Die private WHU – Otto Beisheim School of Management will ihre Aktivitäten am bisherigen Teilstandort Düsseldorf bündeln. Im Stadtzentrum soll ein neuer Campus entstehen. Für die Hochschule ist das eine Standortentscheidung mit Signalwirkung – und für Düsseldorf ein Projekt, das sich nicht mal eben zwischen zwei Vorlesungen erledigt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete die Entscheidung als großen Erfolg für NRW und Düsseldorf. Die nach Otto Beisheim benannte Hochschule gelte als eine der führenden europäischen Hochschulen für Unternehmensgründungen, sagte Wüst. Sie könne zusätzliche Impulse für Innovation und wirtschaftliches Wachstum setzen. Mit seiner Hochschullandschaft und international erfolgreichen Unternehmen habe NRW gute Voraussetzungen, junge Menschen aus aller Welt zu gewinnen und ihnen Bedingungen für Talententwicklung, Unternehmensgründungen und berufliche Perspektiven zu bieten.

Ein neuer Campus mitten in Düsseldorf

Ausschlaggebend für die Campusplanung waren laut WHU die engen Kontakte zu Wirtschaft und Industrie. Düsseldorf ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort Deutschlands und Sitz internationaler Unternehmen. Der Campus liegt im Stadtzentrum und soll Masterstudierende in Finance, Full-Time- und Part-Time-MBA-Studierende, Teilnehmende der Executive-Education-Programme sowie Forschende und Mitarbeitende zusammenbringen.

Auch abseits von Seminarräumen und Fallstudien ist der Standort gut ausgestattet: Spaziergänge am Rhein, die historische Altstadt und der moderne MedienHafen liegen ebenso in der Stadt wie Museen, Parks, Cafés und die Königsallee. Dazu kommt die internationale Verkehrsanbindung. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erwartet, dass der geplante Campus langfristig eine ähnliche Bedeutung erlangen wird wie andere große Stadtentwicklungsprojekte der vergangenen Jahrzehnte.

Die Landesregierung sieht in der Entscheidung einen Beleg für die internationale Anziehungskraft NRWs bei Spitzenforschung und unternehmerischen Ideen. Nach ihren Angaben ist sie innerhalb kurzer Zeit die zweite wichtige Nachricht für den Hochschulstandort. Zuvor erhielten die Universität Köln sowie der Verbund aus Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund den Exzellenzstatus. Die Universität Bonn und die RWTH Aachen verfügten bereits über diesen Status. Damit gehören künftig fünf Universitäten beziehungsweise Hochschulverbünde aus NRW zum Kreis der Exzellenzuniversitäten und -verbünde – mehr als in jedem anderen Bundesland.

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Von Vallendar nach Düsseldorf – und zurück zur Gründungsidee

Die WHU wurde 1984 auf Initiative der Industrie- und Handelskammer Koblenz als „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung“ gegründet. Das ursprüngliche Konzept zielte auf eine unabhängige, international ausgerichtete Hochschule zur Ausbildung künftiger Führungskräfte für die Wirtschaft. Die Abkürzung WHU leitet sich von dieser Langform ab, die inzwischen nicht mehr verwendet wird. 1988 zog die Hochschule von Koblenz-Karthause in die Marienburg im Zentrum Vallendars um.

Heute ist die WHU – Otto Beisheim School of Management eine privat finanzierte Wirtschaftshochschule im Universitätsrang. Ihr Hauptsitz liegt in Vallendar bei Koblenz, Düsseldorf ist der weitere Standort. Staatlich anerkannt ist sie seit 1984 durch das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz. Den Namenszusatz „Otto Beisheim“ trägt sie seit 1993 – zu Ehren ihres größten Förderers. Träger ist die Stiftung Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung. Kanzlerin ist Rebecca Winkelmann, Rektor Christian Andres.

Die Hochschule finanziert sich aus Stiftungskapital, Spenden, Zuwendungen und Studienentgelten und erhält keine Landesmittel. Wie staatliche Universitäten besitzt sie das Promotions- und Habilitationsrecht. Dadurch kann sie wissenschaftlichen Nachwuchs eigenständig ausbilden. Nach Angaben der WHU betreuen rund 60 Professoren und 270 Mitarbeiter etwa 2.100 Studierende an den Standorten Vallendar und Düsseldorf. Für das Wintersemester 2024/25 werden 2.007 Studierende genannt; im September 2024 arbeiteten 251 Mitarbeiter an der Hochschule, wissenschaftliche Mitarbeitende nicht eingerechnet. Hinzu kommen 44 Professoren und 15 Juniorprofessoren. Der Jahresetat lag im Geschäftsjahr 2021/22 bei 57,6 Millionen Euro.

Die Fakultät umfasst verschiedene Lehrstühle und Zentren. Zu den Instituten gehören das Institut für Management Accounting and Control (IMC), das Kühne-Institut für Logistikmanagement, das Institut für Industrieökonomik sowie das Institut für Familienunternehmen und Mittelstand (ifbm). Die Website der Hochschule ist www.whu.edu.

Studium, Auswahl und internationale Wege

Im Bachelor bietet die WHU einen Bachelor of Science in Internationaler Betriebswirtschaftslehre/Management und einen Bachelor of Science in Wirtschaftspsychologie an. Beide Programme umfassen zwei Praktika, davon mindestens eines im Ausland, sowie ein Auslandssemester. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester, der Umfang 180 ECTS-Credits.

Im Master stehen Master in Management, Master in Finance, Master in Entrepreneurship, Master in International Business und Master in Business Analytics zur Auswahl. Die Studienmodelle umfassen entweder 120 ECTS in 21 Monaten oder 90 ECTS in 17 Monaten. Zusätzlich gibt es einen berufsbegleitenden Master in Management als Master of Arts.

Der Full-Time MBA in General Management dauert zwölf Monate und findet am WHU-Campus Düsseldorf statt. Der Part-Time MBA in General Management läuft 18 Monate, der Unterricht findet samstags und sonntags in Düsseldorf statt – gedacht für Berufstätige. Der Global Online MBA in General Management kann wahlweise 18 oder 36 Monate dauern; einzelne Zertifizierungen sind ebenfalls möglich. Dazu kommt der Kellogg-WHU Executive MBA, ein gemeinsames Programm mit der Kellogg School of Management. Er dauert zwei Jahre in Teilzeit und richtet sich an Berufstätige mit mindestens acht Jahren Führungserfahrung.

Promotionsstudiengänge stehen Diplom- und Masterabsolventen offen. In besonderen Fällen können auch besonders leistungsstarke Bachelorabsolventen promovieren. Der Abschluss lautet „Dr. rer. pol.“; Promovierte können sich an der WHU habilitieren.

Voraussetzung für die Zulassung sind das Abitur oder ein vergleichbarer nationaler beziehungsweise internationaler Schulabschluss, sehr gute Englischkenntnisse und ein mindestens sechswöchiges kaufmännisches Praktikum bis zum Studienbeginn. Notenmäßig beste Bewerber werden zu einem deutsch- oder englischsprachigen Assessment-Center eingeladen. Ein weiteres Viertel erhält die Einladung aufgrund besonderen außerschulischen Engagements. Geeignete Bewerber absolvieren zwei jeweils 30-minütige Einzelinterviews und einen schriftlichen Test; die besten Teilnehmenden erhalten einen Studienvertrag.

Die Studiengänge mit akademischem Abschluss sind staatlich anerkannt und FIBAA-akkreditiert. Außerdem ist die WHU durch AACSB und EQUIS akkreditiert; die EQUIS-Akkreditierung besteht seit 1998. Im QS World University Ranking 2023 lag die WHU im Bereich Business & Management Studies weltweit auf Platz 128, bei Accounting & Finance im Rangbereich 100–150. Der MBA belegte Platz 59 von 296 Programmen, der Master in Management Platz 24 von 176 und der Master in Finance Platz 24 von 189. Im deutschsprachigen Raum lagen unter anderem die Wirtschaftsuniversität Wien, die Universität St. Gallen, die Mannheim Business School und die Frankfurt School of Finance & Management teilweise vor der WHU.

Rund 220 Partnerschaften unterhält die Hochschule weltweit, darunter mit der Carnegie Mellon University, der Columbia University, der University of Hong Kong, dem Dartmouth College, der IE Business School, der ESCP Business School, der ESADE Business School, dem Indian Institute of Management Ahmedabad, der Singapore Management University, der Nanyang Technological University, der New York University, der Northwestern University/Kellogg School of Management, der Erasmus-Universität Rotterdam, Sciences Po, der Shanghai Jiao Tong University, der Stockholm School of Economics, der Hong Kong University of Science and Technology, der University of North Carolina at Chapel Hill, der Università Bocconi, der University of Michigan, der University of New South Wales, der University of Southern California und der University of Texas at Austin.

Zu den Double-Degree-Partnern zählen unter anderem die EMLYON Business School, die Emory University, die Lancaster University, die Universität Peking, die Católica Lisbon School of Business & Economics, die University of San Diego, die University of Texas at Austin und die York University/Schulich School of Business.

Gründen, fördern, weitermachen

Gemessen an der Studentenzahl ist die WHU nach eigenen Angaben die gründungsstärkste Hochschule Deutschlands. Mehr als ein Drittel der Studierenden gründet demnach im Laufe der Zeit ein Unternehmen. Zu den erfolgreichen Gründungen zählen Zalando, Flixbus und Hellofresh.

Eine TUM-Studie von 2025 ermittelte rund 350 Gründungen je 1.000 Studierende – den höchsten Wert