Wer am 1. Oktober 2026 durch die Dresdner Platanenstraße fährt, sollte den Fuß vom Gas nehmen: In der Straße im Dresdner Norden, im Postleitzahlengebiet 01129 nahe der Großenhainer Straße, steht ein mobiler Messanhänger mit dem Kennzeichen HWI-VE 217. Er kontrolliert dort bei Tempo 30 die Geschwindigkeit.

Die erste Meldung über den Einsatz kam bereits am Dienstag, 29. September, kurz nach 13 Uhr. Gesichtet wurde der Anhänger schließlich am 1. Oktober. Das Kennzeichen sorgt für Stirnrunzeln: Dresdens bislang bekannte Flotte bestand aus den Messanhängern 159, 167 und 213. Die Kennung 217 war bei früheren Standortwechseln nicht bekannt.

Neue Nummer, neue Maschine?

Naheliegend ist deshalb die Vermutung, dass die Stadt ihre Flotte erweitert hat. Bestätigt ist das bisher nicht. Ebenso offen bleibt, ob HWI-VE 217 tatsächlich ein viertes Gerät, ein Ersatzanhänger oder etwas anderes ist. Das Ordnungsamt wechselt die Standorte regelmäßig – bis zur nächsten Kontrolle kann der Anhänger also schon wieder woanders stehen.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen Anhänger des Typs Jenoptik TraffiStar S350. Die Systeme können akkubetrieben mehrere Tage ohne Personal messen. Seit Mai 2026 verfügt Dresden nach Angaben des Ordnungsamtes über drei Blitzeranhänger; alle arbeiten akkubetrieben. Eingesetzt werden die Anhänger vor allem an Schulen, Unfallschwerpunkten und anderen Bereichen mit erhöhtem Überwachungsbedarf.

Die bisher öffentlich gemeldeten Standorte stammen vom 8. September 2026. Sie sind keine Echtzeitpositionen, denn die semistationären Geräte können mehrere Tage an einem Ort stehen und anschließend umgesetzt werden. Bei früheren Einsätzen geschah das laut Stadt ungefähr alle drei bis vier Tage.

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Wo die drei bekannten Anhänger standen

  • Zschertnitzer Straße: auf Höhe der Haltestelle Clausen-Dahl-Straße stadtauswärts bei Tempo 30. Dort stand der Anhänger mit dem Kennzeichen HWI VE 167 vor Glas- und Altpapiercontainern. Zuvor war das Gerät unter anderem auf der Güntzstraße im Einsatz.
  • Zellescher Weg: etwa auf Höhe der Hausnummer 9 in Richtung Fritz-Foerster-Platz bei Tempo 50. Der dunkelgrüne Anhänger trug das Kennzeichen HWI VE 213 und stand auf der rechten Fahrbahnseite. Zuvor war er an der Bürgerwiese stationiert.
  • Dresdner Straße in Langebrück: kurz vor der Haltestelle Langebrück Lindenhof 1 in Richtung Flughafen bei Tempo 30. Dort stand HWI VE 159; der Anhänger ist inzwischen ebenfalls dunkelgrün gestaltet.

Neben den wechselnden Anhängern gibt es in Dresden weitere stationäre und mobile Messstellen. Eine verlässliche öffentliche Zuordnung der drei aktuellen Kennzeichen zu den jeweiligen Messsystemen ist allerdings nicht durchgehend dokumentiert.

Laser statt dauerhaftem Messpersonal

Bevor Dresden die semistationären Systeme dauerhaft einsetzte, wurden zwei Geräte getestet. Der TraffiStar S350 von Jenoptik kam 2024 auf 17.157 Auslösungen, der PoliScan FM1 von Vitronic auf 13.031 Auslösungen. Beide arbeiten mit LIDAR-Lasertechnik. Die Zahlen lassen sich wegen unterschiedlicher Standorte, Verkehrsaufkommen und Einsatzbedingungen nicht direkt als Qualitätsvergleich lesen.

Beim TraffiStar S350 werden Laserimpulse fächerförmig ausgesendet. Aus den Veränderungen der gemessenen Entfernung und den jeweiligen Zeitabständen errechnet das Gerät die Geschwindigkeit. Ein Fahrzeug reflektiert die Laserstrahlen; bei einer Überschreitung löst das Blitzlicht aus und erstellt ein Beweisfoto.

Die Strahlen reichen etwa 70 Meter weit, gemessen wird typischerweise in einer Entfernung von 20 bis 50 Metern. Gleichzeitig können Fahrzeuge auf mehreren Fahrstreifen erfasst werden. Nach Herstellerangaben unterscheidet das Gerät Motorräder, Pkw und Lkw und kontrolliert die jeweils geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Der TraffiStar S350 kann stationär in einer Blitzersäule, mobil auf einem Stativ oder in einem Fahrzeug und semistationär in einem Anhänger, einem sogenannten „Enforcement Trailer“, eingesetzt werden. Nach dem Aufstellen ist der Anhänger direkt betriebsbereit und braucht vergleichsweise wenig Personal. Auch der PoliScan FM1 nutzt das LIDAR-Verfahren und wird in gepanzerten semistationären Anhängern eingesetzt.

Was ein Einspruch mit der Messtechnik zu tun hat

Der TraffiStar S350 ist ein von Jenoptik entwickeltes Geschwindigkeitsmessgerät. Wie bei anderen Messverfahren können jedoch Fehlerquellen eine Rolle spielen: eine fehlende Eichung, fehlende Justierung, unsachgemäße Bedienung oder eine fehlerhafte Zuordnung der Messergebnisse.

Deutsche Gerichte beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit dem Gerät. Viele erkennen die Messung grundsätzlich als standardisiertes Messverfahren an. Genannt werden mehrere Entscheidungen des OLG Düsseldorf: Az. 2 RBs 123/19 vom 8. August 2019, Az. 2 RBs 141/19 vom 21. Oktober 2019 und Az. 2 RBs 30/20 vom 10. März 2020.

Kritisiert wird vor allem, dass der TraffiStar S350 die Rohmessdaten nicht vollständig speichert. Eine nachträgliche Überprüfung, etwa durch einen Sachverständigen, kann dadurch eingeschränkt oder nicht möglich sein. Das AG Stralsund stellte in einem Urteil vom 7. November 2016 (Az. 324 OWi 554/16) fest, dass deshalb die Anerkennung als standardisiertes Messverfahren nicht mehr möglich sei.

Auch der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes beanstandete in seiner Entscheidung vom 5. Juli 2019 (Az. Lv 7/17), dass die Messdaten keiner Plausibilitätsprüfung unterzogen werden könnten. Nach Auffassung des Gerichts entsteht betroffenen Fahrzeugführern dadurch ein erheblicher Nachteil bei der Verteidigung. Die Entscheidung gilt unmittelbar nur im Saarland, andere Gerichte können sich daran orientieren.

Ob ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid Erfolg hat, hängt vom Einzelfall ab. Grundsätzlich ist ein Einspruch innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt des Bußgeldbescheids möglich. Ein Fachanwalt kann die Akte und das Messprotokoll prüfen; außerdem gibt es bei entsprechenden Kanzleien kostenlose Erstberatungen. Für den Einspruch werden auch Vorlagen als DOC- und PDF-Datei angeboten. Ob sich der Schritt lohnt, sollte nach Akteneinsicht und anhand des konkreten Falls entschieden werden – während der Anhänger in der Platanenstraße womöglich schon wieder an einem anderen Dresdner Straßenrand steht.