Die private Wirtschaftshochschule WHU – Otto Beisheim School of Management will ihre Aktivitäten künftig auf einem neuen Campus in Düsseldorf bündeln. Geplant ist ein Areal auf der Halbinsel an der Kesselstraße im Medienhafen. Die Stiftung WHU und die Stadt Düsseldorf beabsichtigen, darüber exklusive Verhandlungen aufzunehmen.

Stadt und Land hatten den möglichen Umzug vor vier Wochen angekündigt. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) nannte den geplanten WHU-Campus ein „bahnbrechendes Projekt“. Die Stadt hat die Ansiedlung der gesamten WHU nach eigenen Angaben aktiv vorangetrieben und durch die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche die nötigen Voraussetzungen geschaffen.

Campus am Wasser, Pier One auf der Kippe

Die WHU würde die Landzunge im Hafen weitgehend für sich nutzen. Vor der Kesselstraße ist allerdings weiterhin das Projekt „Pier One“ des Architekten Christoph Ingenhoven vorgesehen: ein Bau auf 160 Stelzen im Wasser, lange als Leuchtturmprojekt für Düsseldorf angekündigt. Offenbar möchte vor allem die WHU, dass Ingenhoven seinen Pier-One-Plan aufgibt. Darüber laufen derzeit Verhandlungen.

Ganz vom Tisch ist das Umfeld damit nicht. Im Hafen könnten außerdem zwei neue Brücken entstehen, die einen Rundlauf ermöglichen würden. Derzeit betreibt die WHU bereits einen Campus in Vallendar und einen Standort in Düsseldorf, konkret in den Schwanenhöfen. Beide bestehenden Standorte bleiben bis auf Weiteres erhalten.

Der neue Campus soll in den kommenden Jahren ein offener Ort für Austausch und Forschung, Unternehmertum, gesellschaftliche Zusammenarbeit sowie technologiegestütztes und zukunftsorientiertes Lernen werden. Dort sollen Führungskräfte ausgebildet und Studierende auf wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Herausforderungen vorbereitet werden. Unternehmerisches Denken soll dabei mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden.

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Lernen zwischen KI und Weltlage

„Der Campus soll einen architektonischen Rahmen für modernes Lernen und einen neuen Raum für das Unternehmertums-Ökosystem der WHU schaffen“, erklärte Christoph Glaser, Vorstandsvorsitzender der Stiftung WHU. Die Hochschule steht nach seinen Worten seit mehr als 40 Jahren für unternehmerische Exzellenz und Innovationskraft. Nun will sie die von Künstlicher Intelligenz und gesellschaftlichem Wandel geprägte Transformation mitgestalten und Führungspersönlichkeiten ausbilden, die Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen.

WHU-Rektor Christian Andres verwies auf komplexere Führungsaufgaben durch Künstliche Intelligenz, geopolitische Veränderungen und gesellschaftlichen Wandel. Hochschulen sollten seiner Darstellung zufolge stärker als Verbindungspunkte beziehungsweise Schnittstellen zwischen Studierenden, Unternehmen, Forschung und öffentlichen Institutionen fungieren. Der neue Campus soll dafür Raum für Austausch, Kreativität und Unternehmertum schaffen.

Die akademische Wissensvermittlung bleibt die Grundlage, soll aber enger mit Kompetenzen für verantwortungsbewusstes Handeln in komplexen und dynamischen Umfeldern verbunden werden. Die WHU strebt dabei eine europaweite Vorreiterrolle bei der Frage an, wie Hochschulen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gestaltet werden können. Eine Gruppe von Unternehmerpersönlichkeiten und Alumni begleitet das Vorhaben und bringt Erfahrungen, Netzwerke und Perspektiven ein.

Rückenwind aus Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht in der Entscheidung eine Bestätigung der internationalen Attraktivität Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung, unternehmerische Ideen und Unternehmensgründungen. Künftig sollen fünf Universitäten beziehungsweise Hochschulverbünde aus Nordrhein-Westfalen zum Kreis der Exzellenzuniversitäten und -verbünde gehören. Der geplante Campus könne zusätzliche Impulse für Innovation und wirtschaftliches Wachstum geben, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen stärken und Hochschulen, Forschung, Unternehmen und Gründer enger zusammenbringen.

Wüst verbindet damit auch ein praktisches Ziel: Internationale Studierende und Talente sollen nach Nordrhein-Westfalen kommen und Bedingungen für Unternehmensgründungen und berufliche Perspektiven vorfinden. Wissenschaftsministerin Ina Brandes betonte die hohe Dichte international erfolgreicher Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land. Unternehmergeist und Gründerkultur gehörten seit der Gründung der WHU auf Initiative der Industrie- und Handelskammer Koblenz zur Identität der Hochschule.

Stephan Keller bezeichnete den Campus als geplantes Projekt für Bildung, Innovation und Unternehmertum. Er soll den Wirtschaftsstandort Düsseldorf stärken und die Stadt für internationale Studierende, Fachkräfte und Unternehmen attraktiver machen. Für die WHU ist die Weiterentwicklung als langfristiger Schritt angelegt: Die international ausgerichtete Hochschule will sich als Ort für verantwortungsvolle Führung im digitalen Zeitalter positionieren.

Ein Zukunftsbild bis 2034

Die WHU entwickelt gemeinsam mit ihrer Community ein Zukunftsbild für den neuen Campus. Ziel ist, ihn bis 2034 zum 50-jährigen Bestehen der Hochschule zu realisieren. Der Bezug des Campus an der Kesselstraße ist für 2034 vorgesehen; die konkreten Schritte des Übergangs sollen im weiteren Planungsverlauf festgelegt werden.

Das ist kein kleiner Umzug mit ein paar Kartons. Bis auf Weiteres bleiben Vallendar und Düsseldorf bestehen, während parallel der neue Ort am Wasser geplant wird. Wie genau die Übergänge aussehen, ist noch offen.

Das bereitgestellte Bild zeigt eine KI-generierte Projektskizze. Ein Video zum Projekt soll im Laufe des Tages auf dem YouTube-Kanal der Stadt Düsseldorf veröffentlicht werden. Eine Projektskizze und die WHU-Pressemitteilung zur Pressekonferenz vom 7. Oktober 2026 sind über den im Artikel genannten Link verfügbar.

Heute, am 4.11.2026, bleibt damit neben den großen Campusplänen auch eine ganz konkrete Düsseldorfer Frage: Was passiert mit Pier One – und wie viel Hafen wird am Ende tatsächlich Hochschulgelände?