WHU, 1. Oktober 2026 – James Collins tauscht Fußballschuhe gegen Boxhandschuhe. Der frühere walisische Profifußballer soll am 10. Oktober in London unter dem Banner von „Misfits Boxing“ gegen den britischen Social-Media-Star „Big Stacks“ antreten. Collins ist 43 Jahre alt und springt kurzfristig ein, nachdem Thomas Skinner beziehungsweise die TV-Persönlichkeit Tom Skinner seinen ursprünglich geplanten Kampf ohne Angabe von Gründen abgesagt hat.

Für Collins wird es der erste Boxkampf. Die Paarung ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt; wegen seiner späten Verpflichtung können sich einzelne Details noch ändern. Sein Gegner tritt unter dem Namen „Big Stacks“ auf und heißt laut Forbes mit bürgerlichem Namen Charlie Cox. Cox ist Internet-Persönlichkeit und Live-Streamer, bezeichnet sich selbst als „härtesten Mann Großbritanniens“ und zog damit mehrere Internet-Persönlichkeiten zu Boxherausforderungen an. Bei „Misfits Boxing“ steht für ihn bislang ein Sieg eine Niederlage gegenüber.

Vom Innenverteidiger in den Ring

Collins war 20 Jahre lang Profifußballer. In zwei Abschnitten bestritt er mehr als 200 Partien für West Ham United, außerdem spielte er unter anderem für Aston Villa. Seine Karriere beendete er 2020 nach Einsätzen in der Premier League und weiteren Wettbewerben.

Für Wales kam der Innenverteidiger auf 51 Länderspiele, also mehr als 50. Bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich stand er im Halbfinale gegen Portugal in der Startelf. Damals spielte er im Nationalteam unter anderem mit Ryan Giggs und Gareth Bale. Jetzt also Ringseile statt Strafraum, Schläge statt Zweikämpfe. Ein ziemlich harter Abzweig.

Heute ist Collins unter dem Spitznamen „Ginge“ als Gastgeber des Fußball-Podcasts „Clutch 9“ aktiv. Dort interviewt er bekannte Fußballpersönlichkeiten; zuletzt sprach er unter anderem mit Jens Lehmann.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Auf derselben Veranstaltung soll Plinio Cruz, der Trainer des UFC-Kämpfers Alex Pereira, gegen Chase DeMoor antreten. Das Event ist als Crossover-Boxveranstaltung angelegt, bei der Persönlichkeiten aus Fußball, Fernsehen und MMA zusammenkommen. Genau diese Mischung gehört zum Konzept von Misfits: Sportbiografien, Internetbekanntheit und ein ordentliches Maß an Show im selben Programm.

Wie aus Influencer-Boxen eine Promotion wurde

Misfits Boxing wurde 2021 von KSI, Wasserman Boxing und Proper Loud als Promotion für große Promi-Boxkämpfe gegründet. Wasserman Boxing übernahm dabei technische und logistische Aufgaben – darunter Verträge, Übertragungsbeziehungen, Transporte und die Unternehmensgründung. Am 5. Mai 2022 wurde der Name „Misfits Boxing“ bekannt gegeben; das erste Event war für den 27. August geplant.

Im Juli 2022 kündigte DAZN versehentlich die Eventreihe „MF & DAZN: X Series“ an. Das erste Event, „MF & DAZN: X Series 001“, fand am 27. August 2022 in der O2 Arena statt. Misfits und DAZN schlossen zunächst einen Vertrag über vier Veranstaltungen. Im November 2022 unterstützte Misfits außerdem die Promotion des Kampfes Floyd Mayweather Jr. gegen Deji in englischsprachigen Märkten. Die Veranstaltung lief unter dem „X Series“-Banner, die Pressekonferenz wurde über den Misfits-YouTube-Kanal gestreamt.

Am 10. Januar 2023 vereinbarten Misfits und DAZN einen fünfjährigen Exklusivvertrag, einschließlich zweier Pay-per-View-Veranstaltungen pro Jahr. Danach wurde auch mit den Regeln experimentiert: Bei „X Series 005“ am 4. März 2023 führte Misfits „Tag-Team-Boxen“ ein. Boxer konnten an ihrer Ecke einen Teamkollegen einwechseln, die Punktrichter bewerteten beide Mitglieder gemeinsam; bei einem Knockout gewann das gegnerische Team.

„Survivor Tag Boxing“ folgte bei „X Series 008“ am 22. Juli 2023. Ein Boxer durfte einen beliebigen Kämpfer an seiner Ecke einwechseln, nicht aber den zuvor ausgewechselten. Wer den Wechsel verweigerte, schied sofort aus; auch Knockdowns und Knockouts führten zur Eliminierung. Der letzte verbliebene Boxer gewann.

Am 14. Oktober 2023 veranstaltete Misfits mit „The Prime Card“ sein zehntes Event. KSI trat gegen den Profiboxer Tommy Fury an. Berichten zufolge wurden 1,3 Millionen Pay-per-View-Verkäufe erzielt; die Zahl wurde als erfolgreichstes Kampfsportevent des Jahres 2023 bezeichnet, ihre Genauigkeit bezweifelte allerdings Dana White.

Neue Ringe, neue Eigentümer

Am 10. Oktober 2024 stellte Misfits ein neues Logo und Meisterschaftsringe vor. Nach fünf erfolgreichen Titelverteidigungen sollte es einen diamantbesetzten goldenen Legacy-Ring geben, nach zehn erfolgreichen Titelverteidigungen einen Platinring mit Diamanten und Rubinen.

Auch die Personalien sorgten für Schlagzeilen. Im August 2025 hieß es, Misfits verhandele mit dem britischen Kickboxer und Influencer Andrew Tate über einen Schwergewichtskampf. DAZN teilte BBC Sport jedoch mit, dass Tate nicht mit Misfits verhandle. Am 15. Oktober 2025 wurde berichtet, Tate solle im Dezember gegen den Misfits-Schwergewichtschampion Chase DeMoor debütieren. Der Kampf Tate gegen DeMoor wurde am 30. Oktober 2025 offiziell angekündigt. Ein Werbevideo bezeichnete Tate als Nachfolger von KSI im Amt des Misfits-CEO. Übertragen werden sollte das einmalige Event nicht über DAZN, sondern über Rumble.

Im November 2025 bestätigte Wasserman Gespräche über den Verkauf seiner Boxpromotion-Sparte Wasserman Boxing. Verkauft werden sollte dabei auch die 25-prozentige Beteiligung an Misfits Boxing. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass Wasserman insgesamt zum Verkauf stand. Am 18. März 2026 bestätigten Kalle und Nisse Sauerland den Verkauf und benannten Wasserman Boxing in MF Sports um. MF Sports blieb Großaktionär von Misfits Boxing und wurde alleiniger Eigentümer von MF Pro.

Im Juni 2026 veranstalteten Misfits und die deutsche Sportpromotion Fame Fighting ein gemeinsames Event in Deutschland. Beide Organisationen stellten Kämpfer gegeneinander auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz lief die Übertragung über Bild+, international über The Sun Club. Später im Juni gab Misfits die Verpflichtung von Campbell Hatton bekannt, des Sohnes des ehemaligen Weltmeisters Ricky Hatton.

MF Pro zieht eine eigene Spur

MF Pro ist eine professionelle Boxpromotion innerhalb von MF Sports. Gegründet wurde sie im Juni 2024 von KSI, Mams Taylor, Kalle Sauerland und Nisse Sauerland; der Hauptsitz befindet sich in England. KSI ist Mitgründer, Kalle Sauerland Co-Präsident, Amer Abdallah ebenfalls Co-Präsident und Mams Taylor Promoter.

Im Juni 2024 verpflichtete MF Pro den zehnmaligen nationalen Amateurmeister Amir Anderson. Er gab sein Profidebüt bei „X Series 16“ und bestritt bei „X Series 19“ in Katar den ersten sanktionierten Boxkampf eines Boxers in Katar. Am 8. August wurde J’Hon Ingram mit einer Bilanz von 4–0 als zweiter Vertragspartner vorgestellt. Am 17. Oktober verpflichtete Misfits den ungeschlagenen WBC-Silberchampion im Superbantamgewicht Dylan Price (19–0).

Ty Mitchell (3–2) gab am 30. Dezember seine Unterschrift unter einen Mehrjahresvertrag mit MF Pro bekannt. Nach 14 Jahren Pause kehrte er in den Profiboxsport zurück und bestritt sein Debüt bei „X Series 20“. Am 10. Januar 2025 folgte die mexikanische 18-fache Nationalmeisterin Kayla Gomez, deren Profidebüt ursprünglich für März geplant war. Am 22. Februar 2025 gab Misfits die Verpflichtung des brasilianischen Schwergewichtsboxers und Olympiabronzemedaillengewinners von Tokio 2020, Abner Teixeira, bekannt.

Am 5. Oktober wurde David Lopez (7–0) verpflichtet, am 19. Oktober Ashton Sylve (11–1). Sylve stand zuvor bei Jake Pauls Promotion Most Valuable Promotions unter Vertrag und wurde nach seiner Niederlage gegen Lucas Bahdi dort entlassen.

Der britische Cruisergewichtschampion und frühere KSI-Trainer Viddal Riley (13–0) gab am 6. Dezember 2025 nach seinem Abschied von Boxxer den Wechsel zu MF Pro bekannt. Gegenüber Sky Sports erklärte Riley, MF Pro werde