In den letzten Jahren hat die Plattform TikTok rasant an Popularität gewonnen und zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Doch während viele Videos unterhaltsam sind, stehen nun die Inhalte zu psychischen Erkrankungen unter Beschuss. Eine aktuelle Studie der Universität Witten/Herdecke (UW/H) wirft ein schockierendes Licht auf die Verbreitung von Informationen über psychische Störungen wie ADHS, Depression, Autismus, Narzissmus und posttraumatische Belastungsstörung.

Insgesamt wurden 177 deutschsprachige TikTok-Videos analysiert, die erstaunliche 94 Millionen Aufrufe generierten. Die Ergebnisse sind alarmierend: Nur etwa 18% der Videos stammen von Fachleuten wie Psychologen oder Ärzten. Weniger als jedes fünfte Video vermittelte korrekte psychologische Inhalte, die Mehrheit der Beiträge enthielt falsche oder stark vereinfachte Aussagen. Besonders ausgeprägt sind die Probleme bei den Inhalten über Narzissmus, bei dem kein einziges Video als sachlich korrekt eingestuft wurde.

Die Gefahren von Fehlinformationen

Im Gegensatz dazu waren die Videos über posttraumatische Belastungsstörungen verlässlicher, da sie häufig von Experten erstellt wurden und die komplexen Ursachen und Symptome leichter erklärbar sind. Die Forschenden der UW/H warnen dringend davor, alltägliche Verhaltensweisen und Symptome vorschnell als psychische Erkrankungen zu deuten. Diese pauschalen Diagnosen können zu einer Verharmlosung der echten Probleme führen und Menschen in eine falsche Richtung lenken.

Der Austausch auf Social Media bietet zwar die Chance, Erfahrungen sichtbar zu machen und Stigmata abzubauen, er birgt jedoch die Gefahr, dass persönliche Erlebnisse als medizinische Fakten dargestellt werden. Die Forscher empfehlen eine kritische Hinterfragung der Informationen, die man auf Plattformen wie TikTok konsumiert, und raten dazu, sich bewusst zu machen, wer die Inhalte erstellt hat.

Hilfestellung und professionelle Unterstützung

Bei Verdacht auf eigene Betroffenheit oder dem Bedürfnis nach Unterstützung ist es ratsam, Fachleute zu konsultieren. Die Autor:innen der Studie weisen auf verschiedene Hilfestellen hin, darunter die Terminservicestellen der Krankenkassen, das Zentrum für Psychische Gesundheit und Psychotherapie (ZPP) sowie psychiatrische Kliniken wie das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.

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Die breite Masse von TikTok-Nutzern sollte sich bewusst sein, dass ein kritischer Blick auf die konsumierten Inhalte nicht nur ratsam, sondern notwendig ist. Informationen sind nicht immer im besten Licht dargestellt, und die Abgrenzung zwischen persönlichen Erfahrungen und medizinischen Fakten bleibt eine Herausforderung. Eine fundierte Meinung zu psychischen Erkrankungen erfordert daher den Rückgriff auf valide Quellen und Expertise. Für weitere Informationen zu diesem Thema lohnt sich ein Blick auf den Artikel von Spiegel.