Universität Freiburg erhält Exzellenztitel und 11,9 Millionen Euro jährlich für Spitzenforschung
In der Freiburger Universitätsaula brandete Jubel auf, als bei der Veranstaltung per Video aus Bonn der Name Freiburg fiel. Die Universität wird erneut als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. Damit erhält sie Fördermittel für Spitzenforschung – und einen Titel zurück, den sie schon einmal getragen hatte.
Elf Universitäten und Universitätsverbünde hatten sich auf fünf freie Plätze in der Exzellenzstrategie beworben. Freiburg war von 2007 bis 2012 Exzellenzuniversität, verlor den Status danach und scheiterte 2019 mit einer erneuten Bewerbung. Nun gibt es für die kommenden sieben Jahre jährlich knapp 11,9 Millionen Euro vom Bund und vom Land.
Ein langer Anlauf
Ursprünglich hatte die Universität die maximal mögliche Fördersumme von 15 Millionen Euro pro Jahr beantragt. Weil alle fünf Plätze vergeben wurden, fällt die Förderung geringer aus. Zum Vergleich: Der Landeszuschuss für die Universität beträgt 2026 rund 284,9 Millionen Euro.
Rektorin Kerstin Krieglstein erklärte, die strategischen Ziele blieben trotz der niedrigeren Fördersumme unverändert. Krieglstein war 2020 zur Rektorin gewählt worden und hatte die Rückgewinnung des Exzellenztitels zu einem Ziel ihres Rektorats gemacht.
Dafür wurden Ideen aus der gesamten Hochschule gesammelt. Es gab Gesprächskreise für Hochschulangehörige, Professorinnen und Professoren entwickelten Skizzen für Forschungsgruppen, Kolleginnen und Kollegen bewerteten die Entwürfe. Ganz geräuschlos lief das nicht: Zwischen dem Rektorat und universitären Gremien kam es während dieses Prozesses zu Konflikten. Eine vom Rektorat eingesetzte Fachfrau für Wissenschaftskommunikation musste wegen interner Konflikte ihre Position verlassen.
Anfang 2026 geriet das Rektorat außerdem im sogenannten Spanner-Fall wegen seines Umgangs mit Betroffenen in die Kritik. Das Wissenschaftsministerium beauftragte daraufhin eine ehemalige hochrangige Richterin und niedersächsische Justizministerin mit einer Untersuchung. Aus der Universität hieß es, das Gutachten sei bereits fertig, werde aber wegen der Exzellenzbewerbung zurückgehalten. Das Ministerium wies dies zurück: Die Gutachterin führe noch Gespräche; das Gutachten solle Anfang November vorgelegt werden.
Vom Cluster zur Universität
Der Weg zum Exzellenzstatus führt über zwei aufeinander aufbauende Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversität. Am 22. Mai 2025 gab der Wissenschaftsrat die Förderentscheidungen für die Exzellenzcluster bekannt. Freiburg erhielt zwei Zusagen – für den bestehenden Cluster CIBSS und für den neu eingereichten Cluster Future Forests. Damit war die Universität für die zweite Förderlinie antragsberechtigt.
Die Absichtserklärung zur Teilnahme wurde am 27. Juni 2025 eingereicht, der Selbstbericht folgte am 1. August 2025, der Antrag für die Förderlinie Exzellenzuniversität am 12. November 2025. Erstellt wurde er unter Leitung von Melanie Fritscher-Fehr, der neuen Leiterin des Geschäftsbereichs Strategie und Kommunikation. Der 140 Seiten starke Antrag trägt den Titel „The Future Research University: Sparking Change That Matters“.
Im Juni 2026 besuchten internationale Experten die Universität drei Tage lang zur Begutachtung. Anfang Juni empfing Freiburg ein internationales Gutachterteam zu diesem Ortsbesuch, einem zentralen Instrument des Wissenschaftsrats zur Einzelevaluation der Universitäten. Die Gutachtenden tauschten sich direkt mit der Universität aus, um die im Antrag beschriebenen Konzepte, Leistungen und Strukturen vor Ort kennenzulernen und zu bewerten.
Der Bewerbungsprozess und die Begutachtung waren nicht öffentlich. Während verschiedener Campus-Touren stellte die Universität die Inhalte ihres Antrags vor: die forschenden, studierenden und arbeitenden Menschen ebenso wie ihren Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Forschungsprojekte wurden präsentiert, Gespräche mit Partnern aus Wirtschaft und Politik geführt, Studierende einbezogen. Viele Mitglieder der Universität waren an Vorbereitung und Durchführung beteiligt; hinzu kamen Partner aus regionalen Transferökosystemen, aus den europäischen Verbünden EUCOR, EPICUR und LERU sowie aus globalen Partnerschaften. Viele von ihnen hatten bereits die Antragstellung und Vorbereitungen begleitet und ihre Teilnahme am Ortsbesuch zugesagt.
Beteiligte berichteten anschließend von einem guten Verlauf und großem gemeinsamen Engagement der Beschäftigten. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte, Freiburg habe sich gegen starke nationale Konkurrenz durchgesetzt. Internationale Gutachter hätten die Gesamtstrategie der Universität als außerordentlich überzeugend bewertet.
„Sparks“ für Freiburg
Inhaltlich geht es um eine Neudefinition des Selbstverständnisses der Universität im 21. Jahrhundert: wissenschaftliche Erkenntnis soll mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden. Der Antrag nennt lösungsorientierte Beiträge zu Klimawandel, medizinischen Therapien sowie kultureller und digitaler Transformation, außerdem interdisziplinäre Forschung, Lehre zur Förderung kritischen Denkens und der Selbstreflexion sowie den Transfer von Wissen in die Gesellschaft.
Gezielte Maßnahmen, sogenannte „Sparks“, sollen Veränderungen in allen Bereichen der Universität anstoßen. Sie betreffen Strukturen, aber auch eine Kultur des Vertrauens und der Zugehörigkeit. Eingebettet ist der Antrag in die Zukunftsagenda „UFR 2040“, die die langfristige Entwicklung in Forschung, Lehre, Transfer, Universitätskultur und Governance bündelt.
Mit dem Exzellenztitel werden Forschungs- und Lehrleistungen anerkannt, zugleich aber auch eine Zukunftsvision für die gesamte Universität. Geplant sind Exzellenzprofessuren mit besonders großer finanzieller Ausstattung, die Gewinnung hochprofilierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, Einrichtungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Anwerbung besonders leistungsstarker Studierender.
Der Status ermöglicht Universitäten unter anderem langfristige zusätzliche finanzielle Förderung, die strategische Weiterentwicklung der Forschung und den Ausbau international sichtbarer Forschungsprofile, Exzellenzcluster und Forschungsstrukturen. Erwartet werden außerdem höhere internationale Reputation, neue Wissenschaftler, Talente und Kooperationspartner sowie größere Gestaltungsspielräume für interdisziplinäre Projekte und Karriere- und Fördermodelle. Für Studium, Lehre und Transfer kann das forschungsnahe Lehre, bessere Infrastruktur und stärkere Verbindungen zu Gesellschaft, Wirtschaft und Politik bedeuten. Auch nachhaltige Qualitätssicherung und strategische Weiterentwicklung gehören zu den möglichen Effekten.
Die Beteiligung war breit angelegt: Universitätsweite thematische Arbeitskreise befassten sich mit Forschung, Governance und Transfer. Mitglieder erarbeiteten Skizzen und Anträge für Exzellenzcluster, arbeiteten in Fokusgruppen an Maßnahmenvorschlägen, gaben in Feedbackrunden Rückmeldungen und wirkten an unterschiedlichen Beteiligungsformaten sowie an der Vorbereitung des Ortsbesuchs mit.
Eine zentrale Steuerungsstelle im Rektorat soll die Umsetzung gemeinsam mit den Dekanaten sowie zentralen Service- und Managementeinheiten koordinieren. Sobald der Bewilligungsbescheid vorliegt und das Wissenschaftsministerium die Verwendungsrichtlinien festgelegt hat, können neue Stellen ausgeschrieben und die Projekte gestartet werden.
Teil einer bundesweiten Auswahl
Bund und Länder beschlossen die Exzellenzstrategie 2016, um Spitzenforschung an deutschen Universitäten dauerhaft zu fördern und den Wissenschaftsstandort international zu stärken. Ausgewählte Universitäten erhalten dafür Fördermittel in Millionenhöhe. Im März 2026 qualifizierten sich neun bestehende Exzellenzuniversitäten und ein Exzellenzverbund für eine weitere Förderung.
Die unabhängige Exzellenzkommission berief nun fünf weitere Universitäten beziehungsweise Verbünde: die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Ruhr Innovation Lab mit Ruhr-Universität Bochum und Technischer Universität Dortmund, die Rhein-Main-Universitäten mit Technischer Universität Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Universität Freiburg sowie die Universität zu Köln. Bekannt gegeben wurde das Ergebnis von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Falko Mohrs, Wissenschafts- und Kulturminister Niedersachsens, als Vorsitzendem beziehungsweise stellvertretendem Vorsitzenden der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.
Exzellenzcluster fördern innovative, häufig fachübergreifende Forschungsprojekte einzelner Universitäten oder Universitätsverbünde. Exzellenzuniversitäten und -verbünde sollen ihre Spitzenstellung langfristig weiterentwickeln. Voraussetzung für die Bewerbung sind erfolgreiche Exzellenzcluster: Einzelne Universitäten müssen an mindestens zwei Clustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei.
Die Förderung ist dauerhaft angelegt, alle sieben Jahre wird überprüft, ob die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind. Über Cluster und Exzellenzuniversitäten entscheiden wissenschaftliche Auswahlverfahren der Deutschen Forschungsgeme
