur als zentrale Aufgaben. Ebenso wichtig sei angesichts des demografischen Wandels, qualifizierte Beschäftigte zu gewinnen, zu fördern und langfristig zu binden. Das klingt nach viel Papier, vielen Sitzungen und noch mehr Baustellen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Rothfuß studierte unter anderem Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Ab 1997 arbeitete er im Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg. Seit 2025 ist er Mitglied im Senat der Leibniz-Gemeinschaft.

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Sechs Cluster, Plattformen und gemeinsame Labore

Die Universität Tübingen will als Forschungsuniversität herausragende, kooperative und interdisziplinäre Forschung mit regionaler, nationaler und internationaler Ausstrahlung fördern. Einen wichtigen Impuls liefert dabei die Exzellenzstrategie. Sechs Exzellenzcluster bündeln herausragende Wissenschaftler:innen in definierten Forschungsgebieten, ermöglichen Zugang zu Infrastruktur und fördern intensive Kooperationen.

Hinzu kommen vier Forschungsplattformen, die die interdisziplinäre Vernetzung innerhalb der Universität und mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen stärken. Fünf zusätzliche Core Facilities ermöglichen die gemeinsame Nutzung moderner Forschungsinfrastruktur. Gerade dort entscheidet sich im Alltag oft, ob Zusammenarbeit wirklich funktioniert: Wer kommt an Geräte, Daten und Räume heran – und wie schnell?

Gezielt investiert die Universität außerdem in wissenschaftliche Talente. Strategisch relevante Forschungsfelder werden durch die Mitfinanzierung von Professuren, Juniorprofessuren und Nachwuchsforschungsgruppen gestärkt. Industry-on-Campus-Kooperationen verbinden Wissenschaft und Lehre mit der Wirtschaft sowie Grundlagenforschung mit Anwendungsorientierung.

Auch der Umgang mit Forschungsdaten gehört zur Forschungsstrategie. Die Universität unterstützt eine verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung und orientiert sich dabei an Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz und der Research Data Alliance sowie an der E-Science-Strategie Baden-Württembergs.

Wer über Exzellenzförderung entscheidet

Über Antragsskizzen und Anträge im Rahmen der Exzellenzstrategie entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee umfasst 39 ausgewiesene Forschende aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet das gesamte Disziplinenspektrum ab.

Seine Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen unter anderem aus dem Ausland, dem Hochschulmanagement, der Lehre und der Wirtschaft mit. Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats und der Präsident oder die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen den Vorsitz.

Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission. Es entscheidet auch darüber, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.

Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Auf Grundlage der Empfehlungen des Committee of Experts entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.

Für Rothfuß bedeutet die bestätigte vierte Amtszeit damit nicht bloß eine Verlängerung, sondern acht weitere Jahre zwischen Haushaltsplänen, Personalfragen, Bauprojekten und dem wachsenden Forschungsbetrieb auf dem Tübinger Campus.