Ulm und Neu-Ulm wirkten im Oktober 1986 wie Städte im Übergang: Auf den Straßen drängten sich Autos, an den Brücken wurde geplant und gebaut, während Anfang Oktober noch Temperaturen von etwa 20 Grad herrschten. Für die Universität Ulm begann zugleich ein Wintersemester mit fast 5000 Studierenden – rund 300 mehr als zuvor.

Aus heutiger Sicht ist das eine interessante Momentaufnahme. Heute studieren an der Universität Ulm mehr als 10.000 Menschen. Viele Dinge, die damals vor allem nach Baustelle, Parkplatzsuche und organisatorischem Aufwand klangen, gehören längst zur Stadtgeschichte.

Parkplätze, Busse und ein voller Gallusmarkt

Der Gallusmarkt und ein verkaufsoffener Sonntag belasteten im Oktober 1986 die Parkplatzsituation in Ulm stark. Ein Park-and-Ride-Test sollte Abhilfe schaffen. Rund 2000 Parkplätze wurden ausgewiesen, unter anderem an der Donauhalle und an der Eislaufanlage in Neu-Ulm.

An der Eislaufanlage parkten etwa 60 Autos. Rund 120 Menschen wurden anschließend mit Bussen in die Innenstadt gefahren. Kein riesiger Pendlerstrom, aber ein ziemlich konkreter Versuch, das Verkehrsproblem mit einer einfachen Idee anzupacken: Auto draußen stehen lassen, gemeinsam weiterfahren.

Während draußen noch fast sommerliche Wärme lag, startete die Eislaufsaison dennoch termingerecht. Dafür mussten die Kühlrohre vollständig betrieben werden, damit das Wasser gefror. Besonders die Dauerkartenbesitzer sollten die Anlage wie geplant nutzen können. Ein bisschen Eis bitte, trotz 20 Grad – Ulm machte es möglich.

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Neue Brücke, abgerissenes Autohaus

Parallel begannen die Vorarbeiten für den Neubau der Blaubeurer-Tor-Brücke. Im Zuge des Brückenbaus sollten sich die Neutorstraße und die Karlstraße verändern. Ein an der Kreuzung gelegenes Autohaus wurde größtenteils abgerissen.

Solche Veränderungen sind im Stadtbild zunächst selten leise: Abriss, Verkehr, Umleitungen und irgendwo immer ein Bagger, der den eigenen Gedankenrhythmus übernimmt. 1986 war die Umgestaltung der Straßen noch Zukunftsprojekt, aber die ersten sichtbaren Spuren waren bereits da.

Auch am Neu-Ulmer Donauufer wurde gearbeitet. Oberhalb der Eisenbahnbrücke befestigten Fachleute einen vom Hochwasser beschädigten Böschungsabschnitt. Dafür kamen mehrere hundert Tonnen Granitsteine zum Einsatz.

Die Uferlinie wurde dabei aufgelockert und nicht einfach durchgehend befestigt. Die vom Wasserwirtschaftsamt Krumbach entwickelte Lösung sollte auch den Donaufischen zugutekommen. Anschließend wurde die künstlich angelegte Landzunge bepflanzt – zwischen schwerem Stein, Wasser und neuem Grün.

Mehr Studierende, neues Lehrangebot

An der Universität Ulm wuchs die Zahl der Studierenden im Wintersemester auf fast 5000. Der Rektor ermutigte die neuen Studierenden, das im Vorjahr eingeführte geisteswissenschaftliche Lehrangebot zu nutzen.

Das klingt heute fast ungewohnt, weil die Universität Ulm inzwischen mehr als 10.000 Studierende zählt. Damals war der Zuwachs um rund 300 Menschen jedoch bereits spürbar. Neue Gesichter auf dem Campus, volle Wege, wahrscheinlich auch die eine oder andere ratlose Suche nach dem richtigen Raum.

Wer solche Entwicklungslinien genauer verfolgen möchte, findet beim Stadtarchiv Ulm inzwischen einen digitalen Zugang: Mit „ULMA“ hat das Archiv einen neuen Blog gestartet, der als digitales Fenster in die Archivwelt gedacht ist.

Der Blog richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, Forschende, Studierende, Lehrende und allgemein an Ulmer Geschichte Interessierte. Dort geht es um historische Themen, besondere Archivstücke und Einblicke in die Arbeit des Archivs. Außerdem werden Findmittel mit und ohne Digitalisate, Projekte aus verschiedenen Bereichen sowie Informationen über geplante Publikationen vorgestellt.

Das Stadtarchiv möchte mit „ULMA“ seine Arbeitsweise als Gedächtnisinstitution transparent machen. Geschichte soll verständlich, anschaulich und lebendig vermittelt werden – nicht nur als staubige Ablage, sondern mit Spuren, Bildern, Dokumenten und den kleinen Reibungen, aus denen Stadtentwicklung besteht. Der Blog lädt dazu ein, sich weiter mit der Vergangenheit Ulms zu beschäftigen.