HuGo im Haus C: Wie ein humanoider Roboter den Klinikempfang erprobt
Heute, am 3.10.2026, bekommt die Ambulanz von Haus C am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel ungewöhnlichen Besuch: Der humanoide Serviceroboter „HuGo“ wird dort einen Tag lang getestet. Er soll Klinikgäste und Patientinnen und Patienten begrüßen, den Weg weisen und notwendige Informationen geben.
Der etwa 1,50 Meter große Roboter beantwortet gesprochene Fragen mithilfe künstlicher Intelligenz. Lautsprecher und ein künstliches Gesicht auf einem Display machen die Kommunikation möglich. HuGo kann außerdem gestikulieren und mit seinen Armen Richtungen anzeigen. Grundsätzlich beherrscht er mehrere Sprachen, beim Kieler Test liegt der Schwerpunkt zunächst auf Deutsch.
Ein Tag zwischen Empfang und Wegbeschreibung
Die Entwickler wollen beobachten, wie Besucherinnen und Besucher auf HuGo reagieren. Versteht er die Fragen? Gibt er korrekte Antworten? Und fühlen sich Menschen durch einen Roboter tatsächlich wertgeschätzt? Das sind einige der Punkte, die während des eintägigen Tests geprüft werden.
Das derzeit in Kiel eingesetzte Modell ist stationär und kann sich nicht selbstständig bewegen. Für die Pflege- und Servicemitarbeitenden könnte es trotzdem eine Hilfe sein, vor allem bei routinemäßigen Aufgaben. Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein befürwortet solche Tests im Servicebereich grundsätzlich – auch mit Blick auf den Fachkräftemangel.
Geschäftsführer Patrick Reimund betonte zugleich, dass die Grenzen der Technologie genau geprüft werden müssten. Bei bestimmten medizinischen Interaktionen seien weiterhin menschliche Ansprechpartner erforderlich. Das klingt weniger nach Science-Fiction als nach dem nüchternen Alltag im Krankenhaus: Für eine Wegbeschreibung mag ein Roboter reichen, für schwierige medizinische Gespräche eher nicht.
Ein Forschungsprojekt mit vielen Beteiligten
HuGo ist Teil des deutsch-dänischen Forschungsprojekts „HospiBot“, das vor etwas mehr als zwei Jahren begann. Die Entwicklungszeit beträgt drei Jahre. Finanziert wird das Projekt mit knapp 1,7 Millionen Euro aus dem Förderprogramm Interreg Deutschland-Danmark beziehungsweise der europäischen Interreg-Förderung.
Mehr als 40 Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Experten aus verschiedenen Fachgebieten arbeiten an den Krankenhausrobotern. Beteiligt sind Partner aus Wissenschaft, Kliniken und Industrie, darunter das Fraunhofer IMTE mit Kompetenzen im Gesundheitsbereich, UXMA, Blue Ocean Robotics und Giobotics. Ihr Fachwissen reicht von Robotik und Medizintechnik über Usability bis zur Mensch-Roboter-Interaktion.
HospiBot entwickelt smarte Assistenzroboter für Krankenhäuser, die medizinisches Personal bei nichtpflegerischen Routineaufgaben unterstützen sollen. Dazu gehören Transporte, die Begrüßung von Patientinnen und Patienten sowie Sicherheitspatrouillen. Die Systeme werden gemeinsam mit Kliniken entwickelt, direkt im Versorgungsalltag getestet und schrittweise verbessert.
Geplant sind unter anderem Begrüßungsroboter für Kinderkliniken, Transportroboter für Dokumente und Proben sowie Sicherheitsroboter, die mit Wärmesensorik und einer Notsignalfunktion Patrouillen übernehmen können. Dahinter stehen der Fachkräftemangel in der Pflege, eine alternde Gesellschaft, ein steigender Versorgungsbedarf und die hohe Belastung des Pflegepersonals durch nichtmedizinische Routineaufgaben. Wenn Roboter solche Tätigkeiten übernehmen, bleibt Pflegekräften mehr Zeit für Zuwendung und medizinische Aufgaben.
Der nächste HuGo soll mitkommen
Das Kieler Modell bleibt vorerst an seinem Platz. Die Forschung arbeitet aber bereits an einer weiteren Version, die Patientinnen, Patienten und Gäste künftig über das Klinikgelände zu Stationen und Kliniken begleiten soll. Für den Sommer ist in Kiel ein weiterer Test mit diesem beweglichen Modell geplant. Auch Kliniken in Süddänemark und Norddeutschland beteiligen sich an den Erprobungen.
Für den Kontakt mit Menschen setzt das Projekt auf Mimik, Sprache und nutzerzentrierte Benutzeroberflächen. Entwickelt werden sollen alltagstaugliche, empathische und datensparsame Robotiklösungen. Das klingt zunächst nach großen Ansprüchen, wird aber im Krankenhaus an sehr kleinen Momenten sichtbar: an einer verständlichen Antwort, einer richtigen Abzweigung oder daran, ob jemand sich am Empfang nicht verloren fühlt.
Roboter zwischen Logistik und Pflege
Dass Roboter im Gesundheitswesen auftauchen, ist kein Kieler Sonderfall. Sie werden zunehmend im öffentlichen und teilöffentlichen Sektor eingesetzt, insbesondere in Krankenhäusern, Pflegeheimen und weiteren Gesundheitseinrichtungen. Dort übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben, um den Arbeitsalltag zu erleichtern und die Effizienz zu steigern.
Es gibt Transportroboter für Materialien und Patienten, Kommissionierroboter mit Manipulatoren zur Unterstützung der Materialversorgung sowie Service- und Pflegeroboter, die Pflegefachpersonal unterstützen. Mit den Fortschritten bei Objekterkennung und Einsatzflexibilität entstehen allerdings neue Forschungsfragen: Wie selbstständig darf ein System handeln? Erkennt es seine Umgebung zuverlässig? Findet es seinen Weg, ohne Menschen zu behindern?
Das Fraunhofer IML untersucht deshalb die Steigerung der Roboterautonomie, die Interpretation der Umgebung, die Mensch-Roboter-Interaktion sowie Lokalisierung und Navigation. Bevor Roboter im Gesundheitswesen noch stärker integriert werden können, müssen technische und anwendungsspezifische Fragen geklärt werden. In Haus C beginnt das heute mit einem stationären HuGo, einigen Fragen auf Deutsch und vielen neugierigen Blicken.
