Michael Backes könnte an die Universität des Saarlandes zurückkehren. Vor seiner Zeit als wissenschaftlicher Geschäftsführer des Cispa war er Professor an der Hochschule; seine Professur ruhte während seiner Tätigkeit beim Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Nach Angaben der Universität kann Backes jederzeit zurückkehren. Gespräche darüber habe es bislang allerdings nicht gegeben.

Das Cispa in Saarbrücken hat sich inzwischen von seinem wissenschaftlichen Geschäftsführer getrennt. Bund und Saarland, die Gesellschafter des Zentrums, teilten mit, die Trennung sei „einvernehmlich“ erfolgt. Als Grund nannten beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des international aufgestellten Forschungszentrums. Bis zum Abschluss einer externen Untersuchung war Backes von seinen Aufgaben freigestellt worden.

Keine Belege, aber ein offenes Risiko

Nach seinem Ausscheiden äußerte sich Backes erstmals öffentlich auf LinkedIn. Beim Cispa seien keine Belege für Spionage gefunden worden, schrieb er. Auch Hinweise auf einen unberechtigten Informationsabfluss gebe es nicht. Diese Ergebnisse habe er von Anfang an erwartet. Zugleich stellte Backes infrage, wie öffentlich zugängliche Forschungsergebnisse überhaupt geschützt werden sollen.

Dem steht die Darstellung von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) gegenüber. Sie sprach unter Berufung auf einen Prüfbericht von gravierenden Sicherheitsmängeln beim Cispa. Der Bericht bleibt aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Nach den veröffentlichten Angaben stellte er strukturelle Defizite fest. Ein Abfluss sicherheitsrelevanter Erkenntnisse, auch nach China, sei jederzeit möglich gewesen, erklärte Bär. Belege für einen solchen Datenabfluss gibt es nicht; ausschließen lässt er sich laut den Angaben jedoch nicht.

Der rund 400 Seiten umfassende Abschlussbericht war nach Berichten über mögliche Sicherheitsmängel bei Kooperationen mit China durch eine externe Sonderprüfung entstanden. Untersucht wurden unter anderem Kontakte zu chinesischen Wissenschaftlern aus dem Umfeld des Militärs sowie zu Hochschulen, die auf US-Sanktionslisten stehen. Die Prüfer stellten Kooperationen und gemeinsame Veröffentlichungen mit „risikobehafteten Personen und Institutionen“ aus China fest. Daten und Geschäftsgeheimnisse seien unzureichend geschützt worden.

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Die Datenlage ließ laut Bericht keine gesicherten Aussagen darüber zu, ob sicherheitsrelevante Erkenntnisse tatsächlich abgeflossen sind. Die Zugangsmöglichkeiten zum Forschungsnetzwerk hätten jedoch gezeigt, dass ein solcher Abfluss jederzeit möglich gewesen sei. Bär sagte, beim Forschungszentrum hätten „Tür und Tor sperrangelweit offen“ gestanden. Ihr Ministerium werde die Vertretung im Aufsichtsrat künftig wieder selbst übernehmen.

Die chinesische Botschaft sprach gegenüber Reuters von Vorverurteilungen, politischer Manipulation und dem Versuch, China gezielt zu diffamieren. Über wissenschaftliche Kontakte zu China und anderen Staaten wird seit Jahren gestritten: Können dabei Forschungsergebnisse abfließen, vielleicht unbemerkt und über Umwege? Eine Frage, die an Hochschulen selten für lockere Stimmung sorgt.

Unruhe in der Führung

Fest steht: Bund und Land teilten mit, dass Michael Backes nicht mehr Chef des Cispa Helmholtz Zentrums für Informationssicherheit in Saarbrücken ist. Nach der Veröffentlichung des Prüfberichts halbierte sich die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder. Zunächst wurde der Vorsitzende auf Bundesebene abberufen, anschließend legten drei weitere Mitglieder ihre Ämter nieder.

Ob Backes wieder an die Universität des Saarlandes kommt, ist offen. Die Möglichkeit besteht formal jederzeit, konkrete Gespräche gab es bisher nicht. Auf dem Campus dürfte die Nachricht trotzdem nachhallen – gerade weil das Cispa eng mit der Universität verbunden ist und die Vorwürfe mitten in eine ohnehin heikle Debatte über internationale Forschungskooperationen platzen.

Europa zieht die Grenzen enger

Wie sensibel solche Kooperationen inzwischen bewertet werden, zeigt auch die europäische Forschungsförderung. Die Bundesregierung stimmte nach intensiver Beratung für das Arbeitsprogramm 2026–2027 von „Horizont Europa“ (HEU). In mehreren Bereichen schränkt das Programm die Teilnahme chinesischer Einrichtungen ein. Begründet wird dies mit dem „Schutz strategischer Interessen der EU“.

Betroffen sind unter anderem die Felder Gesundheit, zivile Sicherheit und Gesellschaft sowie Digitalisierung, Industrie und Weltraum. Größere Auswirkungen auf die Beteiligung deutscher Forschungseinrichtungen und Hochschulen an europäischen Verbundprojekten erwartet die Bundesregierung nicht.

Für die Risikobewertung wissenschaftlicher Kooperationen mit chinesischen Einrichtungen sollen mehrere Punkte eine Rolle spielen: die Art der beteiligten Einrichtung, Forschungsthema und -ziel, mögliche Dual-Use-Potenziale, eine mögliche wirtschaftliche Verwertung und die institutionelle Herkunft. Ebenfalls berücksichtigt werden Verbindungen und Verflechtungen der beteiligten Personen sowie potenzielle künftige Abhängigkeiten.

Die Angaben stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Ein Vorschlag der EU-Kommission für einen European Research Act (ERA Act) soll im dritten Quartal 2026 vorgelegt werden.

Erstveröffentlichung dieses Berichts war am 1. Oktober 2026 um 18:25 Uhr.